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Enerige & Management > Windkraft - Appetit auf Meerwind
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT:
Appetit auf Meerwind
Immer mehr große Investoren steigen in den Offshore-Windmarkt ein. Wollen kleinere Akteure mit an Bord, sollten sie ihre Finanzkräfte bündeln.
 
Die Zeiten sind nicht einfach für Kapitalanleger wie Harald Epple. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf Null gesenkt hat, ist mit klassischer Geldanlage kaum noch Rendite drin. Epple ist Vorstand für Kapitalanlage bei der Gothaer Versicherungsgruppe und dafür verantwortlich, dass sich das Geld seiner Kunden verzinst. Nur dann geht die Idee von Millionen Versicherungsnehmern in Deutschland auf, heute mit einer Lebensversicherung Kapital für morgen anzulegen.

Doch Anleihen von Staaten wie Deutschland oder der Schweiz, die Lebensversicherungen wie die Gothaer klassischerweise in großen Volumina zeichnen, und die vor zehn Jahren noch mehrere Prozent pro Jahr abwarfen, rentieren schon lange im Negativbereich. Deshalb und weil der risikoreiche Aktienmarkt für die Versicherer nur einen Teil des Portfolios ausmachen darf, sind Alternativen wie beispielsweise Sonne und Wind gefragt und auch beliebt. „In der Anlageklasse erneuerbare Energien liegen die Renditen bei sechs Prozent“, freut sich Epple. „Unser Ziel, bis Ende 2016 insgesamt eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien investiert zu haben, haben wir fast erreicht."

Dazu zählte vor Jahresfrist auch der Einstieg in die Offshore-Windenergie. Der Lebensversicherer erwarb einen 40 Prozentanteil an dem von der Bremer WPD entwickelten Projekt Nordergründe vor der Nordseeinsel Wangerooge. Wenige Monate später zog das britische Investorenhaus John Laing nach. Die Firma, die ähnlich wie die Gothaer nach überdurchschnittlichen Renditen am weltweiten Kapitalmarkt Ausschau hält, kaufte 30 Prozent. Üblicherweise legen die Briten das Geld in großen Infrastrukturprojekten an wie Eisenbahnen oder Brücken. Hier wird viel Kapital benötigt und die Investments gelten wegen der zu erwartenden regelmäßigen Einnahmen als sicher.

So wie Windparks in Deutschland, die dank festgelegter Vergütungen gut prognostizierbare Einnahmen (Cash Flows) mit sich bringen. Ross McArthur, verantwortlicher Manager für regenerative Energien, nannte den erstmaligen Einstieg in einen Offshore-Windpark eine „besondere Gelegenheit“. Dabei musste sein Arbeitgeber sogar Abstriche an der Rendite machen, wie aus dem Markt zu hören ist. Weil die Zahl der Interessenten steigt, sind Entwickler wie WPD nicht mehr bereit, den Investoren beim Preis allzu weit entgegenzukommen.

Große Lernkurve der Offshore-Windindustrie

„Bei den ersten Offshore-Windparks war es für die Entwickler eine sehr große Herausforderung, die Finanzierung zusammenzubekommen“, sagt Peter Frohböse, der beim Beratungs- und Zertifizierungshaus DNV GL aus Hamburg verantwortlich ist für die technische Sorgfältigkeitsprüfung (Due Dilligence) von Windparks on- wie offshore. Das Unternehmen war bisher an allen in der deutschen Nord- und Ostsee realisierten Kraftwerksprojekten als Prüfer dabei. „Es ist vor allem das Konstruktionsrisiko gewesen, das die Investoren abschreckte“, sagt der Ingenieur. Es gab wenig Erfahrung, und die Branche war kaum ausdifferenziert. „Vor einigen Jahren fehlten zum Beispiel ausreichend Spezialschiffe für die Errichtung. In einen Markt, der viele Engpässe aufweist, wollen Kapitalgeber aber nicht investieren.“

Heute ist das kein Thema mehr, da sich die Schiffskapazitäten deutlich erhöht haben. „Es gab eine große Lernkurve in der Industrie", so Frohböse. "Entwickler und Bauherren haben viele Erfahrungen gesammelt. Die Risiken, die noch bestehen, sind geringer geworden.“ Umgekehrt sinkt damit der Risikoaufschlag, den sie für ihr Kapital fordern können. Dazu kommt, dass die Eigenkapitalgeber selber bereit sind, aufgrund der geringen Marktzinsen und der von der EZB billig bereitgestellten Liquidität höhere Risiken in Kauf zu nehmen und größere Portionen zu erwerben. Damit hat auch die Vielfalt der Akteure zugenommen wie ein Blick auf die Offshoreprojekte zeigt, die der dänische Energiekonzern Dong bisher realisiert hat. Neben dänischen Pensionsfonds und der Lego-Stiftung zählen japanische Mischkonzerne wie Marubeni und arabische Investoren wie Masdar dazu. Zuletzt stieg Finanzinvestor Macquarie beim britischen Projekt Race Bank mit 50 Prozent ein.

Außerdem erhöhen klassische Energie- und Industrieunternehmen die Schlagzahl. So hat ein Konsortium aus Shell und Mitsubishi Ende vergangenen Jahres den Zuschlag für Borssele 3 und 4 bei der Ausschreibung niederländischer Offshore-Parks bekommen. Dass Firmen für das 700-MW-Paket ein Angebot von nur noch 5,45 Cent je Kilowattstunde abgegeben haben, zeigt auch, wie viel Spielraum nach unten noch besteht. Denn die bis zuletzt erzielbaren Renditen mit Offshore-Parks in Europa waren ansehnlich. Sie lagen laut einer Studie der Wirtschaftsprüfer von Deloitte in der Konstruktionsphase bei 8,5 bis elf Prozent und beim Erwerb einer Tranche im Betrieb bei sechs bis 7,5 Prozent.

Dass Investoren auch mehr als 20 Prozent Gewinn pro Jahr einfahren können, zeigt das Beispiel des dänischen Pensionsfonds PKA, der Ende 2016 seinen 22,5-Prozent-Anteil am Windpark Butendiek an eine japanische Investorengruppe veräußerte. Der Kaufpreis betrug 135 Millionen Euro – eine Verdoppelung des Wertes innerhalb von nur drei Jahren. „Normalerweise würden wir bei dieser Art von Infrastruktur-Investitionen über die gesamte Lebensdauer investieren, in der Regel 25 Jahre", sagt PKA-Chef Peter Damgaard Jensen. "Aber wir mussten die Chance, einen solchen Gewinn für unsere Mitglieder zu erwirtschaften, ergreifen.“ Dass die Japaner auf der anderen Seite bereit sind, diesen Preis zu zahlen, zeigt die Attraktivität von Offshore-Windparks am Kapitalmarkt.

Finanzierung ist wesentlich einfacher geworden

Auch die Banken haben Appetit auf das Windgeschäft und müssen entsprechend Abstriche bei den Zinsen hinnehmen. „Vor fünf Jahren war noch die Frage, ob man für ein Projekt überhaupt genügend Banken findet“, sagt Ulrich Winkelmann von der Projektfinanzierung bei der Nord/LB Norddeutsche Landesbank. „Heute ist das anders. Projektkosten und Risiken sind geringer.“ Zusammen mit der Liquidität im Markt sorgt das für sinkende Margen. Bei Neuprojekten liegen die mittlerweile bei unter zwei Prozent. Geht es um die Refinanzierung von Darlehen an bereits bestehenden Parks, müssen sich Banken mit weniger als 1,5 Prozent zufriedengeben.

Das macht die Finanzierung auch für kleinere Akteure etwa aus dem Stadtwerke-Sektor attraktiver. Doch das geht nur, wenn sie eine kritische Größe erreichen: „Die Projektierer wollen nicht zu viele Investoren beteiligen", sagt DNV-GL-Experte Frohböse. „Das erhöht den Aufwand. Wir wissen von Entwicklern, dass ihnen neben den Banken fünf Kapitalpartner schon zu viel wären. Stadtwerke, die sich an Offshore-Wind beteiligen wollen, sind deshalb gut beraten, ein Konsortium zu bilden“, empfiehlt er.

Zumal die Konkurrenz des Kapitals angesichts der kommenden Ausschreibungen weiter steigen wird, ebenso wie die Bereitschaft, finanzielle Risiken einzugehen. „So verlangen Entwickler, dass sich Investoren schon im Vorfeld an den Ausschreibungen finanziell beteiligen“, sagt Frohböse. Das ist gerade für kleinere Player ein großes Risiko. Denn: Erhält das Projekt keinen Zuschlag, wäre auch das Kapital verloren.

 
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Mittwoch, 15.03.2017, 10:48 Uhr