• Neues Regulatorenteam stellt sich vor
  • Vorreiter-Unternehmen für Klimaschutz-Initiative gesucht
  • Ökostromlücke von 10 Prozent für 2030 prognostiziert
  • Thomas Zaremba wechselt von Jena nach Rudolstadt
  • Bürger entscheiden für Solarpark bei Sinzing
  • "Jede vermiedene Tonne Treibhausgase zählt"
  • Hamburg Energie und Wärme Hamburg fusionieren
  • Geothermienutzung zur Wärmebereitstellung in Deutschland
  • An allen Enden fester
  • OGE arbeitet mit Lkw-Herstellern zusammen
Enerige & Management > Wasserstoff - Ein Schiff wird kommen...
Bild: Fotolia
WASSERSTOFF:
Ein Schiff wird kommen...
Grüner Wasserstoff aus Australien als Energieträger für Deutschland: Ob das funktioniert, erforscht jetzt eine Machbarkeitsstudie beider Nationen. Japan ist schon einen Schritt weiter.
 
Im September wurde zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesforschungsministerium sowie dem australischen Handelsministerium die Absichtserklärung zur Förderung einer Machbarkeitsstudie zu grünem Wasserstoff mit dem Titel "HySupply" unterschrieben. Nun sind die Projektpartner in beiden Ländern gefunden und nehmen ihre gemeinsame Arbeit auf.
Laut Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) wird die Studie die gesamte mögliche Lieferkette untersuchen − von der Elektrolyse in Australien über den Transport per Schiff bis hin zu Löschung und Nutzung in Deutschland: "Sie ist damit der zentrale Impulsgeber für den Aufbau einer deutsch-australischen Wasserstoffbrücke." Gefördert wird Hy-Supply mit rund 1,7 Mio. Euro.

Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie verfügt Australien über ein riesiges Potenzial für die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen sowie über Know-how und Infrastrukturen für den Export von Rohstoffen. Deutschland wiederum sei Marktführer bei der Wasserstoff-Elektrolyse. Eine zukünftige Partnerschaft mit Australien könne deshalb eine Win-win-Situation für beide Länder bedeuten.

Professor Robert Schlögl, Co-Projektleiter und Direktor des Fritz-Haber-Institutes der Max-Planck-Gesellschaft, erklärt: "Mit Wasserstoff können wir die Energie der australischen Sonne in Tanker packen und nach Deutschland holen. Jetzt wollen wir untersuchen, wie das im großen Stil und über lange Distanzen machbar ist."

Als Transportmittel für australischen Wasserstoff nach Deutschland kommen aufgrund der Entfernung von mehr als 14.000 Kilometern Luftlinie nur Tankschiffe infrage. Deren Entwicklung wird derzeit vor allem von Japan vorangetrieben. Japan setzt aufgrund seines Mangels an fossilen Rohstoffen sehr stark auf Wasserstoff als Energieträger. 2017 kündigte der damalige Premierminister Shinzo Abe an: „Japan wird als erstes Land der Welt eine Wasserstoff-basierte Gesellschaft sein.“ Der japanische Schiffbauer Kawasaki ist bereits in den letzten Zügen der Fertigstellung der “Suiso Frontier”.
 
Die Suiso Frontier steht kurz vor der Fertigstellung. In der Schiffsmitte ist der Wasserstoff-Tank zu erkennen
Bild: Kawasaki

Das Schiff ist zwar mit einer Kapazität von 1.250 Kubikmeter flüssigem Wasserstoff eher klein im Vergleich zu LNG-Tankern, die das hundertfache Volumen aufnehmen können. Doch durch die enorme Abkühlung auf minus 253 Grad Celsius schrumpft das Volumen des transportierten Wasserstoffs auch um den Faktor 800. Bei Erdgas erfolgt die Verflüssigung bei etwa minus 161 Grad Celsius, wodurch es zu einer Volumenreduktion etwa um den Faktor 600 kommt.

Die Suiso Frontier soll den flüssigen Wasserstoff weitgehend verlustfrei transportieren können, dafür sorgt ein doppelwandiger, vakuumisolierter Tank. Das Schiff soll Anfang 2021 die erste Ladung Flüssig-Wasserstoff aus Australien nach Japan liefern, immerhin auch eine Entfernung von fast 7.000 Kilometern Luftlinie.

Eine weitere Möglichkeit, den Wasserstoff für einen Langstreckentransport zu optimieren, wäre die Synthese von Ammoniak aus Wasserstoff und Stickstoff. Ammoniak wird bereits bei minus 33 Grad Celsius flüssig und kann bei dieser Temperatur drucklos in großen Schiffstanks transportiert werden.

Welcher Weg letztlich der beste ist, soll das Projekt Hy-Supply nun klären. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre. E-Fuels aus Chile für Autos von PorscheIm Zusammenhang mit dem Aufbau internationaler Lieferketten für grünen Wasserstoff und seiner Folgeprodukte fördert die Bundesregierung auch Kooperationen mit anderen Ländern: Einen Förderbescheid in Höhe von 8,23 Mio. Euro hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am 2. Dezember an den Vorstandschef von Siemens Energy, Christian Bruch, übergeben.

Damit wird das Power-to-X-Projekt "Haru Oni" im Süden von Chile unterstützt, in das Siemens Energy rund 22 Mio. Euro investiert. Dort wird mit grünem Wasserstoff aus Windstrom und aus der Luft abgeschiedenem CO2 ein klimaneutraler Kraftstoff (E-Fuel) produziert. Es handelt sich dabei um die weltweit erste integrierte kommerzielle Anlage zur Herstellung von klimaneutralem Kraftstoff. Abnehmer in Deutschland ist der Autohersteller Porsche, der E-Fuels zunächst auf Rennstrecken und in der Fahrzeugerprobung, perspektivisch aber auch in Seriensportwagen nutzen will und dafür rund 20 Mio. Euro investiert.

In der Pilotphase sollen bereits 2022 etwa 130.000 Liter E-Fuels erzeugt werden. In zwei Schritten soll die Kapazität dann bis 2024 auf rund 55 Mio. Liter E-Fuels und bis 2026 auf rund 550 Mio. Liter E-Fuels pro Jahr gesteigert werden. Der Transport des Treibstoffs nach Deutschland soll per Schiff erfolgen. 
 

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 02.12.2020, 14:01 Uhr