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Enerige & Management > Elektrofahrzeuge - Ladesäulen-Eichung weiterhin mehr "Kann" als "Muss"
Bild: Jonas Rosenberger
ELEKTROFAHRZEUGE:
Ladesäulen-Eichung weiterhin mehr "Kann" als "Muss"
Das Ladesäuleneichrecht war bisher kaum anwendbar. Für Gleichstromladesäulen standen bis Ende 2019 keine geeigneten Messgeräte bereit. Eine Folge: sehr unterschiedliche Tarife.
 
Seit 2015 gilt das Eichrecht für öffentliche Ladesäulen in Deutschland nach MessEG (§ 3 Nr. 22 und 23) und MessEV (§ 1). Doch eine Umsetzung war nur zögerlich möglich, da es bis Ende 2018 kaum eichrechtskonforme Geräte gab. Deshalb entsprach ein Großteil der im öffentlichen Raum installierten 24.000 Ladepunkte an gut 18.400 Ladestationen nicht den technischen Vorgaben.

Experten schätzen, dass sich ein Drittel aller Wechselstromladesäulen gar nicht mit eichrechtskonformen Messeinrichtungen nachrüsten lässt. Diese müssten wieder rückgebaut werden.
 
Eichung einer AC-Ladesäule
Bild: EMH

Dabei sollte gerade das Eichrecht die Grundlage für eine einheitliche Abrechnung der getankten kWh darstellen. Doch davon war lange nichts zu spüren. Nach wie vor gibt es verschiedene Tarife, die sich nach den getankten kWh richten können, ebenso aber nach der Ladezeit oder nach festen Grundgebühren, die einfach so für das Stromtanken fällig werden.

Das soll in Zukunft nicht mehr möglich sein. Eine Arbeitsgruppe aus den Landeswirtschaftsministerien sollte gemeinsam mit den Eichämtern eine Harmonisierung herbeiführen. Doch die Gruppe kam nie zustande. Stattdessen zeichnet sich eine Lösung ab, die durch Hersteller und Betreiber über die „Nationale Plattform Zukunft der Mobilität“ und durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) maßgeblich selbst initiiert wurde.

Gleichstrom nicht gleich Wechselstrom

Unterschiedlich stellen sich die Probleme bei den beiden Arten von Ladesäulen dar. Für die Wechselstromladesäulen (AC), die dem langsameren Laden dienen, sind seit Ende 2018 mehrere zertifizierte AC-Lösungen verfügbar, sodass die AC-Ladeinfrastruktur derzeit flächendeckend nachgerüstet wird. Doch einfach ist es hier auch nicht.

„Das Prozedere, wie AC-Ladesäulen geeicht werden sollen und wie häufig, ist noch sehr unsicher“, so Karsten Schröder vom Eichgerätehersteller EMH. Die Prüfung sei nur in den Baumusterprüfbescheinigungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) festgelegt, die aber nicht öffentlich einsehbar sind. Dies sei ein intransparenter Prozess, auf den sich etwa private Dienstleister nicht einstellen könnten. Die Entscheidung, ob eine Ladesäule ohne Eichung weiterbetrieben werden kann, bliebe den Eichämtern überlassen, womit man weit entfernt von einer deutschlandweit einheitlichen Regelung sei, wie sie etwa für das Eichen von Zapfsäulen an Tankstellen gelte (siehe Interview mit Jan Strobel vom BDEW im Kasten).

„Es gibt keine förmlich-einheitliche Frist, bis zu der deutschlandweit alle Ladeeinrichtungen umgerüstet werden müssen“, so die auf Eichrecht für Ladesäulen spezialisierte Rechtsanwältin Katharina Boesche.

Bei den Gleichstromladesäulen (DC) für das Schnellladen ist die Lage deutlich komplizierter. Geräte für die Eichung sowie mess- und eichrechtskonforme Geräte waren bis Ende 2019 nicht verfügbar. Daher wird die Lademenge bisher mit einem herkömmlichen Wechselstromzähler gemessen. Doch der kann nur die elektrische Arbeit (kWh) nach der Wandlung des Wechselstroms in Gleichstrom messen. Um den dabei entstehenden Verlust abzubilden, verlangt die Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen (AGME) der Landeseichbehörden von den Lieferanten einen Abschlag von 20 %.

Allerdings gibt es Hoffnung. Denn auch für die Gleichstromladesäulen könnten bald genügend Messgeräte oder gleich eichrechtskonforme Module auf den Markt kommen. Mitte Dezember 2019 etwa erhielt der Anbieter Isabellenhütte für einen DC-Energiebezugszähler die Baumusterprüfbescheinigung von der PTB Braunschweig. Der Ladestationhersteller Compleo erhielt für zwei seiner Gleichstromlader die Eichrechtszertifizierung. Diese werden seit Februar mit einem DC-Energiezähler von EasyMeter ausgeliefert.

Marktverfügbarkeit noch gering

Die Zertifizierung und Zulassung ist das eine, die Marktverfügbarkeit der Eich- und Messgeräte ein anderes Problem. Denn für die hohe Anzahl an bereits bestehenden und noch hinzukommenden Ladesäulen (für das Eine-Million-Ziel der Bundesregierung an Fahrzeugen werden 70.000 AC- und 7.000 DC-Ladesäulen pro Jahr benötigt) ist diese derzeit noch nicht gegeben. Allerdings, so das Fachportal electrive.net, stellen zehn Hersteller von Ladeeinrichtungen eine Nachrüstfähigkeit ihrer DC-Ladeeinrichtungen in Aussicht.


„Der Markt wird Ladetarife regeln“

Jan Strobel leitet beim BDEW die Abteilung Regulierung, Marktkommunikation und Mobilität. In einem kurzen Interview erklärt er, wie die Nachrüstpläne aussehen und wie lange der Prozess dauern wird.

E&M: Herr Strobel, welche Rolle spielt der BDEW im Eichprozess?

Strobel: Wir haben im Rahmen der ‚Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität‘ am 18. Januar 2019 einen Workshop mit Vertretern von Ministerien, der Eichämter, der Ladesäulenhersteller und -betreiber und der Zertifizierer initiiert, um erst mal eine Übergangsregelung für die Gleichstromlader hinzubekommen. Damals wurde vereinbart, dass aufgrund der mangelnden Messgeräte die Betreiber individuelle Nachrüstpläne mit den jeweils zuständigen Landeseichbehörden vereinbaren.

E&M: Wie erfolgen diese Nachrüstpläne?

Strobel: Die nicht eichrechtskonformen Ladesäulen müssen den Eichbehörden der Länder angezeigt werden. Dabei muss erkennbar sein, wie die Nachrüstung der Ladesäulen in einem bestimmten Zeitraum erfolgen soll. Die Eichbehörden monitoren dann den Prozess bis zum Abschluss der Nachrüstung.
 
Jan Strobel leitet beim BDEW die Abteilung Regulierung, Marktkommunikation und Mobilität
Bild: BDEW

E&M: Und dieser Prozess läuft?

Strobel: Ja. Wir gehen davon aus, dass die Nachrüstung der Normalladesäulen in diesem Jahr weitgehend abgeschlossen wird − sofern die Corona-Krise dies erlaubt. Für die Schnellladesäulen mit Gleichstrom wird die Nachrüstung noch etwas länger dauern, da die ersten Zertifizierungen erst Ende 2019 erteilt wurden.

E&M: Wie ist derzeit der Stand der Nachrüstung der Ladesäulen?

Strobel: Bei AC läuft es sehr gut. Das haben wir in einer Abfrage herausgefunden. Denn 80 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen werden von unseren Mitgliedern betrieben. Das ist auch eine gute Blaupause für DC, bei denen es aufgrund der geringeren Anzahl schneller gehen dürfte. Die jeweilige Nachrüstdauer variiert − je nachdem wie viele Ladesäulen jemand betreibt und von welchem Hersteller sie sind. Wenn jemand nur zwei Ladesäulen betreibt, geht das sicherlich sehr schnell, wenn es aber viele sind, wird es länger dauern.

E&M: Sind die Probleme bei der Eichung von DC-Ladesäulen gelöst, insbesondere die Verlustberechnung durch das Messen des abgenommenen Stroms nach dem Wechselrichter?

Strobel: Letztlich ist da ein AC-Zähler drin, der eichrechtskonform ist. Dieser Verlust wird pauschal abgezogen. Das Verfahren ist allgemein akzeptiert, aber nur eine Übergangslösung, bis DC-Messgeräte nachgerüstet werden können.

E&M: Kann der Eichprozess auch den tariflichen Wildwuchs eindämmen, Stichwort: Abrechnung nur auf Kilowattstundenbasis?

Strobel: Man muss unterscheiden, auf welcher Basis die Tarife erhoben werden und wie sie sich entwickeln. Wenn eine Ladesäule entsprechend umgerüstet ist, muss auf Kilowattstundenbasis abgerechnet werden. Wenn das flächendeckend erfolgt ist, werden auch einige Tarife verschwinden, die bisher umstritten sind. Das war auch eine Forderung der Verbraucherschützer. Etwas anderes ist es jedoch, welchen Tarif ich den Kunden anbiete. Das ist etwa genauso dynamisch wie damals bei der Liberalisierung der Telekommunikation. Es wird sich das Beste durchsetzen − eben was ein Markt halt so macht. Und da spielen Fakten wie Reichweite, Preis, Ladedauer oder Grünstrom auch eine Rolle.

 
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