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Enerige & Management > BHKW - In fünf Minuten auf Volllast
Bild: E&M
BHKW:
In fünf Minuten auf Volllast
Wärtsilä sieht auf dem deutschen Markt wachsende Chancen für Motorenkraftwerke.
 
„Wir haben den deutschen Markt im Fokus, weil flexible Erzeugungskapazitäten zur Netzstabilisierung durch den rasanten Zubau der erneuerbaren Energien gebraucht werden“, sagt Markus von Zmuda. „Unsere Motoren sind dafür ideal geeignet. Zudem machen sie das Gesamtsystem effizienter und damit auch kostengünstiger“, ergänzt der General Manager Power der Wärtsilä GmbH mit Sitz in Hamburg. Der finnische Motorenhersteller Wärtsilä hatte bereits 2008 auf der Hannover Messe mit der Idee geworben, Gasmotoren als Spitzenlastanlagen einzusetzen – ohne damit hierzulande jedoch auf nennenswerte Resonanz gestoßen zu sein. Die Tatsache, dass nun für größere Projekte in Deutschland Motorenkraftwerke in Erwägung gezogen werden, zeigt aber, dass sich das Image dieser Technik wandelt.

„Auf dem deutschen Markt bieten wir ausschließlich Gasmotoren mit 9,73 und 18,3 Megawatt elektrischer Leistung an“, so von Zmuda. Zum gesamten Portfolio des Kraftwerkslieferanten gehören Viertakt-Aggregate für Gas, Diesel und Schweröl mit Leistungen von 1 bis 22 MW. Alle BHKW können auch für den Dual-Fuel-Betrieb mit allen drei Brennstoffen ausgelegt werden. „Früher hatten wir auch Gasmotoren im kleineren Leistungsbereich im Portfolio, deren Produktion haben wir aber eingestellt“, heißt es aus Hamburg. Neben den Kraftwerken zählen Schiffsantriebe sowie der Service zu den drei Geschäftsfeldern des Konzerns mit Hauptsitz in Helsinki. Mit weltweit rund 18 700 Mitarbeitern wurde im Geschäftsjahr 2013 ein Umsatz von etwa 4,65 Mrd. Euro erwirtschaftet.
 
Markus von Zmuda: „Auf dem deutschen Markt bieten wir ausschließlich Gasmotoren mit 9,73 und 18,3 Megawatt elektrischer Leistung an“
Bild: Wärtsilä

„Im internationalen Geschäft beobachten wir einen Trend zum Gas“, so von Zmuda. Früher seien weltweit hauptsächlich Viertaktmotoren im Diesel- oder Schwerölbereich verkauft worden, inzwischen handle es sich bei der Hälfte der Kraftwerksprojekte um Gasmotoren. Darunter ist auch ein Auftrag mit einem Volumen von 184 Mio. Euro aus Jordanien. Dort will Wärtsilä noch in diesem Sommer das nach eigenen Angaben weltweit größte Motorenkraftwerk mit 38 Dual-Fuel-Motoren mit knapp 600 MW Gesamtleistung fertigstellen.

„Dass wir einen Motor in Deutschland verkauft haben ist schon viele Jahre her“, räumt der Wärtsilä-Manager ein. Hierzulande war der finnische Konzern zuletzt im Biomasse-Bereich aktiv. Die Tochtergesellschaft Wärtsilä Biopower errichtete an den Standorten Bad-Arolsen, Neuenkirchen-Vörden, Langelsheim, Steinau an der Straße, Leipzig sowie im sächsischen Niesky Biomassefeuerungen mit knapp 5 MW elektrischer Leistung, die zwischen 2009 und 2011 in Betrieb gingen. Vom Holzenergie-Geschäft hat sich der Konzern inzwischen endgültig verabschiedet. Die Hamburger Niederlassung konzentrierte sich zuletzt in Zusammenarbeit mit deutschen Ingenieurbüros auf BHKW-Projekte in England, Russland und Brasilien.

Nun soll der deutsche KWK-Markt in den Vordergrund rücken. Denn von Zmuda sieht Motorenkraftwerke gegenüber GuD-Anlagen im Vorteil: „Statt einer großen Erzeugungseinheit hat man mehrere kleine Einheiten. Das erhöht einerseits die Zuverlässigkeit, andererseits erreicht eine kaskadierte BHKW-Anlage im Teillastbereich einen höheren Wirkungsgrad, weil einzelne Aggregate abgestellt und die anderen Motoren mit maximalem Wirkungsgrad unter Volllast weiter betrieben werden können.“ Der elektrische Wirkungsgrad der Motoren liege bei knapp 45 Prozent. Die ideale Lösung für die Aggregate sieht von Zmuda in der Kraft-Wärme-Kopplung mit einem Wärmespeicher.

Höherer Wirkungsgrad im Teillastbereich

Seinen Angaben zufolge haben KWK-Anlagen bis etwa 400 MW Gesamtleistung – gerade in Kombination mit Dampfturbinen – einen ähnlich hohen Jahreswirkungsgrad wie GuD-Anlagen im gleichen Leistungsbereich, ermöglichen jedoch eine bei weitem höhere Flexibilität. „Die Motoren können innerhalb von zwei Minuten rund ein Viertel ihrer Leistung bereitstellen und in nur fünf Minuten auf Volllast hochgefahren werden“, betont von Zmuda. Zudem gebe es Projekte, bei denen mit etwa 1 000 Starts im Jahr gerechnet werde. „Das macht eine Gasturbine nicht mit, ohne dass die Servicekosten steigen.“

Motoren-KWK-Anlagen bieten nach seiner Ansicht zudem mehr Erlösmöglichkeiten, denn der Betreiber könne den kompletten Regelenergiemarkt bis hin zum Intraday-Handel bedienen. „Selbst wenn Motorenkraftwerke im größeren Leistungsbereich ab 400 MW etwas höhere Investitionskosten verursachen, sind sie im Vergleich zu GuD-Anlagen aufgrund der größeren Wirtschaftlichkeit die bessere Lösung“, argumentiert von Zmuda. Weltweit habe Wärtsilä bereits knapp 1 000 Gasmotoren in Betrieb genommen. Aufgrund dieser Betriebserfahrungen könne dem Kunden eine vielfach erprobte Technik geboten werden, heißt es mit Blick auf die Wettbewerber.

Damit der deutsche KWK-Markt in Schwung kommt, müsste laut von Zmuda die Flexibilität honoriert werden: „Zumal KWK-Anlagen mit der bedarfsgerechten Stromeinspeisung sowie der Bereitstellung von Systemdienstleistungen für Einsparungen bei den Systemkosten sorgen.“. Würde zudem der Wärmemarkt – und nicht nur der Strommarkt - mehr in die Energiewende einbezogen, könnte die Politik zugleich ihre Ziele zur Kohlendioxid-Einsparung und für mehr Energieeffizienz erreichen. Bei den Kunden sei derzeit eine abwartende Haltung zu beobachten. Es fehle an klaren wirtschaftlichen Parametern. „Zum Teil mangelt es aber auch an Geld für neue Kraftwerksinvestitionen, weil sich so manche vergangene Entscheidung inzwischen zu einem Verlustbringer entwickelt hat“, berichtet von Zmuda.

 
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Freitag, 09.05.2014, 09:04 Uhr