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SMART HOME:
Der Markt ist noch ganz am Anfang
Tests mit der Steuerung intelligenter Häuser gibt es schon, in diesem Jahr sollen immer mehr kommerzielle Angebote verfügbar sein.
 

Noch im letzten Herbst, und damit rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft, startete der Smart-Home-Anbieter Rockethome zusammen mit den Stadtwerken Bielefeld, den Stadtwerken Lüdenscheid und dem Energieversorger Mark-E den Vertrieb von Geräten zur Realisierung eines intelligenten Gebäudes. Auf diesen Markt mit Dienstleistungen rund um die Hausautomation und die Energiespartechnik setzt Rockethome-Chef Yüksel Sirmasac, der sich davon mehr Nachfrage erhofften als nach intelligenten Energieverbrauchs-Messgeräten alleine. Grundsätzlich funktioniert Smart Home auch ohne Smart Meter, die ständige Messung des Stromverbrauchs ist nicht notwendig, um ein Haus zu steuern. „Smart Home ist ein Angebot, das zunächst unabhängig ist von den Lieferverträgen der Energiewirtschaft", sagt Sirmasac.

Bei dem Angebot, das Rockethome zusammen mit Geräteherstellern entwickelt hat, und das nun für oder gemeinsam mit Energieversorgern vertrieben werden soll, werden Sensoren und Aktoren, wie etwa Bewegungsmelder, Temperaturmessgeräte oder schaltbare Steckdosen im Haus installiert. Mit den Geräten lassen sich dann nicht nur Energiespar-Funktionen realisieren, sondern auch - etwa mit Rauchmeldern oder Kameras -Angebote zur Steigerung der Sicherheit. Die einzelnen Geräte sind über standardisierte Funkprotokolle miteinander verbunden, das ganze System ist erweiterbar, sobald ein Anbieter ein neues Endgerät, etwa eine Video-Kamera, entwickelt hat. Das System kann alle internen Energieflüsse im Haus abbilden, erläutert Sirmasac, aber es benötigt dazu nicht den Hauptzähler als Smart Meter: „Nach unserer Erfahrung ist das detaillierte Energiemonitoring für die Nutzer viel interessanter, als das des Gesamtverbrauchs. Das haben wir in Feldtests festgestellten." Im neuen Jahr will er in jedem Quartal zusammen mit Stadtwerke-Partnern ein neues Smart-Home-Angebot vorstellen, nachdem bisher viel Entwicklungsarbeit geleistet wurde: „Der Markt ist in Schwung gekommen."

Trotz der Markterwartung beim intelligenten Gebäude bleibt auch Smart Metering für eine begrenzte Anzahl von Verbrauchern interessant, kalkuliert der Rockethome-Chef. Diese sind beispielsweise Stadtwerke-Kunden, die eine Eigenerzeugung mit Photovoltaik oder Kraft-Wärme-Kopplung haben. Bei ihnen sieht er auch eine Zahlungsbereitschaft für die Analyse ihrer Erzeugungs- und Verbrauchsmengen, außerdem könne ein Smart-Meter-System hier auch benutzt werden, um Störungen an den Erzeugungsanlagen rechtzeitig zu erkennen. Eine andere Kundengruppe, für die intelligente Messgeräte von Vorteil sind, sind Geschäftskunden. Mit ihnen seien Geschäftsmodelle denkbar, und in diesem Bereich will Sirmasac deswegen zusammen mit Mark-E ebenfalls aktiv werden.

Einfach und griffig gestalten

Wie viel Lastverlagerung in Haushalten durch die elektronische Messung des Verbrauchs und intelligente Steuerung von Haushaltsgeräten möglich ist, weiß Dr. Robert Thomann vom Mannheimer Energieversorger MVV. Zwar liegen aus den aktuellen Versuchen im Rahmen des Projektes moma, das im Oktober 2012 zu Ende ging, noch keine abschließenden Daten vor, doch aus vorherigen Feldversuchen schätzt Thomann das Lastverschiebepotential im Haushalt auf maximal acht Prozent des Stromverbrauchs. Das galt damals für einen Feldversuch, bei dem die Kunden Preisinformationen bekamen, und dann ihre Geräte im Haus per Hand steuern mussten.

Das smarte Haus in Mannheim
Bild: MVV

Im jetzt abgeschlossenen dritten Feldversuch, bei dem etwa 1000 Haushalte mitmachten, haben die beteiligten Partner darauf geachtet, das System für die Kunden zu automatisieren und so einfach wie möglich zu gestalten. Denn nur so machen mehr Leute mit, hat Thomann beobachtet: „Entscheidend für die Akzeptanz ist, dass das ganze System einfach und griffig gestaltet ist." Deswegen hat man sich bei den Projektpartnern für die Entwicklung einer moma-App entschieden, mit deren Gestaltung und Programmierung das Software-Haus bridging IT beauftragt wurde. Entstanden ist ein Programm zur Steuerung des Energieverbrauchs, das sowohl auf einem PC wie auch auf mobilen Endgeräte auf Android-Basis läuft. Die Software soll dem Kunden auf einem möglichst einfachen Interface aus einer Fülle von Informationen diejenigen weitergeben, aus denen er einen Mehrwert ziehen kann, erläutert Tayfun Hatipoglu von bridging IT.

Den Ablauf im Haushalt im Auge behalten

Das Programm enthält dazu einen Informations-Bereich und einen Interaktions-Bereich. Bei den Informationen findet der Kunde beispielsweise die Tarifinformationen für heute und für 24 Stunden im Voraus, Verbrauchsdaten aus dem Haus und Informationen über den moma-Feldtest. In dem Interaktions-Teil des Programms können die Teilnehmer am Feldversuch ihre angeschlossenen Geräte (Kühlschränke, Waschmaschinen, Trockner, Wärmepumpen oder Elektrofahrzeuge) schalten. „Wir haben dabei berücksichtigt, dass der Kunde nicht technisch denkt, sondern den gesamten Ablauf im Auge hat", erläutert Thomann. Deswegen gibt es auf dem Display Knöpfe „ich möchte jetzt waschen" oder „ich möchte jetzt kostenoptimiert waschen". Dazu müsse der Kunde nur angeben, bis wann er fertig sein will, das Gerät richte dann den Waschvorgang so ein, dass dieser einmal in der kostengünstigsten Zeit stattfindet. Zwar kann die Steuerung, der Energiebutler, viel mehr als der Kunde sieht, aber die Anzeige, die nach Kundenbefragungen neu gestaltet wurde, soll wegen der einfachen Bedienbarkeit auf das Wesentliche beschränkt bleiben. 

Einbau einer Schaltbox bei moma: Das Interesse der Kunden blieb erhalten
Bild:MVV

Wie viele Kunden von den 1000 Testhaushalten das Energiespar-System dauerhaft nutzen, kann Thomann noch nicht sagen, weil die detaillierte Auswertung des Praxistests noch läuft. Doch einen ersten Eindruck konnte er schon gewinnen: „Wir können sehen, wie oft der Kunde mit dem Energiebutler interagiert. Dabei stellen wir eine weitgehend konstante Interaktion fest. Das ist also nicht vergleichbar mit dem Absinken des Interesses bei Smart-Metering-Projekten." Mit der alltagstauglichen Benutzeroberfläche kann das Energiemanagement Teil des alltäglichen Lebens werden, das ist der Schlüssel für seine Akzeptanz.

Wenngleich die beteiligten Projektpartnern viel aus moma (und aus den anderen E-Energy-Projekten) lernen konnten, bleibt es für Energieversorger schwierig, aus dem Einsatz von Smart Metern Geschäftsmodelle zu entwickeln. Nähere Aufschlüsse zu technischen und wirtschaftlichen Erfolgen der E-Energy-Projekte wird es Anfang nächsten Jahres geben, wenn in Berlin auf einer großen Abschlußkonferenz alle Teilnehmer Bilanz über ihre Smart-Meter- und Smart-Market-Versuche ziehen.


 
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Freitag, 28.12.2012, 10:01 Uhr