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REGENERATIVE:
Verhaltener Optimismus
Mit neuen lokalen Marketingaktionen und Produkten wollen die deutschen Solarkollektoren-Hersteller aus dem Schatten der Photovoltaik treten. Diese Eigeninitiative ist auch notwendig, da es zu einem regenerativen Wärmegesetz in dieser Legislaturperiode kaum mehr kommen dürfte.
 

Als Solar-Lobbyist hat Gerhard Stryi-Hipp in den vergangenen Jahren so einige Höhen und Tiefen mitgemacht. Auch die Entwicklung der vergangenen Monate sieht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Als Folge der verbesserten Einspeisevergütungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat sich die öffentliche Wahrnehmung der Solarenergie eindeutig in Richtung Photovoltaik verschoben, worunter die Solarthermie zu leiden hat“, analysiert der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarindustrie (BSi) die Marktsituation.

Was Zahlen eindeutig belegen: Der Photovoltaik-Sektor legte hierzulande ein Wachstum von 140 % hin, womit sich die Solarstrom-Kapazität allein im vergangenen Jahr um eindrucksvolle 360 MW erhöht hat – damit kann sich Deutschland erstmals mit dem (inoffiziellen) Titel eines Solar-Weltmeisters schmücken.
Dagegen ist das Plus bei der Solarthermie mit etwa 4 % bescheiden ausgefallen. In absoluten Zahlen heißt das nach einer gemeinsamen Abschätzung des BSi und des Bundesindustrieverbandes Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. (BDH): gut 750 000 m2 Kollektorfläche haben die Solateure auf Deutschlands Dächer geschraubt.

Für dieses Jahr hat BSi-Mann Stryi-Hipp die Messlatte (etwas) höher gelegt: „Wir erwarten ein Wachstum von pauschal 20 Prozent.“ Mit dazu beitragen soll die am 4. April in Münster gestartete Aktion „Wärme von der Sonne“, die von gut 20 Kollektorenhersteller und dem Bundesumweltministerium getragen wird. Damit schert der Solarverband aus der von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) im Mai 2002 gegründeten Kampagne „Solarwärme Plus“ aus. Was Stryi-Hipp so begründet: „Die überregionale Informationsarbeit der dena-Kampagne ist gut gemacht, keine Frage, sie hat aber die Verbraucher vor Ort zu wenig erreicht.“
In den kommenden Wochen soll in Zusammenarbeit mit Solarinitiativen vor Ort in zunächst 30 ausgewählten Kommunen „eine direktere Ansprache“ gesucht werden. Die Initiatoren verfügen dabei, nicht zuletzt durch die Unterstützung aus dem Hause Trittin, über ein Budget von mehr als 500 000 Euro.

Mit von der Partie bei der neuen Marketing-Aktion ist die Braunschweiger Solvis GmbH Co. KG. Nicht nur von diesen lokalen Werbewochen verspricht sich Geschäftsführer Helmut Jäger steigende Absatzzahlen: „Die Zeiten, in denen wir Ölpreise von unter 30 Dollar je Barrel erlebt haben, sind endgültig vorbei.“ Den „Systemwechsel im Heizungskeller“ erzwinge in den kommenden Jahren noch eine andere Entwicklung. „Die Einführung des Gebäude-Energiepasses zu Beginn des kommenden Jahres wird vor allem im Mehrfamilien-Bereich zu einer energetischen Modernisierungswelle führen und einen kräftigen Schub in Richtung Solarheizung geben“, so Jäger. Diese Chance muss die Branche nutzen, denn zwei Drittel aller Kollektorenanlagen wird im Zuge einer Heizungsmodernisierung eingebaut.

Davon will künftig auch Junkers Deutschland profitieren. Die Entscheidung, verstärkt auf Solartechnik zu setzen hat sich für Junkers gelohnt sagt Andreas Schmidt, Vertriebsleiter Deutschland: „Im Gegensatz zum Gesamtmarkt wuchs unser Segment Solarpodukte um gleich 35 Prozent.“ Junkers ist Teil der Robert Bosch GmbH Gruppe, deren Geschäftsbereich Thermotechnik wiederum im vergangenen Jahr mit der Buderus Heiztechnik AG zur BBT Thermotechnik GmbH fusioniert hat.
Junkers will auch künftig stärker als der Markt wachsen. Neue Kunden verspricht sich das Unternehmen vom Mitte März auf der Sanitär- und Heiztechnik-Leitmesse ISH in Frankfurt vorgestellten Brennwert-Speicher-System Cerasmart Modul. Andreas Schmidt: „In der Solarvariante steckt alles, was eine moderne Heizung braucht. Dank des auf 120 Liter vergrößerten Speichers lässt sich mit dem 22-kW-Gerät sogar der Wärme- und Wasserbedarf von Zweifamilienhäusern decken.“

Optimistisch beurteilt auch Günther Kohlmeier, Geschäftsführer des österreichischen Marktführers Sonnenkraft GmbH, die weitere Entwicklung auf dem deutschen Kollektoren-Markt: „Bislang ist die Thermie nördlich der Alpen unter Wert geschlagen worden.“ Kohlmeier hat dabei die Entwicklung in seinem Heimatland im Blick, wo im vergangenen Jahr etwa zweieinhalb Mal soviel an Kollektorfläche montiert worden ist wie in deutschen Landen – umgerechnet auf die Einwohnerzahl versteht sich.
Für dieses Jahr hat sich das Kärntner Unternehmen für den deutschen Markt „starke Ziele“ gesetzt. Günther Kohlmeier prosaisch: „Wir erwarten eine schöne Steigerung.“ Mit dazu beitragen dürfte, dass Sonnenkraft seine Kollektoren mittlerweile bundesweit anbietet und sich nicht mehr allein auf die Bayern und Baden-Württemberg konzentriert.

Denn der bisherige Vertriebspartner, die WESTFA Flüssiggas und Umwelttechnik GmbH, geht seit diesem Frühjahr eigene Wege. Auf der ISH präsentierte sich das Hagener Unternehmer erstmals als selbstständiger Systemanbieter mit einer eigenen Produktlinie. Für Produktmanager Bernhard Mertel macht dieser Schritt Sinn: „Wir haben nach einem langfristigen Wachstumsmarkt gesucht. Da wir über unsere Flüssiggassparte ohnehin bundesweit aktiv sind, haben wir nach den Vertriebserfahrungen in den vergangenen Jahren den Schritt zur eigenen Marke gewagt.“ Ziel für dieses Jahr sei es, 25 000 m2 der neu designten Kollektoren auf die Dächer zu bringen.
Wie auch andere Wettbewerber wollen die Südwestfalen gezielt die Heizungsbauer ansprechen. „Wir werden die Betriebe, die wir für unsere Produkte gewinnen können, stark bei Marketing unterstützen“, so Mertel. Als besonderes Bonbon kann WESTFA den Handwerkern für die Kollektormontage eine Kranhilfe anbieten. Schließlich seien die Heizungsbauer keine „Dachdecker.“
Ihr Solar-Engagement haben die Hagener langfristig angelegt. Das erklärte Ziel der Geschäftsleitung ist es, langfristig zu den Top Ten der Branche zu gehören. Den Weg dahin würde, so Produktmanager Mertel, ein regeneratives Wärmegesetz sicherlich erleichtern: „Wenn die Verbraucher sozusagen noch einen Bonus für die Solarwärme bekämen, hätte das sicherlich einen spürbaren Effekt auf die Kaufentscheidung.“

Ähnlich argumentiert Matthias Reitzenstein, einer der Geschäftsführer der Paradigma Energie- und Umwelttechnik GmbH. Der bundesdeutsche Marktführer bei den Vakuum-Röhrenkollektoren warb in Frankfurt für sein neues System, das für den Wärmetransport auf Wasser statt auf Glykol setzt: „Ein solches Gesetz würde unserer Branche Planungssicherheit geben, die wir für langfristige Investitionen brauchen. Damit wären wir auch von allen Haushaltsdiskussionen unabhängig.“ Recht hat der Mann. Wie lange Hans Eichel noch Millionen für das Marktanreizprogramm, aus dessen Topf Solarkollektoren bezuschusst werden, locker macht, weiß der Bundesfinanzminister wohl nicht einmal selbst.
Die Krux: Noch gibt es kein allgemein akzeptiertes Modell für ein solches Gesetz. Ein vom Bundesverband Erneuerbare Energie vorgeschlagenes Umlagemodell analog zum EEG dürfte so schnell nicht den Beifall der Politik finden, da es erst einmal zu einer Verteuerung für die Verbraucher führt. Für die mögliche Alternative, über das Baurecht die Installation von Solarkollektoren bei Neubauten verbindlich vorzuschreiben, bräuchte es die Zustimmung der Bundesländer.
Bei dieser wenig rosigen Ausgangslage bewertet Marco Bülow, in der SPD-Bundestagsfraktion Sprecher für die erneuerbaren Energien, die Chancen für eine Gesetzesverabschiedung noch in dieser Legislaturperiode „als nicht zu groß“. Immerhin gründet Rot-Grün demnächst eine Arbeitsgruppe Wärme, in der auch das reklamierte Wärmegesetz auf der Tagesordnung steht.

Solche politstrategischen Überlegungen lassen Dila Doymak ziemlich kalt. „Unser Ziel ist klar: Da Deutschland europaweit vom Volumen der wichtigste Markt ist, wollen wir hier demnächst stärker präsent sein“, sagt die Exportleiterin des türkischen Kollektorherstellers Istek Isi Sistemleri Ltd. Erste Erfolge kann Doymak bereits verbuchen: „Fünfhundert unserer Kollektoren haben wir schon verkauft. Jetzt suchen wir einen Vertriebspartner.“ Auch das sind Indizien für einen Aufschwung auf dem deutschen Solarthermie-Markt.


 
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Mittwoch, 30.03.2005, 09:33 Uhr