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Bild: itestroorig / Fotolia
IT:
Blockchain zwischen Hype und Absturz
Die Blockchain mischt die Energiewirtschaft auf – zumindest theoretisch. Noch sind konkrete Anwendungen rar. Einige Energieunternehmen forschen daran gemeinsam mit Start-ups.
 
Energiewirtschaft und Blockchain könnten tatsächlich gut zusammenpassen, die Potenziale sind enorm. Allerdings: Eine Blockchain kann erst dann ihre Stärken ausspielen, wenn sie auf einer sicheren und komplett digitalisierten Datengrundlage beruht. Doch die ist bei vielen Energieversorgern noch gar nicht gegeben. „Die Energiewirtschaft schreit regelrecht danach“, meint Christoph Klemm, Geschäftsführer des auf die Energiewirtschaft spezialisierten Leipziger Softwareentwicklers Evermind. „Nach dem Smart Meter Rollout wird das ein ganz großes Ding werden.“

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberater Horvath & Partners befragte genau dazu Entscheider in der deutschen Energiewirtschaft. Vier von zehn Unternehmen erwarten demnach von der Blockchain-Technologie Veränderungen des Marktumfelds. 43 % glauben, dass die Blockchain den Energiemarkt bis 2025 verändere. Anwendungsgebiete seien Energiehandel und -vermarktung. 20 % haben zudem bereits eigene Projekte gestartet. Knapp ein Drittel sammelt Erfahrungen mit Kooperationen oder Beteiligungen an entsprechenden Projekten.

Auch die Dezentralisierung sei ein weiterer Punkt für die neue Technik, so Konstantin Graf von der Technologieberatung Atran. Er nennt auch gleich einen großen Vorteil, warum die Blockchain sich hier – im Gegensatz zu anderen Bereichen – gut anwenden lässt: „Die politische Regulierung will die dezentrale Energieversorgung. Die wiederum benötigt virtuelle Kraftwerke. Und die lassen sich sehr gut mit einer Blockchain abbilden.“
 
Sieht die Energiewirtschaft bei der Blockchain-Nutzung in einer guten Position: Konstantin Graf
Bild: Atran

Dennoch ist Deutschland keineswegs ein Vorreiter. Bekannt ist in Fachkreisen das Brooklyn Smart Grid, eine blockchain-basierte Nachbarschaftslösung, mit der im New Yorker Stadtteil Brooklyn erzeugter Solarstrom zwischen den Teilnehmern gehandelt wird. In Estland gibt es eine Stromhandelsplattform, die auf ähnliche Weise PV-Anlagenbesitzer miteinander verknüpft.

Die Führungsrolle liegt nicht bei der Energiewirtschaft

Die Führungsrolle bei Großanwendungen für die Energiewirtschaft liegt nicht bei dieser selbst, sondern bei Technologiekonzernen wie Siemens oder IBM. Letztere hat mit dem australischen Start-up Power Ledger eine Peer-to-Peer-Energiehandelsplattform auf Basis einer Blockchain, der „Eco.Chain“, entwickelt. Im Oktober vergangenen Jahres sammelte das Start-up 34 Mio. US-Dollar (27,6 Mio. Euro) für eine erste praktische Anwendung und die Weiterentwicklung des Systems ein.

In Deutschland wird derzeit an mehreren Projekten geforscht. Über das Versuchsstadium ist jedoch noch keines hinausgekommen. Dennoch sind die Ansätze vielversprechend.

Die EnBW und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) arbeiten derzeit an einer dezentralen Energiebörse, Decentralised Energy Exchange (DEX) genannt. Mit dieser soll via Blockchain wie bei jeder anderen Börse das Zusammentreffen von Stromanbietern und -kunden vereinfacht werden. Damit entfällt etwa für dezentrale Stromerzeuger der Weg über eine zentrale Strombörse wie die Leipziger EEX.

Graf nennt als Anwendungsmöglichkeit für die neue Technik zudem die Abbildung interner Prozesse der Energieversorger, um so deren Effizienz zu steigern. Doch nicht jede Lösung müsse gleich eine Blockchain sein. Hingegen würden Umsätze in Bereichen wegbrechen, deren Leistungen von anderen erbracht werden könnten – mit Blockchain oder ohne. In einem Punkt kann er für die Energieversorger Entwarnung geben: Die physikalische Netzdienstleistung müsse auch weiterhin erbracht werden. Die werde durch die Blockchain keineswegs überflüssig.

Knackpunkt ist der Energieverbrauch der Blockchain

Viel diskutiert wird der hohe Energieverbrauch einer Blockchain. Streng genommen trifft das nur auf die Kryptowährung Bitcoin zu, die eigentlich schon wieder ein Fossil in der Blockchain-Landschaft ist. Im Gegensatz zu Systemen wie Ether und der dazugehörigen Kryptowährung Ethereum, die Smart Contracts ermöglichen, kann die Bitcoin bei finanziellen Transaktionen keine weiteren Befehle mittransportieren.
Nach Schätzungen des Analysten und Blockchain-Experten Alex de Vriesbeläuft sich der Stromverbrauch für Bitcoin Mining weltweit auf 24,52 Mrd. kWh jährlich. Das entspricht nach Berechnungen des Magazins t3n dem Energiebedarf von Nigeria mit 185 Mio. Einwohnern. Für eine Bitcoin-Transaktion wären das 222 kWh, ausgehend von 300 000 Transaktionen täglich.
 Der Stromverbrauch entsteht durch das Mining, also den Betrieb der Computer, auf denen die Transaktionen verschlüsselt und berechnet werden. Je mehr Teilnehmer es an einer Blockchain gibt, umso höher ist der Energieverbrauch. Die Anbieter der Rechnerkapazitäten erhalten dafür ihren Lohn in der jeweiligen Kryptowährung.
„Alle anderen Protokolle, die man mit Smart Contracts bestücken kann, arbeiten an alternativen kryptografischen Verfahren, die den Stromverbrauch massiv senken, so Graf. Er hat in Hinblick auf die Blockchain-Technologie noch eine ganz realistische Befürchtung: „Es kann sein, dass die ganze Bitcoin-Blase platzt und auch die hoffnungsvollen Ansätze, die es bei der Blockchain-Technologie gibt, mit hinabreißt.“


Blockchain in der Energiewirtschaft: Der BDEW erstellt mit der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers regelmäßig eine Liste der weltweit wichtigsten Blockchain-Aktivitäten. Hier ein Auszug für den deutschsprachigen Raum.

Tennet und Sonnen
Übertragungsnetzbetreiber, Speicherspezialist
  • Stromspeicher und deren Verbindung als virtuelles Kraftwerk, zusätzliche Flexibilität aus miteinander vernetzten Heimspeichern
  • Blockchain-System von IBM
Innogy
Energieversorger
  • „Share&Charge“: Ethereum-basierte Plattform, um private Ladestationen für E-Mobilitätsanwendungen anzubieten
  • „Car eWallet“: Blockchain-basierte Zahlungsmöglichkeit für das Aufladen von E-Autos
  • Conjoule (mit Tepco): Peer-to-Peer-Plattform
Wienenergie
Energieversorger
  • Pilotprojekt für Energiehandel auf der Plattform Interbit von BTL mit BP, Eni Trading & Shipping und anderen
Siemens
Technologieanbieter
  • Brooklyn Microgrid: weltweit erstes Mikronetz, das Blockchain mit Kontroll- und Automatisierungslösungen kombiniert
Ponton
Softwareentwickler
  • „EnerChain“: Blockchain-basierte Energiegroßhandelsplattform für Peer-to-Peer-Transaktionen
Freeel io
Softwareentwickler
  • Peer-to-Peer-Energie-Apps zur Optimierung von Stromverbrauch und Nutzungsmustern in solaren Haushalten unter Verwendung von Blockchain
  • „AdptEVE“: lernt aus dem Nutzungsverhalten des Users, kann über Smart Contracts Strom tauschen und bezahlen
Slock it
Blockchain-Entwickler
  • Plattform für neue Applikationen
Stadtwerke Energie Verbund
Gruppe von acht Versorgungsunternehmen sowie Discovergy, Sunride und „GrünStromJeton“
  • „Kleiner Racker“: Projekt zur Überwachung von „grüner Energie” und flexibler Preisanpassung
Stromhaltig de
Blog- und Dienstleistungswebsite
  • Grünstrom Jeton: Ethereum-basiert, überwacht lokalen Stromverbrauch in Relation zu lokaler Stromversorgung
  • „StromDAO“: dezentrale, autonome Organisation mit Smart Contracts

 
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Mittwoch, 14.03.2018, 09:07 Uhr