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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Iberdrola hat große Pläne in der deutschen Ostsee
Bild: ptoscano, Fotolia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Iberdrola hat große Pläne in der deutschen Ostsee
Der Ostsee-Windpark Wikinger des spanischen Energiekonzerns Iberdrola ist am 29. Oktober offiziell eingeweiht worden. Die Iberer planen bereits Ergänzungen.
 
 
Seit knapp einem Jahr am Netz, jetzt offiziell eingeweiht: Windpark Wikinger
Bild: Iberdrola



Der spanische Iberdrola-Konzern will sein Engagement im deutschen Offshore-Windsektor weiter ausbauen. Das betonte Vorstandsmitglied Francisco Martinez Corcoles bei der offiziellen Einweihungsfeier des Ostsee-Projektes Wikinger in Sassnitz auf Rügen.

Ende vergangenen Jahres hatten die Iberer rund 35 Kilometer nordöstlich vor der Insel Rügen den Offshore-Windpark Wikinger in Betrieb genommen – die erste spanische Offshore-Anlage in deutschen Gewässern überhaupt. Für den Hochseewindpark, bei dem 70 Anlagen des Herstellers Adwen (heute Siemens Gamesa) errichtet worden sind, hat Iberdrola nach eigenen Angaben rund 1,5 Mrd. Euro investiert. Im Vergleich zu anderen Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee haben die Spanier das Projekt ohne (finanzielle) Partner gestemmt.

Die Vorbereitungen für die nächsten Offshore-Windparks in der Ostsee haben bereits begonnen. Denn Iberdrola hat bei der zweiten Ausschreibung für Offshore-Windparks hierzulande, deren Ergebnisse die Bundesnetzagentur im April 2018 bekannt gegeben hatte, gleich zwei Zuschläge erhalten - für das Vorhaben Baltic Eagle mit 476 MW sowie Wikinger-Süd mit 10 MW, ein Appendix für den eigentlichen „großen“ Wikinger-Windpark mit einer Einzelturbine.

Nach Unternehmensangaben liegt das Investitionsvolumen für die beiden Zuschlagsprojekte, die nach Plan wohl in den Jahren 2022 und 2023 erbaut und dann ans Netz gehen, bei rund 1,1 Mrd. Euro. Noch in der Hinterhand hat Iberdrola mit Windanker ein weiteres Projekt, mit dem sich die Spanier bei der nächsten, im Herbst 2021 anstehenden Offshore-Windausschreibung bewerben werden. Sollte Iberdrola dann wiederum einen Zuschlag erhalten, würde das Unternehmen in der Ostsee über ein Portfolio von rund 1 100 MW verfügen. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Wikinger-Windturbinen werden noch optimiert


Neben den bereits eingeleiteten Baugrunduntersuchungen für Baltic Eagle arbeitet die Deutschland-Dependance von Iberdrola derzeit an einer Optimierung der im Windpark Wikinger eingesetzten Windturbinen. „Wir werden in diesem ersten vollen Betriebsjahr wohl auf einen Ertrag kommen, der bei etwa 75 Prozent der prognostizierten knapp 1,3 Milliarden kWh liegt“, ließ Projektleiter Estanislao Rey-Baltar durchblicken. „Der Wert liegt auf jeden Fall über unseren Erwartungen.“ Die Arbeiten für Wikinger, so der Spanier, „haben uns wichtige Erkenntnisse gebracht, die uns helfen werden, die Wirtschaftlichkeit unserer nächsten Ostsee-Projekte zu verbessern.“

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien werde Iberdrola auf Cluster-Lösungen ihrer Projekte setzen, ergänzte Jonathan Cole, als Geschäftsführer verantwortlich für alle Offshore-Windaktivitäten: „Nur wenn wir unsere Projekte räumlich zusammenfassen, können wir Kostenvorteile beim Aufbau, aber auch später bei Service und Wartung erzielen.“

Genau diese Strategie verfolgen die Spanier bei ihrem nächsten Projekt in Großbritannien. Mit einer Leistung von 714 MW wird East Anglia einer der größten Offshore-Windparks vor den britischen Küsten werden. Die Inbetriebnahme ist für 2020 vorgesehen.

Mit Baltic Eagle stehen auch beim Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz die nächsten Investitionen an: „Für den Netzanschluss werden wir rund 1,2 Mrd. Euro investieren“, kündigte Geschäftsführer Boris Schucht gegenüber E&M an. Für die bisherigen drei Projekte in der Ostsee hat der Netzbetreiber nach seinen Worten bislang schon 2,5 Mrd. investiert.

50 Hertz setzt in der Ostsee auf Wechselstrom-Verbindungen


50 Hertz stellt sich bereits heute auf weitere Milliardenausgaben ein. „Für den deutschen Ostseeraum sehen wir ein weiteres Potenzial von rund 2 000 MW“, so Schucht. Denn von der Kostenseite her können die Offshore-Projekte in der Ostsee durchaus mit den Vorhaben in der Nordsee mithalten. „Da die Entfernung zur Küste geringer ist“, betonte der 50 Hertz-Chef bei der Wikinger-Einweihungsfeier, „können wir weiterhin auf Wechselstrom-Verbindungen setzen und brauchen keine teuren Konverter-Plattformen auf See bauen.“

Dass die angekündigten 50-Hertz-Investitionen in Mecklenburg-Vorpommern den Beifall von Energieminister Christian Pegel (SPD) finden, liegt auf der Hand: „Das hilft uns, die Offshore-Windenergie als weiteren Wirtschaftszweig in unserem Land zu stärken.“ Froh ist Pegel auch über die 100 neuen Arbeitsplätze, die Iberdrola in seiner neuen Betriebszentrale im Hafen von Sassnitz geschaffen hat: „Die Zahl mag in anderen Regionen gering erscheinen, aber für uns ist sie eine echte Größe.“
 

 
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Montag, 29.10.2018, 13:56 Uhr