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Bild: THesIMPLIFY, Fotolia.com
WIRTSCHAFT:
Weg frei für den Aufbruch
Mit der im Bericht der Kohlekommission skizzierten Transformation des Energiesektors wird das Tor zur Zukunft der Branche geöffnet - wenn die Politik die Vorschläge so umsetzt.   
 
Ein Kraftakt war es, aber nun gibt es endlich einen groben Plan für die Zukunft des Energiesystems in Deutschland. Wohlgemerkt: Es geht nicht nur um die Erzeugung, sondern um einen wirklichen Systemumbau. Also nicht nur um den Ersatz der stillzulegenden Kohlekapazitäten, sondern um eine optimale Vernetzung von erneuerbaren Energien mit innovativen Technologien und die Kopplung der Sektoren Energie, Wärme und Verkehr, das sagt der Kommissionsbericht sehr deutlich.

Bis 2022 sollen 12,5 GW der bestehenden Kohlekapazität von rund 43 GW vom Netz gehen. Bis 2030 soll sie weiter auf 17 GW reduziert werden, bis 2038 dann auf null. „Damit müssen wir in den kommenden knapp 20 Jahren etwa 50 GW konventionelle Kapazität nach und nach aus dem System nehmen und diese ersetzen – durch Erneuerbare, durch Demand Side Management, durch Importe, durch neue Gas- und neue KWK-Kapazitäten“, erläutert der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW Stefan Kapferer. Er betont: „Das ist ein gigantisches Umbauprojekt, das riesige Wachstumschancen eröffnet.“

„Der Bericht gibt die Orientierung, auf die viele Marktakteure gewartet haben. Ich bin sicher, dass daraus noch mehr Schwung entsteht für die Entwicklung von neuen Technologien und Lösungen für Energiewende und Klimaschutz“, sagt Dena-Hauptgeschäftsführer Andreas Kuhlmann. „Die Arbeit geht jetzt erst richtig los.“
Als eine wesentliche Maßnahme benennt die Kohlekommission die „Sicherstellung des systemdienlichen und marktkonformen Ausbaus erneuerbarer Energien auf 65 Prozent bis 2030“. Dafür brauche es „verlässliche Rahmenbedingungen“ und eine Anpassung der jährlichen Erneuerbaren-Zubaumengen.

Die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter, lobt dies und betont: „Ein rascher Einstieg in den Kohleausstieg beinhaltet aus Sicht des BEE besondere Vorteile. Je eher Deutschland damit anfängt, desto früher beginnt die Modernisierung der Energiewirtschaft und die damit einhergehende Modernisierung des Industriestandorts.“

Ein Ausstiegsplan sei wichtig, hatte kürzlich auch Vattenfall-Chef Magnus Hall erklärt, „weil sich daraus ergibt, wie sich der Markt entwickelt und was das für die eigenen Investitionen bedeutet. Bei uns betrifft das zum Beispiel den Bau von Offshore-Windparks.“

Die Kommission misst Speichern eine wichtige Rolle zu, was die Speicherbranche naturgemäß erfreut. „Speicher können für die Integration der erneuerbaren Energien die notwendige zeitliche Flexibilität bereitstellen und eine Vielzahl von Systemdienstleistungen erbringen“, heißt es in dem Bericht.

Und die Kommission betont, dass hier keine Zeit zu verlieren sei: „Es ist bereits in der Transitionsphase des Energiesystems dringend notwendig, die Potenziale der verschiedenen Speichertechnologien verfügbar zu machen.“ Dazu brauche es Anreize zur Erforschung und Erprobung, „vor allem aber verbesserte und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, die den wirtschaftlichen Einsatz ermöglichen“.
BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen verweist noch auf einen anderen Aspekt: „Speicher sind aber nicht nur wesentliches Element zum Gelingen der Energiewende, sondern haben gleichzeitig auch industriepolitisch ein sehr hohes Potenzial.“ Der Handlungsauftrag sei deutlich: „Bessere und passende rechtliche Rahmenbedingungen für Energiespeichersysteme müssen jetzt endlich schnell realisiert werden. Nur so sind die Speichertechnologien − vom Supercapacitor über Batterien bis zu Wasserstoff und Pumpspeichern − auch systemdienlich zu integrieren“, so Windelen.

Aber auch bestehende Branchen wie die Gas- und die KWK-Branche bekommen mit den Empfehlungen der Kohlekommission eine Zukunftsperspektive. So empfiehlt die Kommission, damit auch Kohlekraftwerke, die sich in der Netzreserve befinden, stillgelegt werden können, „gleichwertige Alternativen wie insbesondere Gasturbinen und Speicher zu errichten“. Und sie rät, „Maßnahmen zur Beschleunigung von Genehmigungsprozessen zur Errichtung neuer Gaskraftwerke insbesondere an bestehenden Kohlekraftwerksstandorten zu prüfen“.

KWK mit Zukunft

Auch die Wärmebereitstellung aus KWK-Anlagen sollte aus Sicht der Kommission auf Gas umgestellt werden. „Insbesondere durch die lokale Gebundenheit von Fernwärmenetzsystemen und Prozesswärmeversorgung erfordert der Wegfall von Wärmeerzeugung auf Kohlebasis einen parallelen lokalen Ersatz dieser Erzeugung“, heißt es dazu. Notwendig sei aber auch ein flexiblerer Betrieb. Letztlich erforderten die Klimaziele die Umstellung auf eine CO2-neutrale Wärmeerzeugung auf Basis von erneuerbaren Energien.

Eine klare Botschaft an die Politik ist, „adäquate und langfristige Rahmenbedingungen für KWK-Anlagen“ zu schaffen. „Künftig sollen KWK-Anlagen hin zu modernen, flexiblen Strom-Wärme-Systemen weiterentwickelt werden, zu denen neben KWK-Anlagen auch Speicher, Fernwärmenetze, Wärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen sowie Solar- oder geothermische Anlagen gehören.“
Die Kommission spricht sich daher für die Verlängerung der Förderung bis 2030 aus. Demnach sollten „bis zum Jahr 2026 die weitere Umstellung von Kohle- auf Gas-KWK attraktiver ausgestaltet sowie Innovationen für die Kompatibilität mit grünen Gasen gefördert werden“.

Gas − mit der Perspektive auf „grünes“ Gas − wird also bei der Transformation des Energiesystems eine wichtige Rolle spielen. Bei der Mainova freut man sich: „Sollten die Vorschläge der Kohlekommission vom Gesetzgeber umgesetzt werden, ist damit zu rechnen, dass sich Einsatzbedingungen für die hocheffizienten, emissionsarmen Gaskraftwerke mittelfristig verbessern werden.“

Die Kohlekommission unterstreicht ferner die Bedeutung von Power-to-Gas und Power-to-X–Technologien. „Ein gutes Signal“ sieht darin Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas. Die Bundesregierung wollte hingegen die Technologien in eine fernere Zukunft verschieben, weil sie noch teuer und unwirtschaftlich sind.

Speicher und PtX fördern

„Eine große Chance für die Branche liegt darin, dass Wasserstoff und Power-to-X-Lösungen auf Basis Erneuerbarer eine zentrale Rolle eingeräumt wird und auch die notwendigen regulatorischen Änderungen aufgezeigt werden“, sagt Arge-Netz-Geschäftsführer Martin Grundmann zu E&M. Die Kommission fordert eine Reform des Entgelt- und Abgabensystems, um den neuen strombasierten Technologien Marktchancen zu eröffnen.

Damit könnten erneuerbare Energien echte Systemdienstleistungen übernehmen, fossile Energieträger ersetzen und Flexibilität bereitstellen, so Grundmann. Durch den beschleunigten Erneuerbaren-Ausbau ergäben sich „weitere Betätigungsfelder für die Unternehmensgruppe Arge Netz im Bereich Wind und Photovoltaik in den Kohlerevieren, aber auch in anderen Regionen Deutschlands“.

Die Bedeutung des Plans für die weiteren Aktivitäten der Versorger hebt auch der Geschäftsführungsvorsitzende der Stadtwerke München (SWM) Florian Bieberbach hervor: „Ich bin überzeugt, dass durch den früheren Ausstieg bereits 2035 die Versorgungssicherheit nicht gefährdet wird. Der Ausstieg ist ein wichtiger Schritt, um die erneuerbaren Energien weiter voranzubringen.“

Alles in allem also zeigt sich Aufbruchstimmung − doch noch ist nichts beschlossene Sache. „Der Ball liegt jetzt bei der Politik, betont Dena-Chef Kuhlmann. „Was in diesem Jahr nicht auf den Weg gebracht wird, hat in dieser Legislaturperiode kaum noch eine Chance, umgesetzt zu werden.“ Gleichzeitig stünden viele Unternehmen mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen in den Startlöchern. „Wenn es uns jetzt gelingt, die Weichen richtig zu stellen, kann es auf einmal sehr schnell vorangehen“, so Kuhlmann. „Diese Chance sollten wir nutzen.“

 
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Freitag, 15.02.2019, 11:00 Uhr