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Enerige & Management > Windkraft - Gericht entscheidet über Ostsee-Windpark Gennacker
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT:
Gericht entscheidet über Ostsee-Windpark Gennacker
Mehrere Gemeinden auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst klagen den von der Bremer wpd-Gruppe geplanten Offshore-Windpark Gennacker.
 
(dpa) Die Auseinandersetzung um den geplanten Windpark Gennacker rund 15 Kilometer vor der Küste der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst wird vor Gericht ausgetragen. Gegen das zu Grunde liegende Landesraumentwicklungsprogramm sind beim Oberverwaltungsgericht Greifswald inzwischen drei Klagen eingegangen, zwei vom Ostseeheilbad Zingst und eine von der Kur- und Tourist GmbH Zingst. Die anderen Gemeinden auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst werden bis auf das zu weit entfernte Dierhagen der Klage beitreten, sagten Prerows Bürgermeister René Roloff (parteilos) und Gerd Scharmberg (FDP) aus Born. In direkter Nachbarschaft des seit 2011 bestehenden Windpark Baltic 1, der zum Portfolio der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) gehört, sollen den Planungen zufolge 103 bis zu 175 Meter hohe Windräder gebaut werden.
 
Geplant wird dieser Offshore-Windpark bereits seit Jahren von der Bremer wpd-Gruppe. Mit einer Leistung von annähernd 800 MW wäre dieses Projekt wohl das größte Meereswindkraftwerk hierzulande. Allerdings hatte wpd bis August vergangenen Jahres nicht die Voraussetzungen erfüllt, um bei der ersten, derzeit laufenden Ausschreibungsrunde für künftige Offshore-Windparks im Zeitraum 2021 bis 2024 teilzunehmen. Ob die Hanseaten ihren Hut bei der für kommendes Frühjahr geplanten zweiten Ausschreibungsrunde in den Ring werden, hänge „vor allem davon ab, ob wir bis dahin die Genehmigung erhalten haben“, betonte ein Unternehmenssprecher gegenüber E&M.
 
Die Darß-Gemeinden führen dabei mehrere Argumente auf. Roloff sieht die Hauptbedrohung in Schiffsunfällen. Dabei müsse ein Schiff gar nicht mit einer Windkraftanlage kollidieren, sagte er. „Es reicht doch, wenn vor dem Park zwei Schiffe zusammenstoßen und Öl ausläuft. Wenn das Öl durch den Windpark in Richtung Küste läuft, kann es wegen der Windräder kaum geborgen werden“, gibt er zu bedenken. Dieses Szenario fehle in der bisherigen Risikobewertung. Öl am Strand würde die gesamte Tourismuswirtschaft massiv schädigen.
 
Der Zingster Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU) hat bei der Klage ebenfalls den boomenden Tourismus im Blick. Es sei nicht vorstellbar, dass die Gäste den Blick auf den Horizont genießen können, wenn in Sichtweite mehr als 100 „Fernsehtürme“ stehen. Die Baltic-1-Anlagen sind nur rund 100 Meter hoch - und nicht rund 175 Meter wie bei Gennacker, betont er. Deshalb sei die Argumentation, dass Baltic 1 die Touristen nicht abgeschreckt habe und daher von Gennacker keine Bedrohung ausgehe, nicht korrekt.
 
Scharmberg verwies wie alle anderen Bürgermeister auf die frühere Zusage der Schweriner Landesregierung, dass es bei Baltic 1 als einzigem Windpark vor der Küste von Fischland-Darß-Zingst bleiben werde. „Man hat uns gesagt, das sei ein Testgelände mit 21 Anlagen und mehr wird es nicht. Und jetzt werden unmittelbar daneben 103 Windräder hingestellt. Die bilden einen fast 20 Kilometer breiten Riegel.“ Dazu kämen auch noch zwei riesige Umspannplattform mit einer Höhe von knapp 50 Metern. „Das sind zwei Hochhäuser, die da hingestellt werden.“ Es sei das erste Mal, dass sich die Gemeinden auf der Halbinsel zusammenschließen und gemeinsam gegen ein Projekt vorgehen.
 
Auch die Umweltverbände WWF und BUND sehen die Planungen aus Naturschutzgründen äußerst kritisch. „Ich begrüße, dass die Gemeinden klagen“, betonte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. „Die Umweltargumente sind heruntergewogen worden.“ Der Vogelzug sei in den Planungen nicht hinreichend beachtet worden, das Gleiche gelte für die Schweinswal-Population. Der WWF sei derzeit am Überlegen, sich der Klage der Darß-Kommunen anzuschließen. Der BUND sieht aus Kostengründen dafür allerdings keinen Spielraum, sagt BUND-Energieexperte Ulrich Söffker.

 
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Montag, 27.03.2017, 11:58 Uhr