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REGENERATIVE:
Huber: "Die Nachfrage ist viel höher als unser Angebot"
Über Märkte, Chancen und Hemmnisse für den Handel mit Biogas, das auf Erdgasqualität aufbereitet wurde, sprach E&M mit Klaus Huber, Geschäftsführer der bmp greengas GmbH.
 

E&M: Seit 1. April ist in Baden-Württemberg für den Wärmemarkt im Wohnungsneubau ein Öko-Anteil von 20 Prozent vorgeschrieben. Gibt das Wärmegesetz der Biogas-Branche einen Schub?

Huber: Ja. Das hat zu einer gestiegenen Nachfrage geführt. Die Versorger sind jetzt aufgerufen, entsprechende Biogas-Produkte zur Verfügung zu stellen. Wir beliefern bereits die Technischen Werke Friedrichshafen, die aus fossilem Erdgas und unserem Biomethan ein Produkt mischen, mit dem Endabnehmer versorgt werden.

E&M: Haben Sie noch weitere Kunden in Baden-Württemberg?

Huber: Ja. Zum Beispiel die Technischen Werke Schussental bei Ravensburg. Wir haben noch mit weiteren Versorgern im Raum Baden-Württemberg Verträge abgeschlossen, die ich derzeit aber nicht nennen darf.

E&M: Dann hoffen Sie bestimmt auf die baldige Einführung eines Wärmegesetzes auf Bundesebene?

Huber: Richtig. Ich kenne aber nur den Gesetzesentwurf aus dem vergangenen Jahr. Dieser stellt Biomethan nicht so stark heraus wie im baden-württembergische Gesetz. Andere Alternativen wie Solarthermie und Hackschnitzel werden auf Bundesebene in der Hierarchie höher eingestuft.

E&M: Welches Vertriebsgeschäft läuft derzeit besser, das mit Biomethan-Mischprodukten oder mit Biomethan in Reinform für BHKW-Betreiber?

Huber: Im Augenblick das Erstere, weil wir in Baden-Württemberg einen Endkunden-Markt für Wärme haben. Bei den BHKW-Kunden ist momentan die Unsicherheit da, nicht zu wissen wie hoch die EEG-Vergütung (Erneurbare Energien Gesetz, Anmerkung d. Redaktion) im nächsten Jahr ist. Diese Unsicherheit lässt die Investoren im Augenblick warten, insofern ist dieser Kanal derzeit der kleinere. Das kann sich aber sehr schnell ändern, wenn die EEG-Novelle in Kraft tritt.

E&M: Vertreiben Sie Biomethan auch als Treibstoff für Gastankstellen?

Huber: Ja. Wir beliefern zum Beispiel die Stadtwerke München, die einen Teil dieser Menge als Gemisch mit einem Biomethan-Anteil von 20 % an ihren Tankstellen anbieten. Dieser Markt könnte zunehmend interessanter werden, weil die Bundesregierung - nachdem Biodiesel künftig als flüssiger Biokraftstoff von geringerer Bedeutung sein dürfte - die Idee hat, den Erdgasmarkt an Tankstellen weiter zu entwickeln. Ich glaube zwar nicht, dass dieses Segment so bedeutend wird. Aber es wird ein Markt für Misch- oder Reinprodukte sein, der mit Sicherheit ein Standbein für den Biomethanhandel darstellen wird.

E&M: Wenn mit einem steigenden Handelsvolumen zu rechnen ist, brauchen Sie künftig mehr Bezugsquellen.

Huber: Ja. Die Nachfrage ist momentan viel höher als unser Angebot. Daher sind wir schon seit mehreren Monaten dabei, neue Projekte mit zu entwickeln und neue Quellen zu erschließen. Derzeit bereiten wir zwei weitere Einspeiseanlagen vor, die Ende dieses beziehungsweise Anfang nächsten Jahres ans Netz gehen werden. Wahrscheinlich auch mit einer Produktion von 40 Mio. kWh Biomethan im Jahr wie in Pliening.

E&M: Als neue Quelle zur Erzeugung von Biogas sehen Sie Bioabfälle?

Huber: Genau. Es gibt Abfallverwertungsanlagen, die Rohgas produzieren und lokal verstromen. Auch solche Anlagen wollen wir auf Einspeisung umstellen. Da es für die Verstromung dieses Gases jedoch keinen Nawaro-Bonus (nachwachsende Rohstoffe, Anmerkung der Redaktion) gibt, werden wir dieses Biomethan vornehmlich auf dem Wärme- oder Kraftstoffmarkt anbieten.

E&M: Welche Auswirkungen hat die Novelle des EEG für die Biomethan-Branche?

Huber: Im Augenblick sind drei Komponenten für die Entwicklung des Marktes entscheidend: Die erste ist, dass die Rohstoffpreise hoffentlich nicht mehr so stark steigen. Die zweite ist die Novelle der Gasnetzzugangsverordnung, die zum 12. April in Kraft getreten ist. Die wirkt sich positiv für die Erzeuger und die Händler aus.
Die dritte Komponente, die noch offen ist, ist die Novelle des EEG. Dort wird über eine Erhöhung des Nawaro- und KWK-Bonus nachgedacht. Möglicherweise stehen auch die Veränderung des Technologie-Bonus sowie eine erhöhte Grundvergütung für kleine Anlagen bevor. Wir hoffen, dass die Boni zumindest in der Form kommen, wie sie in dem Kabinettsentwurf vom 5. Dezember angedeutet wurden.

E&M: Sie sagen, es gibt eine Entspannung bei den Substratpreisen. Aber ein höherer Nawaro-Bonus ist trotzdem notwendig?

Huber: Die Preise steigen im Moment nicht weiter. Das heißt aber dennoch, dass sie auf einem extrem hohen Niveau sind. Die Wirtschaftlichkeit von vielen Biogasanlagen ist im Augenblick nicht darstellbar. Bei den gegenwärtigen Rohstoffpreisen reicht der heutige Nawaro-Bonus nicht aus. Eine ganze Reihe Biomethan-Erzeugungsprojekte wurde auf Eis gelegt, weil die Rohstoffeinkäufe nicht wie geplant abgewickelt werden konnten. Die Investoren warten das neue EEG ab, um dann neu kalkulieren zu können.

E&M: Profitieren Sie von der novellierten Gasnetzzugangsverordnung?

Huber: Profitieren ist übertrieben, aber die neue Gasnetzzugangsverordnung hilft auf jeden Fall dem Produzenten. Für den war immer wichtig, wie er ins Netz reinkommt und in welcher Qualität er Biomethan zur Verfügung stellen muss. Jetzt haben wir eine Regelung, die das technische und rechtliche Prozedere sowie den Verwaltungsakt erleichtert. Das war bislang alles sehr kompliziert. Auch für die Händler bringt die Gastnetzzugangsverordnung eine Erleichterung. So wurden unter anderem die Möglichkeiten des Bilanzausgleichs festgeschrieben. Die jetzigen Vorgaben sind sehr praktikabel und müssen noch in einen verbindlichen Bilanzkreisvertrag verwandelt werden. Daran arbeiten wir derzeit mit dem BDEW.

E&M: Macht es Sinn, den Biomethanhandel über Deutschland hinaus auszuweiten?

Huber: Die Internationalisierung ist ein Teil unserer Strategie. Die steckt im Augenblick noch in den Anfängen, wird aber durchaus schon mit Partnern erarbeitet. Wir können uns vorstellen, Biomethan aus anderen Ländern zu importieren und aus Deutschland in andere Länder zu verkaufen. Das Gasnetz ist ja europaweit ausgebaut, insofern gibt es hier keine physische Restriktion für den Handel - und zunächst mal auch nicht bei der operativen Abwicklung. Vielmehr wird bereits diskutiert, ob es einen physischen Import oder ein Zertifikatesystem geben soll. Wir arbeiten aktiv bei der Zertifizierung von Biomethan mit, denn wir wollen gemeinsam ein solches offenes System erstellen.

E&M: Wie müsste ein Zertifikatesystem für Biogas aussehen?

Huber: Man müsste alle Quellen erfassen, die Mengen, die dort produziert werden registrieren, und denen eine Zertifizierung zukommen lassen. Damit weiß man, wann, wie und aus welchen Stoffen, mit welchen Mengen und mit welcher Technologie das Biogas erzeugt wurde. All diese Qualitäten müssen in einem standardisierten System von einem neutralen Dritten bestätigen werden, damit nicht jeder seinen eigenen Qualitätsmix aufbaut. Diese Bescheinigung kommt den Nutzern beispielsweise als EEG-Vergütungsnachweis zu.

E&M: Das erinnert stark an den Ökostrom-Handel mit dem Renewable Energy Certificate System (RECS).

Huber: Ja, das ist ähnlich. Die Strommengen werden an der Quelle erfasst und beim Nutzer gelöscht. Genauso könnte das auch beim Biogashandel sein, wobei die Transparenz eine andere sein wird. Denn hier weiß jeder, aus welcher Quelle er bedient wird, und es könnte nicht das Problem eines Mengen-Tauschs entstehen, ohne dass eine Partei davon Kenntnis hat. Denn bei uns werden sich schon die physischen Mengen gegenüberstehen. Die Information muss sorgfältig dargestellt und von neutraler Stelle überprüft werden.

E&M: Wird das Auslandsgeschäft künftig eher über den physischen Handel möglich oder über ein Zertifikatesystem?

Huber: Das hängt von dem Land und dessen Gesetzgebung ab. Ich denke, wir werden hier erst den physischen Handel sehen und in einer zweiten Stufe möglicherweise die Zertifikate.

E&M: Welche Länder sind denn für den Biomethan-Markt interessant?

Huber: Letztlich alle die über landwirtschaftliche Flächen und Überschüsse verfügen und Optionen für Zwischenfrüchte bieten. Immer wieder genannt werden Länder wie Frankreich, Ungarn und Kroatien.

Zum Unternehmen:
Die bmp greengas GmbH ist im vergangenen Jahr aus der Renewable Energy Systems Gruppe (RES) mit Sitz in München hervorgegangen. Das Unternehmen hat die bundesweit erste Handelsplattform für Biomethan aufgebaut. Bezogen wird das Ökogas derzeit von den Einspeiseanlagen in Mühlacker und Pliening - vertrieben wird es bundesweit. Unabhängig davon berät das Unternehmen bei der Standortplanung, der Technologieauswahl sowie in Fragen zum EEG.


 
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Dienstag, 03.06.2008, 09:00 Uhr