• Online die rheinland-pfälzischen Solarpotenziale entdecken
  • Lade-Algorithmus besteht Praxistest
  • Rolls-Royce Power Systems spürt wirtschaftliche Erholung
  • Klimaeffekt bei Elektrofahrzeugen "teuer erkauft"
  • Zweitwärmster je gemessener Juli in Europa
  • Nach der Flut klimagerechten Wiederaufbau starten
  • Pfalzsolar bringt App für private Solaranlagen auf den Markt
  • Deutsche Bahn fährt mit Wasserkraft aus Norwegen
  • Schäden durch Ransomware in zwei Jahren vervierfacht
  • Neues Projekthaus für Amprion im Bau
Enerige & Management > Kernkraft - Fragen und Antworten zur Endlagersuche
Bild: Bild: Pixabay
KERNKRAFT:
Fragen und Antworten zur Endlagersuche
Ende 2022 ist Schluss mit Atomstrom in Deutschland. Die Suche nach dem besten Standort eines Endlagers für die radioaktiven Abfälle der AKW erreicht jetzt die erste wichtige Etappe.
 
(dpa) - Es war zuletzt eher ruhig rund ums Thema Atommüll und Endlager. Das wird sich schlagartig ändern. Denn am 28. September wird ein mehrere hundert Seiten langer Bericht veröffentlicht, der angibt, welche Gebiete in Deutschland auf der Suche nach einem Endlager-Standort genauer unter die Lupe genommen werden. Gesucht wird der beste Ort, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. 

Warum wird ein Endlager gesucht?
Spätestens Ende 2022 geht in Deutschland der letzte Atomreaktor vom Netz. Was bleibt, sind hochgefährliche Abfälle, die noch viele tausend Jahre strahlen - etwa 27.000 Kubikmeter. Wo der Müll hin soll, ist offen. Es braucht ein Endlager, und es soll in Deutschland unterirdisch entstehen, 500 Jahre lang soll der Atommüll wieder geborgen werden können, falls das notwendig oder sinnvoll ist.

Wie soll die Suche ablaufen?
2031 soll der Standort gefunden sein und 2050 soll das Endlager in Betrieb gehen. Ausgehend von einer „weißen Landkarte“, auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich infrage kommt, wird nach und nach eingegrenzt. Es gibt Ausschlusskriterien, notwendige Bedingungen und Abwägungskriterien. So will man sich herantasten - wissenschaftsbasiert und transparent. Am Ende soll der Bundestag die endgültige Entscheidung für einen Standort treffen.

Welche Regionen kommen infrage?
Wirtsgesteine können Salz, Ton oder Granit sein. 300 Meter Gestein sollen es sein zwischen Erdoberfläche und Endlager. Gibt es Bergwerke, Erdbeben-Risiken, vulkanische Aktivitäten, junges Grundwasser? Dann ist der Standort ungeeignet. Auch Besiedlung und andere Kriterien an der Oberfläche spielen eine Rolle. In der ersten Phase werden nur Daten ausgewertet, die man schon hat. In der zweiten Phase wird an möglichen Standorten gebohrt und gemessen - dabei werden weitere Regionen ausgeschlossen. In einer dritten Phase werden Erkundungsbergwerke gebaut, um noch gründlicher zu prüfen.

Was steht in dem Zwischenbericht?
Der Zwischenbericht markiert eine wichtige Etappe im Suchprozess. Die darin benannten Teilgebiete sind solche, „die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen“, wie es im Gesetz heißt. Andere Kriterien wurden noch nicht berücksichtigt. Die Gebiete können daher ziemlich groß sein, es sollen mindestens zehn und höchstens 100 werden. 

Wer ist für die Suche verantwortlich?
Das operative Geschäft liegt in den Händen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die auch den Zwischenbericht veröffentlicht. Das neue Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat die Aufsicht. Die Oberaufsicht liegt beim Bundesumweltministerium. 

Warum hat man mit der Suche noch mal von vorn angefangen?
In den 70er Jahren hatte die Politik die Entscheidung getroffen, im Salzstock Gorleben in Niedersachsen ein Endlager einzurichten. Wie es zu dieser Entscheidung kam, wurde nie völlig geklärt. Sicher ist, dass die Anwohner sich jahrzehntelang wehrten. Gorleben wurde zum Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung. Um diesen tiefen gesellschaftlichen Konflikt zu befrieden, wurde die Endlager-Suche neu gestartet, das Gesetz dazu gibt es seit 2013. Diesmal soll es streng wissenschaftlich und transparent zugehen. 

Können die Bürger diesmal mitreden?
Ja. Es wurde ein Nationales Begleitgremium eingesetzt, das den Behörden auf die Finger schaut - es darf auch Daten einsehen, die zunächst nicht veröffentlicht werden. Auch Klagen sind immer wieder möglich. 

Ziehen alle Bundesländer mit? 
Fast alle. In Bayern hat sich die Koalition aus CSU und Freien Wählern in den Koalitionsvertrag geschrieben, man sei „überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist.“ Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) stellte zuletzt das gesamte Verfahren infrage und befand, mit Gorleben gebe es einen gut erkundeten Standort für ein sicheres Endlager. 

Was ist mit den Atommüll-Zwischenlagern? 
An mehreren Orten in Deutschland lagern hoch radioaktive Abfälle in Zwischenlagern. Deren Genehmigungen laufen ab der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre aus. Über Verlängerungen wird schon beraten. Zentrale Zwischenlager gibt es in Gorleben und Ahaus. 

Wer soll das alles bezahlen?
Die Atomkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall hatten dafür 2017 insgesamt rund 24 Mrd. Euro an einen Staatsfonds überwiesen, damit sind sie raus. Der Fonds soll auf über 70 Milliarden Euro anwachsen und sowohl die Zwischenlager als auch die Suche und den Bau eines Endlagers finanzieren. 

Gibt es Vorbilder? 
 Am weitesten ist Finnland. In einem Endlager auf der Insel Olkiluoto soll der strahlende Abfall in 400 bis 450 Meter Tiefe lagern. In den 2020ern soll die Einlagerung beginnen, etwa 100 Jahre später soll das Tunnelsystem versiegelt werden. 

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 25.09.2020, 11:10 Uhr