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GAS:
Gasdrehscheibe Ostfriesland
Der ostfriesische Gasspeicher Etzel wächst. Immer mehr Unternehmen erwerben dort Speicherrechte in Salzkavernen der Immobiliengesellschaft IVG Caverns GmbH und schaffen sich so Flexibilität für ihr Handels- und Vertriebsgeschäft.
 

Geologische Basis des zwischen Emden und Wilhelmshaven gelegenen unterirdischen Gasspeichers Etzel ist ein riesiger Salzstock, der seit etwa 1970 zur Lagerung von Erdöl und Erdgas verwendet wird. Die Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) hatte vor mehr als 40 Jahren damit begonnen, durch Aushöhlen des Salzstocks mit Wasser, im Fachjargon Aussolen genannt, 40 Kavernen zu schaffen, in denen zunächst Rohöl der strategischen Bundesrohölreserve lagerte.

Erst in den Jahren 1989 bis 1991 wurden die ersten Ölkavernen zu Gasspeichern umgerüstet und an Gasversorger vermietet. Sie waren zum Zwischenlagern der zunehmenden Gaslieferungen aus Norwegen vorgesehen. Drei wichtige Importleitungen aus Norwegen kommen unweit von Etzel an der ostfriesischen Nordseeküste an. Das Etzel Gas-Lager, in dem zunächst rund 500 Mio. m3 nutzbares Arbeitsgas Platz fanden, nahm 1993 seinen Betrieb auf. Nutzer war zunächst ein norwegisches Gaslieferantenkonsortium unter der Führung von Statoil.

Seit Ende Juni steht nun in diesem Speicher Platz für mehr als 1,2 Mrd. m3 Arbeitsgas zur Verfügung. Mit den seit 2007 geschaffenen zusätzlichen Kapazitäten im Untergrund gingen auch erweiterte oberirdische Anlagen, darunter eine neue Verdichterstation, in Betrieb.

Zwischenlager für Importe aus Norwegen

Die norwegischen Gaslieferanten sind aber längst nicht mehr die Hauptnutzer. Eon Ruhrgas konnte schon seit 1993 über Kapazitäten in Etzel verfügen, heute ist die aus dem Unternehmen hervorgegangene Eon Gas Storage (EGS) der größte und wichtigste Nutzer der Kavernen in Ostfriesland. EGS stehen mittlerweile Kapazitäten für gut 1 Mrd. m3 Arbeitsgas zur Verfügung. Sie werden zum großen Teil vom Schwesterunternehmen Eon Ruhrgas genutzt, aber auch an andere Gasversorger vermarktet. Über eigene Kapazitäten in Etzel verfügen auch Statoil (125 Mio. m3), Total (5,5 Mio. m3) und Conocophillips (2,15 Mio. m3). Eon Gas Storage, Statoil, Total und Conocophillips sind Anteilseigner der Betreibergesellschaft Etzel Gaslager GmbH. Die Betriebsführung für Etzel liegt bei der Statoil Storage GmbH.

Der kürzlich abgeschlossene Ausbau war jedoch nur der Anfang erheblicher Erweiterungen des ostfriesischen Speichers in den nächsten Jahren. Eon Gas Storage, der österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzern OMV und die ostdeutsche Verbundnetz Gas (VNG) wollen in dem riesigen Salzstock einen weiteren Kavernenspeicher für voraussichtlich rund 2 Mrd. m3 Gas errichten. Geplant ist, die Speicherkavernen stufenweise von 2012 bis 2014 in Betrieb zu nehmen. Die Bauarbeiten haben nach Angaben von EGS im Frühsommer dieses Jahres begonnen.

Zuletzt hatte Ende Juni VNG seine Beteiligung bekanntgeben. Der Leipziger Gasimporteur reservierte sich Platz für 150 Mio. m3 Erdgas. Der scheidende Vorstandschef Klaus-Ewald Holst kündigte im Mai an, in den nächsten fünf bis sechs Jahren mehr als eine halbe Milliarde Euro in neue Speicher zu investieren.

Auch die russische Gazprom baut in Etzel zusammen mit BP und dem dänischen Versorger Dong an einem Speicher für 540 Mio. m³ nutzbares Arbeitsgas. Gazprom ist mit einem Drittel daran beteiligt. Die Arbeiten an der Anlage „gehen planmäßig voran", berichtet Felix Strehober, Finanzchef der deutschen Tochter Gazprom Germania, die die Speicheraktivitäten für den gesamten Konzern koordiniert. Die Kaverne sei bereits zu 90 Prozent ausgesolt, der Speicherraum im Untergrund also fast vollständig geschaffen. Schon im zweiten Quartal 2011 soll der Speicher für die Erstbefüllung betriebsbereit sein.

Wachsendes Interesse an Kapazitäten

Auch Energie Baden-Württemberg (EnBW) und der französische Energiekonzern EDF haben sich in Etzel Nutzungsrechte für einen 360 Mio. m3-Speicher gesichert.

Die Anbindung von Etzel an das europäische Ferngasnetz wird weiter verbessert. Eine 60 km lange Leitung zum Knotenpunkt Bunde an der deutsch-niederländischen Grenze, an der gerade gebaut wird, soll bis zum nächsten Jahr den Anschluss an das niederländische Netz herstellen. Darüber hinaus sind die Speicheranlagen über die Norddeutsche Erdgastransversale (Netra) an die zwei großen Marktgebiete Netconnect Germany und Gaspool angebunden.

Die Möglichkeiten in Ostfriesland sind mit den derzeit laufenden oder geplanten Ausbauarbeiten bei weitem noch nicht am Ende. Die IVG sehe für Etzel erhebliches weiteres geologisches Potenzial, heißt es in einem Bericht des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Insgesamt könnten nach Ansicht des LBEG bis zum Jahr 2017/2018 noch etwa 80 Erdgaskavernen mit insgesamt rund 6 Mrd. m3 Arbeitsgasvolumen gebaut werden. Etzel könnte zum größten deutschen Speicher aufrücken.

 
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Freitag, 13.08.2010, 13:24 Uhr