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REGENERATIVE:
Ein wichtiges Schaufenster: HusumWind 2003
Angesichts der laufenden Diskussion über die künftige Einspeisevergütung will die Windbranche auf der bevorstehenden HusumWind 2003 ihre Dynamik und ihre wachsende Bedeutung unter Beweis stellen.
 
Noch nie ist Peter Ahmels so gerne ins beschauliche Husum gefahren: „Einen besseren Zeitpunkt für eine Windmesse könnte es nicht geben, um zu zeigen, wie dynamisch sich unsere Branche in den vergangenen Jahren entwickelt hat.“ Die von den Organisatoren der HusumWind erstellte Statistik gibt dem Präsidenten des Bundesverbandes WindEnergie (BWE), Osnabrück, Recht. Über 465 Aussteller haben sich zur der weltweit größten Plattform im Windkraft-Sektor für nächste Woche (23. bis 27. September) in der kleinen nordfriesischen Kreisstadt angesagt, ein Plus von über 200 Firmen im Vergleich zur letzten Messe.
Die Zahlen, so hofft Ahmels, sollen im fernen Berlin zeigen, dass erneuerbare Energien mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und sein Kabinettskollege Jürgen Trittin zanken sich seit Mitte August über die künftige Windstrom-Vergütung.

Das nervt auch Fritz Vahrenholt, wie Clement ein Repräsentant des rechten SPD-Flügels. Der frühere Hamburger Umweltsenator ist seit gut zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der REpower Systems AG, zurzeit die Nummer Vier auf dem deutschen Windmarkt: „Diese Diskussion, in einem Moment loszutreten, in dem die deutschen Hersteller weltweit die Technologieführerschaft übernommen haben, verstehe ich nicht.“ Deshalb geht Vahrenholt seinen Parteifreund Clement hart an: „Ich möchte es mal erleben, dass er auch eine Ausschreibung für Kohlekraftwerke fordert.“
Auch Andreas Eichler von der Vestas Deutschland GmbH ist stinkig über die Abwehrhaltung des Clement-Ministeriums: „Wir haben auf der Basis der bisherigen rot-grünen Klimapolitik im vergangenen Jahr mit dem Bau einer Rotorblattfabrik über 400 neue Arbeitsplatz in der strukturschwachen Lausitz geschaffen, mit der sich der Bundeskanzler im Wahlkampf gerne gerühmt hat. Damit soll es jetzt vorbei sein?“
Worum es bei der energiepolitischen Auseinandersetzung in Berlin geht, bringt Wilfried Voigt, Energie-Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, kurz auf den Punkt: „Gerade in Deutschland mit seinen nach wie vor vorhandenen Überkapazitäten in der Stromerzeugung ist jede eingespeiste Kilowattstunde Windstrom unmittelbare Konkurrenz zu Kohle- oder Atomstrom.“

Das Elefanten-Rennen zwischen Clement und Trittin trifft die Windbranche aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die erfolgsverwöhnte Branche in diesem Jahr Einbußen bei der neu installierten Kapazität hinnehmen muss. Waren es im vergangenen Jahr noch rund 3 250 MW, so wird für dieses Jahr mit etwa 2 750 MW gerechnet.
Dafür gibt es gleich mehrere Ursachen: Die Zahl der windstarken Standorte nimmt seit geraumer Zeit ab, was sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit geplanter Windparks auswirkt. Deshalb haben sich verschiedene Bankhäuser zu strengeren Auflagen bei den Krediten für die Windmüller entschlossen. Dass sich mit der Commerzbank AG der bundesweit größte Windkraft-Finanzierer zum Teil aus dem Geschäft zurückgezogen hat, machte sich zusätzlich negativ bemerkbar. „Es hat gedauert, bis andere, durchaus willige Banken das Know-how aufgebaut hatten“, kennt BWE-Präsident Ahmels die Lage.
Nicht nur an das Geld der Kreditinstitute ist für die Windbranche zurzeit schwerer dranzukommen, sondern auch an privates Kapitel. Das dritte windschwache Jahr hat das Geschäft mit den vor nicht allzu langer Zeit beliebten Windfonds schwieriger gemacht. Zusätzlich machen seit zwei Jahren gültige, verschärfte Umweltauflagen den Alltag für Planungsbüros und Hersteller schwieriger – das grüne Licht für die Genehmigung von Windparks dauert viel länger.

Entscheidender für die Windbranche, die mittlerweile mit allen vorgelagerten Stufen rund 45 000 Menschen beschäftigt, ist die Zukunft des EEG. Deshalb versteht auch Norbert Allnoch, Leiter des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien in Münster, den auf die Frage „Kohle oder Wind“ zugespitzten Streit in Berlin nicht: „Was hier der Industrie zugemutet wird, das ist keine seriöse Industriepolitik, sondern Jo-Jo-Politik und die schadet dem Investitionsstandort Deutschland.“
Dass Unternehmen bei der aktuellen Ungewissheit Investitionen zurückhalten, dafür ist der Getriebehersteller Flender GmbH aus Bocholt nur eine Beispiel: „Bevor wir nicht wissen, wie es mit dem EEG weitergeht, investieren wir nicht in einen neuen, millionenschweren Prüfstand für die Offshore-Anlagen“, sagt Winfried Walzer, Vorsitzender der Flender-Geschäftsführung.
Auch der Kieler Energie- Staatssekretär Wilfried Voigt hält die Unsicherheit über die Zukunft des EEG für kontraproduktiv: „Es sind nicht nur die Windmüller, sondern auch Banken, Versicherungen und Vorstände von Werften die wegen der erforderlichen Planungssicherheit auf die auch zukünftige Verlässlichkeit des EEG pochen.“ Das betrifft sowohl die Projekte an Land als auch auf See.

Bis sich allerdings diese Kraftwerke in Nord- und Ostsee in nennenswerter Anzahl und in der wirtschaftlichen Größe zwischen 4 und 5 MW Einzelleistung drehen, wird noch mehr Zeit vergehen als ursprünglich geplant. Auch das Geschäft mit dem Austausch kleinerer, älterer Mühlen gegen moderne Propeller, ist noch nicht angelaufen. „Wer in dieser Situation das EEG kippen und die Vergütungen für das Binnenland kürzen will, der will nichts anderes als die deutsche Windindustrie platt machen“ prangert BWE-Präsident Ahmels die für ihn rückwärtsgerichtete Energiepolitik des Bundeswirtschaftsministeriums an.

Die hierzulande tätigen deutschen und dänischen Windturbinen-Hersteller müssen sich in den nächsten Monaten nicht nur auf eine härtere Gangart des Clement-Ministeriums einstellen, sondern auch auf neue Konkurrenz. So bereitet der spanische Gamesa-Konzern eine gezielte Deutschland-Offensive vor. „Wir wollen in fünf Jahren einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent erreicht haben“, kündigte Vorstandsvorsitzender Inaki Lopez Gandasegui an. Auf dem weltweit wichtigsten Markt der Windindustrie, so der Spanier, dürfe Gamesa nicht fehlen: „Denn unser Ziel ist es, Weltmarktführer zu werden.“ Noch liegt das Unternehmen mit Sitz in Pamplona auf Rang Drei.
Da die Basken auch eine Anlage in der hierzulande derzeit stark nachgefragten Zwei-Megawatt-Klasse anbieten, erwarten Branchenkenner einen Preiskampf. Anders seien die ambitionierten Ziele nicht zu erreichen.

„Auf diese Konkurrenz kann sich die deutsche Windbranche gut einstellen“, sagt Peter Ahmels vom Bundesverband WindEnergie, anders sehe das aus mit einer Politik, die nur auf Gegenwind ausgerichtet sei. Deshalb hofft auch REpower-Chef Vahrenholt, dass die Windmesse in Husum insbesondere das Bundeskanzleramt zum Einschwenken auf den Ökokurs bewegen wird: „Alle zwei oder drei Jahre wird unsere Branche durch unnötige Diskussionen in ihren Grundfesten erschüttert, was sonst keinem anderen Wirtschaftszweig widerfährt.“ Seine Hoffnungen ruhen auch auf dem internationalen Kongress Renewables 2004, zu dem Bundeskanzler Schröder die Staatengemeinschaft auf dem letztjährigen Umweltgipfel in Johannesburg nach Bonn eingeladen hatte, um über den Ausbau erneuerbaren Energien zu debattieren.

 
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Montag, 15.09.2003, 16:02 Uhr