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REGENERATIVE:
Kipke: "Sachverständige werden als Eindringlinge betrachtet"
Über ihre Erfahrungen als Sachverständige in der Windbranche sprach E&M mit den Vorstandsmitgliedern der 8.2 Consulting AG Berthold Hahn und Rüdiger Kipke.
 
E&M: Herr Hahn, Herr Kipke, warum setzt die Sachverständigen-Gruppe 8.2 verstärkt auf eine Expansion ins Ausland?
 
Kipke: Die Nachfrage nach unserer Expertise aus dem Ausland steigt schlichtweg. Das freut uns, weil es zeigt, dass einige ausländische Märkte zunehmend professioneller werden. Wenn wir jüngst in Frankreich eine Dependance eröffnet haben, demnächst  in Portugal und möglicherweise in Polen, ist das auch ein Stück langfristige Absicherung der eigenen Existenzgrundlage. Wir wissen heute nicht, wie es mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland weitergeht, zumal wir nicht nur im Windsektor tätig sind, sondern mittlerweile auch intensiv in der Photovoltaik.

E&M: Sind es neue Kunden, die Sie im Ausland gewinnt oder sind es deutsche Unternehmen, die in Europa unterwegs sind und 8.2 seit Jahren kennen?

Kipke: Sowohl als auch. Wir betreuen nun auch Projekte beispielsweise von juwi, Energiequelle oder Volkswind im Ausland, aber wir bekommen Aufträge von für uns neuen Gesellschaften aus der Türkei, aus Tschechien oder aus Portugal. Wir haben mit der Inspektion von über 13 000 Windturbinen ein Know-how, mit dem weltweit kein anderer Berater mithalten kann. Das spricht sich langsam auch jenseits der deutschen Grenzen herum.
 
E&M: Der Name Ihres Unternehmen tauchte im vergangenen Jahr auch bei den Verkäufen von Windturbinenherstellern wie Clipper Windpower oder DeWind auf. Ihre Beratungsarbeit geht also über die technische Begutachtung hinaus?
 
Kipke: Das stimmt. Obgleich die Windtechnik spielte schon eine Rolle bei den beiden genannten Windturbinenherstellern. Wir hatten im Vorfeld einen industriellen Kunden beraten, der sich am Einstieg in die Windkraftproduktion interessiert zeigte und die Grundzüge der Anlagenkonzepte beider Hersteller bewertet haben wollte.
 
E&M: Wrden Sie künftig mit eigenen Dependancen in den USA und China vertreten sein, den beiden weltweit größten Windmärkten?

Kipke: Weder noch. In den USA spielt die Anlagenqualität keine große Rolle. Windturbinen sind dort Kapitalanlagen, finanzielle Analysen sind nicht unser Schwerpunkt. Auch in China fehlt das Bewusstsein, um eine gute technische Perfomance der Windenergieanlagen. Die chinesischen Hersteller konzentrieren sich ausschließlich auf den heimischen Markt, da gibt es für uns nichts zu tun.

E&M: Das heißt aber auch, dass es mittelfristig keine Exporte von Windturbinen aus China nach Europa geben wird?

Kipke: Es mag das eine oder andere Prestigeprojekt geben, aber massive Exporte sehe ich nicht. Unter dem Strich heißt das für uns: Wir konzentrieren uns weiter auf Zentraleuropa.

"Die Windturbinen sind nicht zuverlässiger geworden"

E&M: Lässt sich aus Ihren Prüfberichten erkennen, dass die Qualität der Windturbinen in den vergangenen Jahren besser geworden ist?

Berthold Hahn: "Die Zahl der kleinen Schäden und Reparaturen nimmt eher zu denn ab"
Bild: 8.2 Consulting


Hahn: Die Anlagen sind schon besser geworden, sie sind effizienter geworden und erfüllen heute Kraftwerkseigenschaften, von denen vor zehn Jahren nicht einmal die Rede gewesen sind. Allerdings sind die Windturbinen nicht zuverlässiger geworden, was für die Betreiber ein Ärgernis bleibt. Die Zahl der kleinen Schäden und Reparaturen nimmt eher zu denn ab.
 
E&M: Woran liegt das?
 
Hahn: Die Störfälle an elektrischen und elektronischen Bauteilen nehmen nach unseren Beobachtungen einfach zu. Viele Bauteile, die heute in eine Gondel oder den Schaltschrank eingebaut werden, sind keine windkraft-spezifischen Entwicklungen. Diese Anpassungsprozesse dauern, wenn wir uns beispielsweise an die Entwicklungen im Automobilsektor erinnern.

E&M: Welche Hauptkomponenten sind am häufigsten von Schäden betroffen?

"Getriebeanlagen werden auch künftig den Weltmarkt beherrschen"

Hahn: Von Generatoren bis zu den Blättern ist alles dabei. Wobei die Zahl der Schäden nimmt ab, aber wenn diese Teile ausfallen, wird es aufwändig und teuer. Selbst die Getriebe laufen mittlerweile zuverlässiger, was sicherlich ein Positivum ist.
Rüdiger Kipke: "Wir haben mittlerweile mit Knebelverträgen zu tun"
Bild: 8.2 Consulting
E&M: Sehen Sie einen Trend zu getriebelosen Windkraftanlagen, nachdem nun mit Siemens ein weiterer großer Hersteller auf diese Variante der Antriebstechnik setzt?
 
Kipke: Von Trend zu sprechen, ist meines Erachtens zu viel. Wir sehen durchaus einige Newcomer, die auf getriebelose Anlagen setzen, aber ihnen fehlen die großen Stückzahlen. Auch künftig werden Getriebeanlagen den Weltmarkt beherrschen.

E&M: Inwieweit schotten sich die Windturbinenhersteller nach Ihren Erfahrungen zunehmen ab, so dass technische Erfahrungen nicht mehr der gesamten Windbranche zur Verfügung stehen? Regieren Schweigepflicht-Klauseln mittlerweile die Windbranche?

Kipke: Das ist tatsächlich der Fall, diese Entwicklung wird immer schlimmer. Wir haben mittlerweile mit Knebelverträgen zu tun, die uns untersagen, innerhalb unserer Gruppe über technische Entwicklungen bei einem Anlagenmodell zu reden. Diese Verträge sehen irre Strafzahlungen vor, die in keinem Verhältnis zu den Auftragssummen stehen. Jüngst hatten wir genau so einen Vertragsentwurf vorliegen, der eine Strafe von fünf Millionen Euro vorsah. Dieses Verhalten ist uns absolut rätselhaft. Wir sind keine Sachverständigen, die Blaupausen nach China verkaufen. Es gibt Schäden und Probleme, die wir schon angesprochen haben. Die großen Windturbinenhersteller versuchen, so etwas solange wie möglich unter dem Deckel zu halten. Das ist insgesamt wenig hilfreich für die weitere Entwicklung der Windkraftnutzung. Wir als Sachverständige werden von einigen Herstellern zunehmend als Eindringlinge betrachtet, nicht als Partner. Wir sind unerwünscht.

Das Unikat der deutschen Windbranche

Wer ihre Arbeit beschreiben will, greift oft zum Synonym TÜV. Ein Überwachungsverein sind sie aber nicht, die unter der Dachmarke 8.2 vereinten 18 unabhängigen Sachverständigen-Büro mit ihren 64 Mitarbeiter.  Diese hierzulande einmalige Konstellation, gegründet 1995 von Manfred Lührs und Jürgen Holzmüller, ist spezialisiert auf Windturbinen und zunehmend auch auf Photovoltaik. Dabei können die Ingenieure auf Know-how und Erfahrungen zurückgreifen, das sie jahrelang bei den Windschmieden, Zulieferern oder als Betriebsführern gesammelt haben. Anfang 2007 des Jahres haben die Sachverständigen eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 200 000 Euro gegründet. In dieser AG fungiert Berthold Hahn als Vorstandschef, Rüdiger Kipke gehört dem Vorstand an.

 
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Freitag, 12.02.2010, 13:31 Uhr