• An allen Enden fester
  • OGE arbeitet mit Lkw-Herstellern zusammen
  • Verbände fordern mehr Hilfen bei Effizienz-Projekten
  • Vonovia will mehr Mieterstromanlagen bauen
  • Projektplaner von Amprion erhalten eigenes Bürogebäude
  • BEE: Energiewende braucht schnell mehr grüne Stromerzeugung
  • Aufbruch in die E-Luxusklasse mit reichlich Kilowatt
  • Feldversuch in Tamm macht Netze BW fit fürs Elektromobilität
  • Uniper klagt gegen niederländischen Kohleausstieg ohne Entschädigung
  • Netzagentur kürzt Gebotsvolumen um 250 MW
Enerige & Management > Wirtschaft - Dekarbonisierung bei BASF würde Strombedarf verdreifachen
Bild: BASF Schwarzheide
WIRTSCHAFT:
Dekarbonisierung bei BASF würde Strombedarf verdreifachen
Auf einer Fachtagung zur Sektorkopplung in Berlin stellte BASF sein Konzept zur Dekarbonisierung vor. Allein am Standort Ludwigshafen würde sich dadurch der Strombedarf verdreifachen.
 
Roland Merger, Vizepräsident für Erneuerbare Energie bei dem Chemiekonzern, erläuterte bei der Veranstaltung, dass der Strombedarf des Unternehmens allein in Ludwigshafen heute bei 6,4 Mrd. kWh jährlich liegt, das entspricht 1% der gesamten deutschen Stromproduktion. „Wenn unsere Anlagen von Erdgas auf Strom umgestellt würden, würde sich der Strombedarf allein an diesem Standort mindestens verdreifachen“, sagte Merger.

BASF nutze bereits Erneuerbare Energien, Wärmerecycling (Energieverbund), Prozessoptimierung, Energiemanagement und die Lachgasaufspaltung, um seine Treibhausgasemissionen zu reduzieren. So gelang es, im Vergleich zu 1990 trotz verdoppeltem Produktabsatz den Klimagasausstoß zu halbieren. Heute liege er nur noch bei 0,6 t CO2 je Tonne Endprodukt.

Merger betonte, dass die Technologien weiter optimiert würden und der Stromeinsatz soweit auf erneuerbare Quellen umgestellt würde, dass BASF bis 2030 trotz steigender Produktion nur noch 0,4 t CO2 pro Tonne Produktion freisetze.

Kohlenstoff ist Rohmaterial der Chemie

Zugleich sei BASF als Chemieunternehmen auf Kohlenstoff angewiesen, weil er der entscheidende Bestandteil chemischer Produkte sei. Derzeit würden die Kohlenwasserstoffe zum größten Teil aus Erdöl und Erdgas gewonnen. Aktuell betreibe das Unternehmen Forschung, um sauberen Wasserstoff ohne CO2-Ausstoß zu erzeugen, da Wasserstoff ein weiterer entscheidender Bestandteil chemischer Produkte sei. Auch die Erforschung elektrischer Heizkonzepte statt Gasbrennern und von sauberer Olefinproduktion sei im Gang, versicherte Merger.

Die hohen Reaktionstemperaturen von 850 Grad stellten allerdings Technologie und Materialien vor hohe Herausforderungen. Ziel sei dennoch die Entwicklung der weltweit ersten elektrischen Widerstandsheizung mit einem Temperaturreaktionskonzept um 1000 ° C und der Technologietransfer aus den konventionellen Steamcracken. Dieses Projekt laufe mittelfristig über 5 Jahre mit externen Partnern, berichtete Merger.

Chemieindustrie braucht viel mehr grünen Strom für Klimaziele

Der VCI (Verband der chemischen Industrie) habe verschiedene Szenarien berechnet, wie die Branche in Deutschland klimafreundlicher werden könnte. Durch Optimierung aktueller Technologien könnten die Treibhausgasemissionen voraussichtlich bis 2050 um 27 % sinken gegenüber 2020. Für eine ehrgeizigere Senkung um 60 % würden aber jährlich zusätzliche 220 Mrd. kWh erneuerbarer Strom benötigt, was der aktuellen erneuerbaren Jahresproduktion Deutschlands von 2018 entspricht. Und es würde zusätzliche Investitionen von rund 15 Mrd. Euro kosten.

Im dritten Szenario der kompletten Treibhausgasneutralität benötigte die chemische Industrie in Deutschland allein 630 Mrd. kWh erneuerbaren Strom jährlich, was der gesamten heutigen Stromerzeugung in Deutschland entspreche. BASF würde gern sofort selbst mehr erneuerbaren Strom verwenden, doch werde das durch die deutschen Verordnungen und Abgaben behindert.

Deutsche Abgabenordnung behindert Klimaschutz

Die 40 % EEG-Abgabe auf eigene erneuerbare Produktion mache es unrentabel, zudem drohe bei Zukauf von Strom aus erneuerbaren Quellen der Verlust der Stromkostenkompensation. Beim Bezug von Strom aus erneuerbaren PPA (Stromlieferverträgen) werde die volle EEG-Umlage fällig. Und wegen des langsamen Stromnetzausbaus sei es auch nicht möglich, genug Windstrom aus Norddeutschland zu beziehen, klagte Merger.

Deshalb untersuche das Unternehmen am Standort Schwarzheide die Integration erneuerbarer Energiequellen in die Produktion. „360 MW Erneuerbare Energie sind bereits im näheren Umfeld installiert und weitere 200 MW geplant“, sagte Merger. Völlig neue chemische Technologien mit niedrigem CO2-Ausstoß zu entwickeln, sei riskant und sehr teuer. Daher bitte die BASF auch im Namen der anderen Branchenunternehmen um Unterstützung statt Kostenbelastung.

Nötig wäre von der Politik eine Verordnung zur reibungslosen Integration der Nutzung erneuerbarer Energien, befreit von Abgaben. Das Übertragungsnetz müsse schneller ausgebaut werden und die Behinderung von PPA beseitigt werden (z. B. durch den Verlust der Stromkostenkompensation). Die PPA müssten zudem eine gerechte Aufteilung der Markt- und Verfügbarkeitsrisiken widerspiegeln, schloss Merger die Forderungen.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 04.11.2019, 10:35 Uhr