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INTERVIEW:
Hintzen: „Wir bleiben mit unseren Wurzeln verbunden“
Das „kalte Ende“ entscheidet mit über den Wirkungsgrad eines Kraftwerks, unterstreicht Franz-Josef Hintzen, Vorsitzender der Geschäftsführung der SPX Cooling Technologies GmbH in Ratingen im E&M-Interview.
 

E&M: Herr Hintzen, die alte Balcke-Dürr ist in zwei Unternehmen aufgeteilt worden. Wo steht die SPX Cooling in dieser neuen Konstellation?

Hintzen: Die SPX hat 2002 zuerst nur die Balcke GmbH übernommen, die für die Kühlung zuständig war. Wir haben dann aus der insolventen Babcock und von anderen Firmen die Bereiche Kraftwerkskomponenten und Service dazu gekauft, die heute die Balcke-Dürr bilden. Das Kühlungsgeschäft wurde in der SPX Cooling zusammengefasst. Die rechtliche Trennung der beiden Unternehmen wurde zur stärkeren Kundenfokussierung Mitte 2004 durchgeführt.

E&M: Hinter der SPX Cooling stehen drei Traditionsmarken. Wie weit sind diese, auch in der Organisationsstruktur Ihres Unternehmens, noch sichtbar?

Hintzen: Wir sind stolz auf die Namen Balcke, Hamon Dry Cooling und Marley, die wir unter unserem Firmentitel führen. Balcke hat einen hervorragenden Namen im europäischen Kühlungsgeschäft, Marley ist sehr dominant in Amerika, und wir haben den starken Trockenbereich von Hamon dazugeholt. Auf diese Weise bleiben wir mit unseren Wurzeln verbunden und bilden gleichzeitig mit diesen drei Firmen eine sehr schlagkräftige globale Einheit. Dazu trägt auch unsere vertikale Organisation bei. So leite ich neben meiner Funktion als Geschäftsführer der deutschen SPX Cooling Technologies auch einen der drei globalen Bereiche der SPX, der für die weltweite Trockenkühlung zuständig ist.

E&M: Was ist Ihr Angebot?

Hintzen: Wir sind ein Vollanbieter für Kraftwerks- und industrielle Kühlung. Dazu gehört erstens die traditionelle Nasskühlung mit Schwaden- und Hybridkühltürmen. Zweitens liefern wir direkt zu den Baustellen komplett vormontierte kleine Package-Kühltürme, die wir FAP, Factory Assembled Products, nennen. Drittens bieten wir die komplette Produktpalette in der Trockenkühlung an, sprich, luftgekühlte Kondensatoren und Naturzug-Trockenkühltürme. Und wir haben noch einen kleineren Bereich für luftgekühlte Wärmetauscher.

E&M: Was können Sie mit Kühltechnologie zur Wirkungsgradsteigerung der Kraftwerke beitragen?

Hintzen: Physikalisch ist ein kaltes Ende im Kraftwerkskreislauf für den Wirkungsgrad mitentscheidend. Dafür bieten wir den Kunden gute Lösungen mit hohem Wirkungsgrad an. Wir haben Trockenkühltürme, wenn kein Wasser zur Verfügung steht, wir können schwadenfreie Nasskühltürme mit sehr niedrigem Wasserverbrauch liefern, wir haben Lösungen für die Seewasserkühlung. Wir bieten alle Formen von Zellenkühltürmen an. Wir können, in enger Zusammenarbeit mit unseren Service-Kollegen von Balcke-Dürr, auch das komplette „kalte Ende“ mit Oberflächenkondensatoren und Nass- oder Trockenkühltürmen realisieren. Bereits seit 15 Jahren bauen wir ebenfalls Kühlturme mit Rauchgaseinleitung.

E&M: Wo sind Ihre regionalen Schwerpunkte?

Hintzen: Wir sind weltweit tätig; unsere Schwerpunkte liegen in Europa, Asien und in Amerika, wobei in Amerika die Nasskühlung verhältnismäßig stärker ist als die Trockenkühlung. In Asien, speziell in China, haben wir einen sehr hohen Anteil an Trockenkühltürmen, und in Europa haben wir einen starken Mix aller Kühlturmformen.

E&M: Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Hintzen: In Südafrika, wo wir sind seit Anfang der 70er Jahre erfolgreich tätig waren, gibt es wieder einige vielversprechende Projekte. China ist ein Markt, in dem wir seit drei Jahren enorme Erfolge haben. Ich habe noch nie einen Markt gesehen, der so explodiert ist wie der chinesische. Dort werden jedes Jahr über 50 Gigawatt an Kraftwerken zugebaut und der Anteil der Trockenkühlung wächst jedes Jahr. Es ist für unser Geschäft ein absolut dominierender Markt.

E&M: Gilt das auch für Osteuropa und Russland?

Hintzen: Dort war das Geschäft bisher enttäuschend. Wir sind an einigen Kühlturmprojekten beteiligt, auch an Rehabilitationen von Kühltürmen in Russland. Aber das, was man sich eigentlich versprochen hat, dass der Markt dort mehr oder weniger explodiert, ist bisher nicht eingetreten, ebenso wenig in Indien. Da erwarten wir auch noch deutlich mehr in den nächsten Jahren.

E&M: Wie sind Sie mit dem deutschen Markt zufrieden?

Hintzen: Der deutsche Markt hat sich in den letzten zwei Jahren erfreulich entwickelt und wir hoffen, dass es so weitergeht. Angesichts des hohen Alters der deutschen Kraftwerke sind wir sehr optimistisch, dass es weitere Neubauentscheidungen geben wird und dass auch ältere Kraftwerke modernisiert werden. Wenn man den Wirkungsgrad erhöhen will, macht es keinen Sinn, nur die Turbine zu verbessern und den Kühlturm nicht. Da auch in Deutschland nicht überall beliebige Wassermengen für Kühltürme vorhanden sind, stellen Trockenkühltürme und luftgekühlte Kondensatoren eine interessante Alternative dar, auch wenn bisher die deutschen Kraftwerksbetreiber in diesem Punkt recht konservativ sind. Bei Biomasse- und Müllverbrennungsanlagen sehen wir sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten im deutschen und zentraleuropäischen Markt, auch für unseren speziell für den kleinen Leistungsbereich entwickelten luftgekühlten Kondensator Hexacool.

E&M: Schätzen Sie für SPX Cooling Ihre Perspektiven für die nächsten fünf Jahre genauso optimistisch ein, wie Herr Kienböck für Balcke-Dürr?

Hintzen: Vielleicht nicht die gleiche Steigerungsrate, weil wir mehr vom Neugeschäft abhängig sind. Wir machen zurzeit einen Umsatz von rund 750 Millionen Dollar im Kühlgeschäft und sehen interessante Steigerungsraten in China, Indien und Russland. Insofern peilen wir in fünf Jahren einen Umsatz von rund einer Milliarde an.

Franz-Josef Hintzen
Hintzen (Jahrgang 1953) hat Maschinenbau an der RWTH Aachen studiert. Der Diplom-Ingenieur, seit 1979 bei Balcke-Dürr tätig, ist Vorsitzender der Geschäftsführung der SPX Cooling Technologies GmbH in Ratingen und gleichzeitig weltweit verantwortlich für das Trockenkühlungsgeschäft der SPX.


 
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Montag, 26.06.2006, 15:41 Uhr