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REGENERATIVE:
Profite mit ungenutzten Biogas-Kapazitäten
Die BKN Biostrom AG bringt Biogasanlagen in den Minutenreserve-Pool der Next Kraftwerke GmbH ein.
 

Seit dem Verkauf der Biodiesel-Sparte im September 2010 konzentriert sich die BKN Biostrom AG mit Sitz in Vechta ganz auf die Projektierung von Biogasanlagen. „In der Projekt-Pipeline bis 2013 haben wir Aufträge mit einem Gesamtvolumen von rund 80 Millionen Euro", sagt BKN-Vorstand Günter Schlotmann. Mit dem Anlagenhersteller Envitec Biogas AG wurde im Mai 2010 eine Kooperation zum Bau von Biogasanlagen mit mindestens 15 MW Gesamtleistung in den kommenden Jahren vereinbart. Mehrere Biomethaneinspeise-Projekte, aber auch Vorhaben wie zum Beispiel die 1,75 MW-Anlage mit Mikrogasleitung im brandenburgischen Guben, stehen den Angaben zufolge unmittelbar vor der Genehmigung.

Derzeit betreibt das Unternehmen mit 20 Mitarbeitern und knapp 20 Mio. Euro Jahresumsatz insgesamt 30 Biogasanlagen mit rund 15 MW Gesamtleistung für Investoren. BKN hatte alle Anlagen bereits im Vorfeld mit einer selbst entwickelten Leittechnik ausgestattet, mit der technische und biologische Parameter erfasst werden können. Denn Schlotmann will „künftig alle Marktchancen nutzen" und plant langfristig − wenn der Marktpreis für Biogasstrom die Einspeisevergütung übertrifft − die Direktvermarktung des erzeugten Stroms.

Bis es soweit ist, sollen zusätzliche Erlöse aus dem Minutenreserve-Markt erschlossen werden. Wenn Schwankungen im Stromnetz dazu führen, dass Nachfrage und Angebot länger als 15 Minuten von den Plänen der Netzbetreiber abweichen, greifen diese auf die so genannte Minutenreserve zurück. Ist das Stromangebot im Netz größer als die Nachfrage ist die negative Minutenreserve gefragt und die Erzeugung muss herunter geregelt werden. Ist die Nachfrage größer als das Angebot, müssen Kraftwerkskapazitäten hinzukommen - die positive Reserve springt ein. Die Minutenreserve ist also ein Teil der Leistungsreserve, die von den Übertragungsnetzbetreibern vorgehalten werden muss, um zu jedem Zeitpunkt ein Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch zu gewährleisten.

Die Next Kraftwerke GmbH ist eine Ausgründung aus dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln, die seit 2009 dezentrale Kraftwerke zu einem virtuellen Kraftwerk, einem Pool, bündelt. Denn um auf dem Reservemarkt anbieten zu können, muss eine Kraftwerkskapazität von mindestens 15 MW bereit gestellt werden. Neben der Poolintegration der Anlagen übernimmt Next Kraftwerke die Fahrplananmeldung sowie das Bilanzkreis-Management. Die Strategie beim täglichen Bieten auf dem Minutenreserve-Markt basiert den Angaben zufolge sowohl auf wissenschaftlichen Modellen als auch auf langjähriger Erfahrung.

Für jedes 500 kW-BHKW etwa 10 000 Euro pro Jahr zusätzlich

Das Interesse an dem negativen und positiven Minutenreserve-Pool von Next Kraftwerke teilzunehmen, ist laut Hendrik Sämisch, groß: „Bislang haben wir eine Kraftwerksleistung von rund 75 Megawatt unter Vertrag", so der Mitbegründer und Geschäftsführer des Kölner Unternehmens. Die Preise am Reservemarkt können nach seiner Aussage stark schwanken. „Wir verdienen vor allem durch die Bereithaltung, aber auch durch den Einsatz der vorgehaltenen Kraftwerksleistung", erläutert Sämisch. Nur durch die Bereitstellung, die gebündelten Kapazitäten kurzfristig zu deaktivieren, zahlt Next Kraftwerke seinen Kunden eine Bereitschaftsvergütung in Höhe von durchschnittlich 0,3 Cent/kWh. Bei der tatsächlichen Deaktivierung erhalten die Anlagenbetreiber eine Kompensation der entgangenen Einspeisevergütung.

Durch die Abschaltungen entsteht den Anlagenbetreibern also kein Verlust, sondern sie erhalten einen Anteil der Gewinne, die durch den Stromverkauf auf dem Minutenreserve-Markt erzielt werden. „Für jedes Blockheizkraftwerk mit 500 Kilowatt elektrischer Leistung rechnen wir mit etwa 10 000 Euro pro Jahr", betont Schlotmann. Das versetze das Unternehmen in die Lage, den Kunden künftig noch rentablere Anlagen anbieten und das operative Ergebnis in der eigenen Servicegesellschaft ohne weitere Investitionen steigern zu können.

BKN bringt etwa die Hälfte ihrer Biogas-Kapazitäten in den Minutenreserve-Markt ein. Die dafür benötigten Fernwirksysteme, die Next Kraftwerke kostenlos zur Kommunikation mit ihrem zentralen Leit- und Steuersystem installiert, baute das Unternehmen bereits selbst ein. „Wir werden zunächst mit 15 Anlagen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 500 Kilowatt elektrischer Einzelleistung an dem Pool teilnehmen", so Schlotmann. Der Mitte Februar abgeschlossene Rahmenvertrag sieht vor, dass die Biogasanlagen nach dem Deaktivierungssignal des "Next-Pool Minus" innerhalb von zwei bis fünf Minuten heruntergefahren werden. Die gesamte Deaktivierung dauert in aller Regel zwischen 15 und 120 Minuten und findet etwa einmal im Monat statt.

Next Kraftwerke ist derweil bestrebt, ihre Minutenreserve-Pools weiter auszubauen. Bereits Anfang Februar wurde eine Kooperation mit der Stadtwerke Duisburg AG vereinbart. „Viele unserer Kunden besitzen kleine Kraftwerke, die im Notfall die Stromversorgung, zum Beispiel von Krankenhäusern gewährleisten. Diese Notstromaggregate werden die meiste Zeit nicht genutzt. Dank Next Kraftwerke können diese Mini-Anlagen jetzt konstant rentabilisiert werden", erklärt Thomas Freund, Vertriebsleiter Geschäftskunden bei den Duisburger Stadtwerken. Die Zusammenarbeit mit dem Energieversorger hilft dem Dienstleister dabei, „diese Betreiber gezielt anzusprechen und dadurch das Wachstum unseres Kundenkreises abzusichern", betont Sämisch. Denn Strom aus flexiblen Kraftwerkskapazitäten ist seiner Ansicht nach „ein großer Markt, der sich weiter entwickeln wird".


 
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Montag, 07.03.2011, 12:10 Uhr