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Enerige & Management > Gas - Heißer Kampf um Gasexporte
Bild: Fotolia.com, WoGi
GAS:
Heißer Kampf um Gasexporte
In den USA sind erste Verladeterminals für den Export von verflüssigtem Schiefergas im Bau.
 
Als größter Gasproduzent der Welt haben die USA Russland bereits überholt. Im Jahr 2012 kamen 20,4 Prozent der weltweiten Gasförderung aus den USA und 17,6 Prozent aus Russland. Die Frage allerdings, wer das amerikanische Gas künftig bekommt, hat die USA in zwei Lager geteilt: Die einen sehen das Land künftig auch als größten Gasexporteur der Welt und wollen möglichst schnell von den global gewaltigen Preisunterschieden profitieren. Die anderen kämpfen gegen Gasexporte, wollen den Schiefer- oder Shalegasboom nicht teilen und das billige Gas in selbst nutzen.

Ganz freigegeben hat die Regierung in Washington den Export von Öl und Gas in Länder ohne Handelsabkommen mit den USA zwar noch nicht. Aber Shinzo Abe, der japanische Premierminister, hat bei seinem Besuch im Mai dieses Jahres US-Präsident Barack Obama offenbar überzeugt, Exportlizenzen für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas − LNG) etwas großzügiger zu erteilen.

LNG kostet in China, Japan und Südkorea mehr als das Dreifache des am US-Markt erzielbaren Preises. Damit rechnet sich der Export selbst dann, wenn noch Kosten für Verflüssigung und Transport hinzukommen. Seit Mai haben vier Konsortien eine Lizenz zum Bau von LNG-Exportterminals und zur Ausfuhr an Drittländer erhalten.

Zahlreiche Exportterminals beantragt

Das erste LNG-Exportterminal baut die US-amerikanische Cheniere Energy für Schiefergas aus Louisiana. Das Unternehmen hat umgerechnet rund 5,8 Mrd. Euro Baukosten dafür veranschlagt und die Exportmengen schon fest unter Vertrag: die britische BG-Group, die spanische Fenosa, die Kogas aus Südkorea und die indische Gail kaufen LNG aus dem Vorkommen Sabine Pass.
 
Die USA werden künftig wieder mehr LNG-Tanker anlaufen − um Gas abzuholen
Bild: Eon Ruhrgas


Das zweite LNG-Ausfuhrterminal baut Freeport MacMoran in Texas. Der amerikanische Bergbau-Konzern rechnet dafür mit Kosten von umgerechnet 8,9 Mrd. Euro. Auch Freeport hat sich schon die Kunden gesichert. Die japanischen Konzerne Chubu Energy, Osaka Gas und Toshiba, die koreanische SK-Gruppe und die britische BP kaufen das Gas aus Texas.

Insgesamt hat die Regierung in Washington Exportlizenzen für rund neun Prozent der US-amerikanischen Gasförderung erteilt. Wie viele der noch über 20 Anträge zum Bau von LNG-Terminals genehmigt werden, ist fraglich.

Dennoch verkaufen auch Konzerne mit bisher fehlender Exportlizenz LNG an künftige Kunden. Das gilt zum Beispel für Sempra Energy mit ihrem LNG-Projekt Cameron in Louisiana. Das Unternehmen hat schon Kontrakte mit den japanischen Konzernen Mitsui und Mitsubishi in der Tasche – aber noch keine Lizenz.

Amerikanische Industrie gegen Gasausfuhr

Es gehe eben darum, sich für die Zukunft Kunden zu sichern, schätzt Frank Harris von der Unternehmensberatung Wood Mackenzie, Lizenz hin oder her. Gerade die Asiaten machten sich beim LNG-Bezug kaum zu mehr als 15 Prozent von einem einzigen Lieferanten abhängig. Insofern gelte es für künftige Exporteure, sich möglichst früh ein Stück vom lukrativ scheinenden asiatischen Kuchen abzuschneiden.

In den USA wächst aber der Widerstand gegen die Ausfuhr von Gas. America`s Energy Advantage (AEA) nennt sich eine jüngst formierte Gruppe von Lobbyisten, die gegen den LNG-Export und dafür kämpft, die Vorteile des heimischen Schiefergases im eigenen Lande zu nutzen. Zur AEA gehört neben dem Chemiekonzern Dow Chemical und dem Stahlunternehmen Nucor auch Alcoa, einer der größten Aluminiumhersteller der Welt.

Der aus Deutschland stammende Alcoa-Vorstandschef Klaus Kleinfeld, früher in gleicher Position bei Siemens, attackiert in jüngerer Zeit gern in- und ausländische Politiker oder Regulatoren. Dabei täte er vielleicht besser daran, sich für freie LNG-Exporte einzusetzen. Denn in den Bau von LNG-Exportterminals und LNG-Tankern geht eine Menge Aluminium. Insgesamt scheinen aber die Exportfreunde bei Obama bessere Karten zu haben als die Gegner.
 

Exporthürde Naturschutz in Kanada
 
Für die reichlichen Vorkommen an Schiefergas in den westlichen kanadischen Provinzen Alberta und British Columbia interessiert sich auch alles, was in der Öl- und Gasindustrie Rang und Namen hat. Anders als Washington setzt die kanadische Regierung stark auf Gasexporte und hat nie Beschränkungen oder gar Verbote erwogen. Die britische BG-Gruppe, die Petronas aus Malaysia, Shell im Konsortium mit dem japanischen Mitsubishi-Konzern, die CNPC aus China, die koreanische Kogas sowie die beiden US-amerikanischen Gruppen Chevron und Apache sind aber allesamt noch nicht über das Prüfstadium hinaus. Denn im Gegensatz zu den USA fehlt im weitgehend dünn besiedelten Kanada die Infrastruktur. Dem Bau von Pipelines von den Gasfeldern zu Exportterminals an der Westküste des Landes müssen nicht nur die betroffenen Provinzen, sondern auch First Nations, der Rat der kanadischen Ureinwohner zustimmen. Der geplante Bau von Gas-Exportterminals an der Westküste ruft Gegner auf den Plan. Sie leisten Widerstand gegen die Zerstörung der bisher angeblich unberührten Natur. Alle diese Hindernisse ließen sich zwar überwinden, betont Wood-Mackenzie-Berater Frank Harris. Aber sie verlangsamten und verteuerten den Gasexport aus Kanada.

 
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Montag, 23.09.2013, 14:24 Uhr