• Erdgas setzt steile Aufwärtsbewegung fort
  • Strom, CO2 und Gas überwiegend fester
  • Widerstreitende Reaktionen aufs neue Klimaschutzgesetz
  • Kabinett beschließt Gesetzesnovelle mit Klimaneutralität bis 2045
  • Südlink jetzt komplett in der Planfeststellung
  • RWE Q1: Ergebnis geschrumpft, Prognose bekräftigt
  • MVV steigert Ergebnis
  • Verbund: Quartalsgewinn sinkt um 7,6 %
  • Engie verliert Steuervorteil
  • Enapter entwickelt AEM-Elektrolyseur der Megawattklasse
PROFIL:
Leo Schleupen - wie Schleupen AG
Wie ein gelernter Weinküfer zu einem genialen Programmierer wurde.
 

Als 14-jähriger bastelte Leo Schleupen Transistorverstärker und wollte Radio- und Fernsehtechniker werden. Daraus wurde aber nichts. Die Eltern hatten in Bad Kreuznach eine Weingroßkellerei, der Bub musste Weinküfer werden. Das wurde er auch, zwar widerwillig, aber schnell. Die Prüfung legte er mit verkürzter Lehrzeit mit „sehr gut“ ab; was schlecht blieb: Das Verhältnis zum autoritären Vater. Und so zog der junge Leo von dannen, heuerte in Hamburg als Küfer an und machte nebenher eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann, die er nach eineinhalb Jahren absolviert hatte. Gerade mal 18 Jahre, hatte er zwei abgeschlossene Berufe, und weil er noch in Abendkursen die Berufsaufbauschule besuchte kam die Mittlere Reife dazu. Anschließend die höhere Wirtschaftsfachschule für den praktischen Betriebswirt. Vorher hatte er die Polizei am Hals, weil ihn der Vater wieder heimholen wollte. Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig und brauchte zur Heirat noch den Segen des Erziehungsberechtigten. Leo wollte sich aber schon mit 20 den Ring an den Finger stecken. So fuhr er mit der Freundin nach Schottland, als Ehepaar kamen sie zurück. „Das war damals richtige Opposition“, schmunzelt Leo Schleupen, dem permanent der Schalk im Gesicht steht – ein bisschen Willy Millowitsch.

So groß und edel bestückt sein Weinkeller heute auch ist, vor 40 Jahren begeisterte ihn das Umfeld des Rebensaftes nicht. „Ich wollte was in Richtung Elektronik und Technik machen“, erzählt er, und fing bei einem amerikanischen Unternehmen als Management Analyst an.“ Workflow-Management“ heißt das heute, was Schleupen von 1965 bis 1969 in dem Unternehmen entwickelte. Der Zufall wollte es, dass in dieser Zeit ein Programmierer eingestellt werden sollte und Schleupen seinem Chef sagte, das sei nicht nötig, das könne er selbst. Und er konnte es – auch zu seiner eigenen Überraschung. Damit war der erste Baustein für die Schleupen AG gelegt. Das zieht sich durch sein gesamtes Berufsleben: Glauben an sich selbst, etwas können, was man nicht wirklich gelernt hat. „Ich habe in meinem Leben alles mögliche gelernt, aber nie das Programmieren, das kann man oder man kann es nicht“, behauptet er, und zieht einen netten Vergleich: „Beim Programmieren kann man wie bei jeder verbalen Sprache die Vokabeln lernen, aber es bleibt auch da so, dass nicht jeder, der sprechen auch ein Buch schreiben kann.“

Jedenfalls wechselte der Autodidakt als Zivilbeschäftigter der US-Army nach Zweibrücken. Sein Job: Systemprogrammierer. Weil es ihn wegen seiner zweiten Frau nach Karlsruhe zog, sah er sich dort nach beruflichen Möglichkeiten um – natürlich als Top-Programmierer. Er bekam zu seinem AT-Lohn bei der ITT in Pforzheim dann als Feierabend-Programmierer rund 10 000 Mark im Monat als Honorar. Das war 1970, und es war eine Menge Geld, das, wie man so schön sagt, quasi auf der Straße lag. Nur sehen musste man es. Schleupen gründete die Leo Schleupen GbR, aus der dann die Leo Schleupen Systemanalyse GmbH in Karlsruhe wurde. Der Selfmademan bekommt Kontakte zu IBM, Nixdorf und anderen Computergrößen, sein Laden wuchs mit seinen Spezialprogrammen, die dann in Serie verkauft wurden. Sein wichtigstes Standbein: Software für Steuerberater. Entstanden ist sie, weil Schleupen für seine eigene Buchhaltung ein Programm entwickelte.

Der nächste große Schritt erfolgte 1978: Schleupen entwickelte Abrechnungssoftware für Stadtwerke. „Ich war immer in der glücklichen Lage, nur solche Aufträge auszusuchen, die mir Spaß gemacht haben“, sagt er rückblickend, das war wohl auch der Schlüssel zu seinem Erfolg. Der Spaß wurde ihm etwas durch einen betrügerischen Geschäftsführer verdorben - 1981 stand Schleupen dadurch vor dem finanziellen Ende. Der Banker, mit dem er die Insolvenz abwickeln wollte, bedrängte ihn weiterzumachen. Statt der Bestätigung der Zahlungsunfähigkeit nahm Schleupen einen Kredit mit nach Hause – und Zuversicht.

Mit Systemlösungen für die Energiewirtschaft wuchs das Unternehmen rasant: „Wir hatten plötzlich weit über 100 Mitarbeiter und haben richtig Geld verdient“, so Schleupen, der sich mittlerweile Partner ins Boot geholt hatte und heute ganz pragmatisch erklärt: „Je kleiner mein Prozentanteil wurde, desto größer wurde der Wert meines Anteiles.“ Verstärkt wurde das Unternehmen vor allem durch einen Vertriebsprofi; Schleupen blieb der geniale Programmierer und Systemdenker – und stieg 1992 aus dem operativen Geschäft aus. Ein Herzklappenfehler machte ihm Probleme, der Alltagsstress setzte ihm zu, er wollte entspannen und kaufte sich mit seiner Frau eine Yacht. Eine „Super Maramu“ von Amel. Neun Monate lang am Stück waren die Schleupens Luxus-Boat-People, dann hat es gereicht. Schleupen: „Ich habe zu meinem Erschrecken festgestellt, dass man mit einer unglaublichen Geschwindigkeit verblödet.“

Leo Schleupen begann wieder mit dem Denken. „Das war die Zeit, als es um objektorientiertes Programmieren ging“, erzählt er. Er glaubte Nachholbedarf zu haben, wollte erstmals in seinem Leben einen Kurs belegen und merkte schon am ersten Tag: „Das, was wir immer schon gemacht haben, hatte einfach Namen bekommen.“ Und so war der Kurs beendet. Schleupen erzählt das alles ohne Stolz, nur mit leuchtenden Augen.

Das Schiff wurde 1997 verkauft und ein neues Haus gekauft. Der Auftrag an den Immobilienmakler war klar: Ein Haus mit unverbaubarem Weitblick und behindertengerechtem Zugang. Und so residiert Leo Schleupen heute mit seiner Frau in Karlsruhe-Durlach, ganz oben auf der Höhe einer Villengegend, bei klarem Wetter sieht er 140 Kilometer weit bis in die Vogesen und hinunter auf die Rheinebene. Behindert ist der 60-jährige nicht, aber man weiß ja nicht was kommt. Vorausschauen müsse man, und so hat er es immer gehalten. Schleupen bewohnt rund 400 m2, Schwimmbad und Weinkeller inklusive.

Natürlich ist das Haus voll computerisiert, vom Programm bis zur Platine im Schaltschrank ist alles made by Leo Schleupen. „Das Home-Automation-System könnte ich sicher kommerziell auf dem Markt anbieten“, ist sich der Bastler sicher, aber das würde Zeit kosten, die er braucht, um immer wieder neue Programm-Ideen für die Schleupen AG und sicher auch für sein Ego zu entwickeln. Nur am Rande: Photovoltaik-Anlagen wollte er nicht auf dem Dach, weil er „alles hoch subventionierte“ ablehnt. Einen Dachs von Senertec betreibt er und eine solarthermische Anlage.

Von 1992 bis zum Jahr 2000 war Schleupen Freizeitmensch. Und dann musste er wieder arbeiten. Wobei er fragt: „Tja, was ist Arbeit?“ Feste Termine zu haben, lästige Verpflichtungen halt, sagt der Reporter. „Dann habe ich nie gearbeitet, für mich war das immer Spaß; und immer wenn ich etwas nur wegen des Geldes gemacht habe, dann ist es in die Hose gegangen.“

Da hat einer leicht reden, mit seiner finanziellen Unabhängigkeit. Reich ist er geworden, der gelernte Küfer und Großhandelskaufmann. „Diese Meinung ist irrig“, sagt er, „ich habe das verdiente Geld immer in das Unternehmen gesteckt. Die Frage war Yacht oder Haus, beides zusammen ginge nicht.“

Als einer der Schleupen-Vorstände überraschend starb, musste der Firmengründer wieder operativ werden. Von 2000 bis Juli 2004 übernahm er wieder die Software-Entwicklung. Seitdem ist Leo Schleupen stellvertretender Aufsichtratsvorsitzender des Unternehmens und kann wieder das machen, was ja er am liebsten tut: Frei arbeiten – weil es Spaß macht.


Die Schleupen AG

- Gründungsjahr: 1970 wurde das Unternehmen Schleupen gegründet. Am 15. Juli 1997 erfolgte die Umwandlung in die Schleupen AG.
- Vorstand: Heinz Heineke, Hans-H. Neddermann, Arno Petzoldt
- Management Board: Mario Haas, Manfred Diebitz , Dr. Volker Kruschinski
- Mitglieder des Aufsichtsrats: Prof. Dr. Dr. Gerhard E. Ortner (Vorsitzender), Leo Schleupen (Stellvertreter), Monika Frick-Becker, Arn Osterloh, Prof. Dr. rer. nat. Carol Richter, Dr. Ekkehard Rosien
- Aktionäre: Familie Arno Petzoldt, Familie Hans-H. Neddermann, Familie Heinz Heineke, Familie Leo Schleupen, Familie Meier, Prof. Dr. rer. nat. Carol Richter
- 100%-ige Tochterunternehmen:  S4P solutions for partners ag, Ettlingen, VISOS AG, Fehraltorf bei Zürich
- Beteiligungsgesellschaften: VISOS GmbH, Ulm (90 %), oTRIs Software AG, Dortmund (30,99 %)
- Anzahl Beschäftigte national: 346
- Umsatz in Euro in 2004: 43,6 Mio. Euro


 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 30.11.2005, 14:08 Uhr