• Strompreis steigt mit wenig Wind, Gas und CO2 zeigen sich stabil
  • Lichtblick auf der Erfolgsspur
  • Bayernwerk und Audi untersuchen netzschonendes Laden
  • Vorstandsvorsitzender verlässt Bayernwerk
  • E&M startet den Marktplatz Energie
  • Softwarefirmen kooperieren bei IoT-Lösung
  • Stadtwerke München schließen Geschäftsjahr mit Verlust ab
  • Die Energiewende als "Gemeinschaftsprojekt"
  • BMW erhält 68 Mio. Euro Förderung für Entwicklung von Feststoffbatterie
  • NRW-Landesregierung schießt windige Eigentore
Enerige & Management > Biogas - Zukauf gegen den Trend
Bild: Jürgen Jeibmann
BIOGAS:
Zukauf gegen den Trend
Biogas hat derzeit einen schweren Stand. Trotzdem kauft die VNG-Tochter Balance Anlagen und will Bioerdgas zu einem wichtigen Pfeiler ihres Produktmixes machen.
 
Derzeit arbeiten in Deutschland rund 9 200 Biogasanlagen mit BHKW und einer elektrischen Gesamtleistung von gut 4 200 MW. Fast alle Anlagen speisen Strom ins Netz ein, da dieser über die EEG-Umlage vergütet wird. Die Branche erlöst damit den größten Teil ihrer jährlich rund 9 Mrd. Euro Einnahmen.

Nur wenige Anlagen speisen ausschließlich Bioerdgas ins Gasnetz ein. Denn hierfür gibt es keine gesonderte Vergütung. Die Produktionskosten für Biomethan, auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas, liegen bei 6 bis 8 Ct/kWh. Erwirtschaftet werden dafür bei der Einspeisung aber nur 2,6 Ct/kWh, so Stefan Rauh, Geschäftsführer des Fachverbands Biogas. Dieser Preis, der in etwa auch den Großhandelspreisen für Erdgas an der Leipziger Energiebörse EEX entspricht, ist somit keineswegs kostendeckend.
 
Nur zwei Anbieter mit reinem Bioerdgas
 
Ein Geschäft ist damit also nicht zu machen, obwohl die Nachfrage nach Bioerdgas sehr groß ist. Doch lediglich zwei Produzenten in Deutschland bieten tatsächlich eine Lieferung von reinem Biomethan an. Alle anderen Tarife sind mittels Zertifikaten grün gestellt oder enthalten nur geringe Prozentsätze an Bioerdgas. Zudem bewerben etwa Polarstern und Naturstrom ihre Produkte als tatsächlich nachhaltig, weil es sich um aus Reststoffen und Müll erzeugtes Bioerdgas handelt – im Gegensatz zu dem meist aus Energiepflanzen gewonnenen Biomethan anderer Anbieter.

Vor diesem Hintergrund sucht eine Tochter des Leipziger Gaskonzerns VNG, der zu EnBW gehört, einen Weg hin zur Wirtschaftlichkeit der Biogasanlagen mit und ohne Stromproduktion. Acht Anlagen hat sie dazu schon gekauft und in ihr Portfolio aufgenommen. Zwei davon sind Biomethananlagen, die den Brennstoff direkt ins Gasnetz einspeisen. An einer dritten hält sie Anteile. Alle Anlagen befinden sich im mitteldeutschen Raum, auch die Wertschöpfung soll hier erfolgen. Das Gros der Gewinne wird mit der Verstromung des Biogases vor Ort erzielt.

Doch dieses Geschäftsmodell wird bei einem Teil der Anlagen nicht mehr lange funktionieren, weil dann die EEG-Förderung ausläuft. „Wir schauen deswegen schon jetzt auf Nachnutzungsmöglichkeiten“, so Thomas Fritsch, Geschäftsführer der Balance VNG Bioenergie GmbH. Die Anlagen seien auch dann noch unter anspruchsvolleren, regulatorischen und betriebswirtschaftlichen Prämissen wirtschaftlich zu führen.
 
Direkte vollautomatische Steuerung angestrebt
 
Die Betreuung der größeren Anlagen übernehmen Dienstleister vor Ort, die meist schon vor Erwerb durch die VNG-Tochter Balance damit betraut waren. Die kleineren Anlagen betreut man von Leipzig aus. Derzeit arbeitet das Unternehmen am Aufbau einer komplett eigenen Betriebsführung.

Die technische Steuerung aller Anlagen läuft bereits vollautomatisch. Gesteuert werden kann von der Leipziger Zentrale aus oder dank Digitalisierung auch von jedem Ort unterwegs. Derzeit laufen die Anlagen noch mit verschiedenen Systemen und Visualisierungen, aber auch diese sollen vereinheitlicht werden.

Die Leipziger wollen es bei der jetzigen Anlagenzahl aber nicht belassen. Derzeit prüfen sie weitere Einzelanlagen auf ihre Stimmigkeit fürs eigene Portfolio. Eine Idee dabei: die Bildung regionaler Cluster, in denen sich Synergien durch räumliche Nähe erschließen lassen. Das gilt auch für den Absatz von Gas, Strom und Wärme. Die Energieströme sollen vor Ort und nah an der Produktion von Partnern vermarktet werden.
 
Den Handel mit Biomethan im Blick
 
Gerade der Handel mit Biomethan wird dabei einen besonderen Schwerpunkt bilden. Balance ist schon Partner im Biogasregister der Energieagentur Dena. Dadurch ist jede eingespeiste Kilowattstunde Biomethan dokumentiert und nachverfolgbar. Der eigene Bioerdgashandel, der bis 2015 existierte, wird inzwischen von der BMP Greengas aus München betrieben.
 
Investiert in Biogasanlagen: Thomas Fritsch
Bild: VNG AG

Die Einspeisung von Gas ins Netz wird mit Auslaufen der EEG-Förderung für die Stromproduktion immer wichtiger. „Die Umrüstung von geeigneten Standorten auf die Aufbereitung und Einspeisung von Bioerdgas ist dabei aktuell eine der präferierten Lösungen. Wir haben dafür ein Netzwerk an Partnerfirmen aufgebaut und sind ständig auf der Suche nach Erweiterungen und guten Ideen zur Optimierung der Anlagen“, so Fritsch.

Dennoch, die derzeit geltenden politischen Rahmenbedingungen machen dies recht schwierig. Eine Vergütung für eingespeistes Bioerdgas ist nicht in Sicht. „Als vordringliche Aufgabe sehen wir auch eine Klärung hinsichtlich der zeitlichen Fixierung der vermiedenen Netznutzungsentgelte über die aktuell festgeschriebenen zehn Jahre hinaus. Ansonsten läuft die Branche große Gefahr, Anlagen stilllegen zu müssen“, prophezeit Fritsch.

 
Biogasanlagen der Balance VNG Bioenergie GmbH
Biogasanlage/Ort elektrische Leistung BHKW Inbetriebnahme Einsatzstoffe
Berthelsdorf
 
536 kW 2008 Mais, Gras, Getreideschrot
Grimma (2) 600 kW und 265 kW 2009 Hühnertrockenkot (HTK), Gras, Mais
Kodersdorf
(Bioerdgas)
600 kW
sowie 700 Nm3/h Gaseinspeisung
 
2014 Gülle, Ganzpflanzensilage (GPS), Gras, Mais
 
Oschatz
(Bioerdgas)
600 kW mit angeschlossener Gärresttrocknung sowie 700 Nm3/h Gaseinspeisung 2010 GPS, Gras, Mais
Schöpstal (Bioerdgas) 700 Nm3/h Gaseinspeisung 2011 GPS, Gras, Mais
Thiendorf 600 kW 2011 Gras, Mais, Hirse, HTK, Rindermist
Wippra-Popperode 537 kW mit angeschlossener Gärresttrocknung 2010 Gülle, Festmist, Gras, GPS, Mais
Quelle: VNG

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 02.01.2019, 15:39 Uhr