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Enerige & Management > Windkraft Offshore - EnBW setzt auf Meerwind weltweit
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
EnBW setzt auf Meerwind weltweit
Energie Baden-Württemberg weitet ihre Aktivitäten auf See vor allem in Asien und Nordamerika aus. Bis erste Offshore-Windparks spruchreif sind, wird es aber noch dauern.
 
Die Feierstunde fiel klein, fein und übersichtlich aus. Die ersten Windturbinen, die Energie Baden-Württemberg (EnBW) in diesem Jahr in der Nordsee errichten will, waren im Hafen von Esbjerg an der dänischen Westküste eingetroffen. Insgesamt 87 dieser Siemens-Gamesa-Maschinen mit jeweils 7 MW Leistung sollen in den kommenden Wochen etwa 100 Kilometer nordwestlich von Helgoland verschifft werden. Dort entstehen in den nächsten Monaten mit Hohe See und Albatros die nächsten beiden EnBW-Hochseewindparks.

Genau genommen ist es eigentlich ein Vorhaben, da beide Projekte unmittelbar aneinandergrenzen. Beim Blick von oben sieht die Fläche wie ein einziges großes Windfeld aus. „Mit zusammen 609 Megawatt Leistung sind Hohe See und Albatros die größten Offshore-Projekte, die aktuell in deutschen Gewässern gebaut werden“, sagt Dirk Güsewell, der bei EnBW die Portfolioentwicklung leitet. „Wir festigen dadurch unsere Position als einer der führenden Offshore-Projektentwickler und -betreiber in Deutschland.“

Was durchaus zutreffend ist. Wenn Hohe See und Albatros Ende dieses Jahres in Betrieb sind, verfügt der Energiekonzern zusammen mit EnBW Baltic 1 (Leistung: 48,3 MW) und EnBW Baltic 2 (Leistung: 288 MW) in der deutschen Nord- und Ostsee über eine Erzeugungskapazität von 945 MW. Gemessen an der Ende 2019 wohl vorhandenen Meerwind-Gesamtleistung von über 7 000 MW entfällt etwa ein Siebtel auf die EnBW-Projekte.

Mit dem Baufortschritt bei den beiden Nordsee-Projekten ist Holger Grubel zufrieden: „Da liegen wir im Zeit- und Budgetplan.“ Nach Stationen beim Vattenfall-Konzern, für den er als Gesamtprojektleiter den Bau der beiden Offshore-Windparks DanTysk und Sandbank betreute, und den Dienstleister ONP-Management GmbH ist der studierte Maschinenbauingenieur seit Anfang 2018 bei EnBW für die Projektentwicklung Offshore-Wind zuständig.

Noch keine Duftmarken in Europa gesetzt

Grubels Job ist vergleichbar mit dem eines Goldschürfers, der nach neuen Claims sucht. Wetten, dass er bald in europäischen und deutschen Gewässern fündig wird, will der EnBW-Mann aber nicht. In der deutschen Nordsee hat EnBW zumindest das Projekt He Dreiht als Trumpfass in der Hinterhand. Das 900-MW-Projekt, für das der baden-württembergische Versorger im Frühjahr 2017 bei der ersten Offshore-Windausschreibung hierzulande den Zuschlag mit einem viel beachten Null-Cent-Gebot gewonnen hatte, soll Mitte der 2020er-Jahre in Betrieb gehen. Bis 2025 sind vor den deutschen Küsten alle Projekte vergeben, weshalb EnBW und andere Energieversorger und Projektierer auf eine Sonderausschreibung hoffen, zu der sich die Regierungsfraktionen in Berlin aber noch immer nicht durchringen konnten.
 
Work at Sea: Das parkinterne Umspannwerk für den Offshore-Windpark Hohe See wird errichtet
Bild: EnBW

Vor anderen europäischen Küsten hat EnBW bislang noch keine Duftmarken setzen können. Dass sich das Grubel-Team auf den relevanten europäischen Märkten wie Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden oder Polen umschaut, versteht sich von selbst. Mit mehr Energie und Impetus ist der Karlsruher Konzern mittlerweile auf anderen Kontinenten unterwegs, vor allem in Asien und den USA.

Dass EnBW bei zwei Ausschreibungen in Taiwan – zusammen mit zwei Partnern ging es dabei immerhin um ein Projektvolumen von gut 2 000 MW – im vergangenen Frühjahr nicht zum Zuge kam, ist bekannt. Was Branchenexperten allerdings nicht sehr verwunderte: Viel zu spät erst hatte sich EnBW auf dem Inselstaat im Chinesischen Meer engagiert. Wohl auch deshalb sprach EnBW-Chef Frank Mastiaux gegenüber der Süddeutschen Zeitung von einer „normalen Lernkurve“ und kündigte gleichzeitig an: „Es kommen weitere Ausschreibungen und wir wollen dann auch schauen, in welchen weiteren Märkten in Asien wir Fuß fassen können.“ Dass es weitere Auktionen in Taiwan geben wird, steht fest: Nur wird der Einspeisepreis längst nicht mehr so üppig sein wie in den ersten Runden mit mehr als 16 Ct/kWh.

Aus den von Mastiaux angedeuteten weiteren Märkten in der Asia-Pacific-Region macht Projektentwickler Grubel kein Geheimnis: „Wir schauen uns auf jeden Fall die sich entwickelnden Märkte in Japan und Südkorea näher an, wo wir von Beginn an dabei sein wollen.“ Bis aber vor den Küsten dieser beiden asiatischen Staaten erste Windturbinen rotieren, dürfte es noch dauern.

Floating-Projekt vor der Küste Kaliforniens im Fokus

Wahrscheinlicher ist es, dass EnBW eher mit ihren Aktivitäten in den USA, wo das Unternehmen sowohl vor der Ost- als auch vor Westküste auf Projektsuche ist, Erfolge einheimsen wird. Vor der Küste Kaliforniens arbeitet das Unternehmen mit seinem Partner Trident Winds bereits an dem Vorhaben Morro Bay. Die Besonderheit dabei: Der Offshore-Windpark mit einer Leistung von mindestens 600 MW gut 40 Kilometer vor der Küste setzt auf die Floating-Technologie, schwimmende Plattformen, auf die die Windturbinen sozusagen angeflanscht werden.
 
EnBWs Offshore-Windklassiker, der wie geschnitten Brot läuft: das Ostsee-Projekt Baltic1
Bild: EnBW

Was bei dem Projekt nicht weiter verwundert, da Trident-Gründerin Alla Weinstein auch zu den Gründern von Principle Power Inc. gehörte, einem der Pionierunternehmen bei Floating-Wind. Auch wenn sich EnBW und Trident mittlerweile die Netzanbindung für ihren Offshore-Windparks sichern konnten, geht Grubel nicht von einer Inbetriebnahme vor dem Jahr 2025 aus. Beide Partner müssen in nächster Zeit noch eine große Hürde aus dem Weg räumen: Ihr ausgeguckter Standort liegt in einem Gebiet, dass die US-Marine gern für Übungszwecke nutzt. Die Navy gilt es zu überzeugen, dass unterschiedliche Nutzungen des Meergebiets möglich sind.

Nach Einschätzung von einheimischen Branchenkennern wie dem Business Network for Offshore Wind wird es wohl eher an der amerikanischen Ostküste die ersten Offshore-Windparks geben. EnBW wird sich darauf nicht nur mit Büros in Boston (Massachusetts) und Jersey City (New Jersey) einstellen. Im vergangenen Oktober hat der Energiekonzern mit Bill White einen gut verdrahteten Netzwerker als Direktor für die Nordamerika-Aktivitäten eingestellt. White hat zuletzt über sechs Jahre lang im Massachusetts Clean Energy Center an der Entwicklung der landeseigenen Offshore-Windstrategie gearbeitet. Allein Massachusetts will in den 2020er-Jahren mehrere Offshore-Windparks mit einer Leistung von 1 600 MW an den Start bringen.

Allerdings hat EnBW bei einer ersten Präqualifikationsauktion des US-Bundesstaats für die Flächenvergabe Mitte Dezember vergangenen Jahres nicht den Sprung unter die Top Drei geschafft. Neben Massachusetts gibt es an der Ostküste weitere Aktivitäten auf See: So haben sich New York, Maryland und New Jersey auf konkrete Zielvorgaben festgelegt, sodass in allen vier Bundesstaaten bis 2030 rund 8 000 MW Offshore-Wind in Betrieb sein könnten.

Genug Chancen also für EnBW, in den USA allein oder zusammen mit Partnern zu punkten. Holger Grubel aus der Projektentwicklung dürfte die Arbeit in den kommenden Jahren nicht ausgehen. Für ihn und sein Team gilt die Vorgabe, die der Leiter der regenerativen Gesamtportfolioentwicklung, Dirk Güsewell, jüngst so formuliert hat: „Offshore-Wind soll ab Mitte des kommenden Jahrzehnts bei uns eine tragende Rolle spielen.“

 
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Dienstag, 05.03.2019, 09:22 Uhr