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BILANZ:
GVS: Lähmung nach Superjahr
Sehr zufrieden mit dem finanziell "ausgesprochen erfolgreichen", absatzbezogen etwas rückläufigen Ergebnis des Geschäftsjahres 2000/2001 der Gasversorgung Süddeutschland GmbH äußerte sich heute bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart GVS-Chef Jürgen Leßner. Gehemmmt sieht er sich und seine Kollegen durch die Unsicherheit über die künftigen Gesellschafter, die "so schnell wie möglich" beseitigt werden müsse.
 
"Wir erzielten das beste wirtschaftliche Ergebnis in der vierzigjährigen Geschichte des Unternehmens", sagte Leßner. Das sei umso bemerkenswerter, als der Wettbewerb im liberalisierten Energiemarkt in Baden-Württemberg "früher und intensiver" begonnen habe als in anderen Gebieten Deutschlands. Die GVS verkaufte im zurückliegenden Geschäftsjahr 74,2 Mrd. kWh Erdgas und blieb damit um rund neun Prozent unter dem Vorjahreswert (81,5 Mrd. kWh). Gründe dafür waren laut Geschäftsbericht die milde Witterung sowie insbesondere der zunehmende Wettbewerb. Einige Kunden wechselten zu anderen Lieferanten - so die Stadtwerke in Tübingen und Heidelberg zu Enron, die BASF zur Wingas sowie die Energieversorgung Ostschweiz zu Ruhrgas.

Der erhebliche Anstieg der Umsatzerlöse auf 1,733 Mrd. Euro (1999/2000: 1,260 Mrd. Euro) sei ausschließlich auf die hohen Ölpreise zurückzuführen, die im Herbst 2000 Spitzenwerte von über 30 US-Dollar pro Barrel erreichten und dazu führten, dass auch die Gaspreise überdurchschnittlich stark anzogen. Mit Unterstützung des Vorlieferanten Ruhrgas habe die GVS die Abgabepreise zugunsten ihrer Kunden gestützt.

Zur Erhöhung des Bilanzgewinns auf 54,9 Mio. Euro (1999/2000: 29,4 Mio. Euro) trugen auch langsam aber kontinuierlich zunehmende Erlöse aus dem Gastransport für Dritte und Einkünfte aus der Vermietung von Lichtwellenleiterstrecken bei. Das gute Finanzergebnis wurde ferner auch dadurch beeinflusst, dass die Gasversorgung Süddeutschland praktisch fast schuldenfrei ist, wie Leßner betonte. "Die Ergebnisverbesserung beruht also nicht auf Preiserhöhungen", stellte er klar.

Das laufende Geschäftsjahr hat in Folge der Kälteperiode der letzten Wochen gut begonnen. Die GVS verkaufte in den ersten drei Monaten des Wirtschaftsjahres 2001/2002 etwa acht Prozent mehr Gas als im selben Vorjahreszeitraum. Mehr als die 437 Mio. kWh, die am kältesten Tag dieser Frostperiode abgesetzt wurden, - diese Gasmenge entspricht dem Jahresverbrauch in der gesamten Stadt Crailsheim - hat die GVS noch niemals vorher an einem einzigen Tag verkauft.

Die Stadtwerke in Tübingen und Heidelberg konnten zwischenzeitlich wieder als Kunden gewonnen werden, allerdings gingen die Stadtwerke Schwäbisch Hall sowie Kunden im Mannheimer Raum und in Heilbronn an den Konkurrenten Wingas verloren. Für Wingas transportiert die GVS das Gas durch ihre Leitungen. Zur Kundenbindung beitragen sollte auch die Preispolitik der GVS: Die Preissenkung zum 1. Oktober 2001 wurde sogar durch einen zusätzlichen Rabatt auf den Arbeitspreis, der momentan bis 31. März befristet ist, ergänzt. Der geringfügigen Preiserhöhung zum 1. Januar 2002 soll nach Auskunft Leßners bereits zum 1. April erneut eine Reduzierung folgen. Und wahrscheinlich werde der Gaspreis für die weiterverteilenden Unternehmen zum 1. Juli dieses Jahres noch einmal zurückgehen, kündigte er vorsichtig an. Außerdem sei es nicht ausgeschlossen, dass die bestehende Rabattregelung über den 1. April hinaus verlängert werde.

Und wo liegen die Perspektiven für die GVS? Für unzweifelhaft notwendig halten die Geschäftsführer Leßner und Dr. Jörg Burkhardt die Zielsetzung, die zuletzt rund 80 Mrd. kWh Jahresabsatz zu halten. Mit perspektivischen Zielsetzungen halten sie sich dagegen im Moment sehr zurück. Das sei abhängig von der neuen Gesellschafterstruktur, äußerte sich Leßner diplomatisch. Die Unsicherheit ist entstanden, weil das Land Baden-Württemberg seinen 25 Prozent-Anteil verkaufen will und die kommunalen Gesellschafter sich inzwischen als Konkurrenten sehen, sich deshalb nicht auf ein gemeinsames Konzept einigen können und deshalb mit Ausnahme der Neckarwerke Stuttgart ihre Anteile verkaufen wollen. An der Notwendigkeit der Anpassung der Gesellschafterstruktur an veränderte Bedingungen ließ er jedoch keinen Zweifel. 

Wo die Ausschreibung für die Anteile hin laufe, darüber könne und wolle er momentan nichts sagen, weil er auch nicht in die Verhandlungen darüber eingebunden sei, sagte Leßner. Er machte allerdings auch deutlich, wozu die momentane Unsicherheit über die künftigen Unternehmensstrukturen führt: "Wir sind blockiert bei Investitionen, bei der Ausweitung unseres Geschäftes und bei eventuellen Handelsaktivitäten." Auch Personalpolitik sei schwierig: "Gute Leute melden sich derzeit nicht bei der GVS", meinte Leßner etwas resigniert. "Die Entscheidung über die neue Gesellschafterstruktur muss so schnell wie möglich fallen", forderte er. Ein Hauptaugenmerk solle man dabei seiner Ansicht nach auf den Aspekt des künftigen Gaseinkaufs legen, meinte er. Einen festgelegten Zeitplan für die Ausschreibung gebe es seines Wissens derzeit nicht. Er äußerte die Hoffnung, dass noch im Laufe dieses Jahres - und damit vor seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Unternehmen zum 31. März 2003 - Klarheit darüber geschaffen werde, wer künftig das Sagen bei GVS hat.

Ansonsten sei das Unternehmen nicht mehr in der Lage, "uns geschlossen dem Wettbewerb entgegen zu stellen". Einen Einstieg der Ruhrgas als Mehrheitsgesellschafter hält Leßner aus kartellrechtlichen Gründen für unwahrscheinlich. Für viel wahrscheinlicher betrachtet er den Einstieg ausländischer Unternehmen, wenngleich er sich auch reges Interesse aus Deutschland - die BASF sei zum Beispiel als Gesellschafter vorstellbar - erwartet. Es werde sicherlich eine ganze Reihe Bewerber "für die interessante Braut GVS" geben, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Die Perspektiven für die Gasversorgung in Baden-Württemberg sind indes weiterhin gut: Während bundesweit der Anteil von Erdgas an der eingesetzten Primärenergie bei 21 Prozent liege, erreiche er in Baden-Württemberg erst 16 Prozent. Ferner sind in diesem Bundesland erst 37 Prozent der Wohnung mit einer Erdgasheizung ausgerüstet, während es deutschlandweit bereits 44,5 Prozent sind. Große Erwartungen setzt die GVS auch auf die gesetzesbedingt anstehende Modernisierung von alten Heizungen. "Gemeinsames Ziel der baden-württembergischen Gaswirtschaft ist es, jährlich 50 000 neue Kunden anzuschließen", wagte Leßner einen Blick in die für sein Unternehmen momentan eher unsichere Zukunft. Für den Bau von neuen Transportleitungen durch die GVS gebe es momentan keinen Bedarf. Zusätzliche Pipelines - etwa aus dem mittleren Neckarraum nach Frankfurt - würden nur nötig, wenn der Gasbedarf zum Beispiel für Gaskraftwerke, die Atomkraftwerke ersetzen sollen, weiter erheblich anstiege.

 
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Donnerstag, 24.01.2002, 17:51 Uhr