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ERNEURBARE ENERGIE:
EU-Klimaziele schaffen Exportmärkte für deutsche Firmen
Nicht allein wegen der räumlichen Nähe sind die europäischen Länder für die Branche der Erneuerbaren Energien sehr attraktiv, meint die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) im dritten Teil unserer Artikelserie "Fünf Jahre Exporinitiative Erneuerbare Energien".
 

Die größten Exportmärkte für Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien liegen derzeit in Europa. Das hat mehrere Gründe - nicht allein die räumliche Nähe ist von Vorteil. "Die zunehmende Angleichung der Rahmenbedingungen in der EU sind für viele Unternehmen eine wichtige Erleichterung", sagt Wilhelm Berg vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Auch die Klimaschutzziele der EU sind förderlich, die den Ausbau der erneuerbaren Energien in allen Mitgliedsländern zu einer politischen Notwendigkeit machen.

Auf europäischer Ebene wurde im März 2007 ein verbindliches Ziel für den Anteil der  erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch - also bei Strom, Wärme und Kraftstoffen - von 20 % im Jahr 2020 festgeschrieben. Dieses sehr ambitionierte Ziel stellt hohe Anforderungen an alle Mitgliedstaaten der EU, mehr als bisher für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu tun. Über die Höhe des jeweiligen Anteils der einzelnen Mitgliedstaaten wird zwischen der EU-Kommission und den anderen Mitgliedstaaten verhandelt.

Auch vor diesem Hintergrund rechnet der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) für dieses Jahr für deutsche Unternehmen mit Auslandsumsätzen von 8,2 Mrd. Euro - ein Anstieg um 40 % gegenüber dem Vorjahr. Bis 2010 sei sogar eine weitere Verdopplung realistisch. Ein Großteil dieser Umsätze wird nach Verbandsangaben innerhalb Europas erwirtschaftet.

Denn viele europäische Staaten entwickeln Interesse an erneuerbaren Energien, verfügen aber kaum über heimische Hersteller. Daher greifen sie gerne auf die etablierten Lieferanten aus Deutschland zurück. Beim Bau von Windkraftanlagen zum Beispiel ist Deutschland vorne mit dabei. Die vier weltweit größten Turbinenhersteller sind Vestas (Dänemark), Gamesa (Spanien), Enercon (Deutschland) und GE Wind (USA). Interessantester europäischer Exportmarkt für die deutschen Hersteller ist - gemessen an den Aufstellungszahlen des Jahres 2006 - Spanien. Dort wurden zuletzt rund 21 % der europäischen Leistung errichtet. Es folgen Frankreich mit knapp 11 %, Portugal mit 9 % und Großbritannien mit gut 8 %.

Und da die großen und windreichen Länder das Thema nun erkannt haben, wird sich dort in den nächsten Jahren einiges tun: In Frankreich und Großbritannien wächst die Windkraft sehr stark, bei den Briten auch die Offshore-Windkraft. Auch Spanien hat noch viel vor: Bis 2010 soll die Kapazität von derzeit 12 000 MW auf rund 20 000 MW ausgebaut werden. Zudem gebe es Pläne, die Windkraft-Kapazitäten langfristig auf bis zu 40 000 MW zu erhöhen, so die Bundesagentur für Außenwirtschaft.

In der Photovoltaik sind es vor allem die Südländer, die Interesse zeigen, speziell Spanien, Italien und Griechenland. Ausgelöst wird die Entwicklung jeweils durch gute Einspeisevergütungen: "Die attraktivsten Exportländer sind die, deren Förderung sich am deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz orientiert", heißt es beim Bundesverband Solarwirtschaft.

Nicht nur das Gesetz, auch die Technik kommt häufig aus Deutschland. Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie demonstrieren die Solarinstallationen des "dena-Solardachprogramms" im Rahmen der Exportinitiative Erneuerbare Energien unter anderem in Spanien, Frankreich, Portugal, Griechenland und Italien das Potenzial der Solartechnologie "Made in Germany".

Als Hersteller im Photovoltaikmarkt ist aber auch Japan sehr stark, trotz des inzwischen hinter Deutschland zurückgebliebenen Heimatmarktes. Weltgrößter Zellenproduzent ist nach wie vor Sharp, doch der Anteil des japanischen Unternehmens am Weltmarkt sank im vergangenen Jahr von 23,6 auf 17,1 %. Auch Kyocera und Sanyo verzeichneten zuletzt rückläufige Marktanteile. Der größte Gewinner war im Jahr 2006 der deutsche Hersteller Q-Cells, der seine Produktion gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 % ausbauen konnte, und damit seinen Weltmarktanteil von 9,1 auf 10,0 % steigerte.

Spanien setzt auch auf solarthermische Kraftwerke. Obwohl diese Technologie in Deutschland aufgrund der Klimabedingungen nicht zur Anwendung kommt, sind auch in diesem Bereich die deutschen Anlagenbauer stark vertreten - unter anderem, weil hier intensiv an diesem Thema geforscht wird. Auch deutsche Zulieferfirmen, wie etwa Schott, sind auf diesem Feld als Forscher und Entwickler aktiv und können ihre Produkte gut im Markt platzieren.

Bei der Solarthermie entfiel die Hälfte des europäischen Marktes im vergangenen Jahr auf Deutschland, gefolgt von Österreich mit 10 %, Griechenland mit 8 % und Frankreich mit 7 %. Spanien dürfte in Zukunft weiter nach vorne rücken, dank einer Bauverordnung, die zum Beispiel bei allen Neubauten sowie im Sanierungsbereich den Einbau von Solarthermieanlagen zur Warmwasserversorgung vorschreibt. Auch in Italien haben gesetzliche Vorgaben den Markt für Kollektoranlagen beflügelt. Frankreich setzt unterdessen auf Steuernachlässe: 40 % der Materialkosten einer Solarwärmeanlage können von der Einkommenssteuer abgezogen werden.

Verglichen mit den EU-Märkten für Solartechnologien sind die Märkte für Biomasse eher heterogen einzustufen. Das liegt zum einen daran, dass die Biomasse in vielen unterschiedlichen Formen (fest, flüssig, gasförmig) vorkommt und folglich eine Bandbreite unterschiedlicher Anwendungstechnologien für die Produktion von Strom und Wärme und für den Kraftstoffsektor existieren. Zum anderen ist der Grad der Standardisierung der verschiedenen Bioenergieträger sehr unterschiedlich. Manche Stoffe, wie etwa Holzpellets oder Biodiesel, sind normierte Güter, denen ein internationaler Markt offen steht. Andere, wie beispielsweise Stückholz, werden überwiegend regional vermarktet.

Die Vertriebsstrukturen sind hier in vielen Bereichen erst im Entstehen. Das weiß auch die SBE BioEnergie in Saarbrücken, ein Handelsunternehmen für Biodiesel und Pflanzenöle, das europaweit tätig ist. In vielen Ländern ist die heimische Nachfrage noch unterentwickelt. Daher bedienen diese Länder mit ihrer Biokraftstoffproduktion vorerst die Nachfrage ihrer Nachbarn. So habe SBE bislang überwiegend im Ausland für den deutschen Markt eingekauft, sagt Rolf Sieber, Geschäftsführender Gesellschafter.

Doch langsam beginne sich das zu ändern. Die Tschechische Republik und Polen seien hier vor allem zu nennen, aber auch Frankreich, Italien, Spanien, sowie Österreich und die Slowakei. Seit etwa einem Jahr bemerke man auch die Marktentwicklung in Skandinavien. Am wenigsten tue sich bislang in den Benelux-Staaten. "Durch die vorgeschriebenen Quoten wird das aber in allen 27 EU-Ländern ein Thema", sagt Sieber. Die EU hat mit der Biokraftstoffrichtlinie 2003 einen Mindestprozentsatz für das Ersetzen von Diesel- und Ottokraftstoffen durch Biokraftstoffe im Verkehrssektor festgelegt. Durch den Biomasse-Aktionsplan soll auch der Wärme- und Strombereich stärker gefördert werden.

Die Bedeutung des europäischen Marktes wird auch in den europarelevanten Aktivitäten der Exportinitiative deutlich. So haben insbesondere die Märkte Europas eine große Bedeutung innerhalb des "AHK-Geschäftsreiseprogramms erneuerbare Energien". In 2008 bietet die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) im Rahmen der Exportinitiative vor allem Informations- und Kontaktveranstaltungen zu Osteuropa an. Auch die im Rahmen der Exportinitiative herausgegebene Schriftenreihe analysiert die Rahmenbedingungen und Geschäftsmöglichkeiten in Europa und liefert hier wertvolle Marktinformationen, die einen erfolgreichen Einstieg in die relevanten Märkte ermöglichen.


 
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Freitag, 30.11.2007, 15:56 Uhr