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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Marktnische Eigenstromnutzung
Bild: Fotolia/Felix brönnimann
WINDKRAFT ONSHORE:
Marktnische Eigenstromnutzung
Mit einer kleinen 750-kW-Anlage setzt der Windturbinenhersteller Emergya Wind Technologies B.V. auf kleinere und mittelständische Gewerbekunden, die den Windstrom selbst nutzen wollen.
 
Kurz vor dem zurückliegenden Weihnachtsfest hat sich Clemens Pohlkemper selbst das größte Geschenk gemacht: Der Hähnchen- und Schweinemäster aus dem westmünsterländischen Schöppingen (Kreis Borken) nahm eine Windenergieanlage auf seinem Hofgelände in Betrieb. „Endlich“, sagt Pohlkemper.

Seit knapp zwei Jahrzehnten blickt der Landwirt auf den Schöppinger Berg vis-a-vis, auf dem seit der Jahrtausendwende 14 Enercon-Anlagen mit zusammen gut 27 MW Leistung am Netz sind. „Den Wunsch, eine eigene Windturbine zu betreiben, hat es bei mir seitdem ununterbrochen gegeben“, erzählt Pohlkemper.

Das Problem: Seine Grundstücke liegen außerhalb der für die Windkraftnutzung vorgesehenen Konzentrationszonen.

Für dieses Problem hat Pohlkemper nun eine Lösung gefunden, indem er sich für einen hierzulande noch neuen Windturbinentyp entschieden hat: Eine DW 61-750 des niederländischen Windturbinenherstellers Emergya Wind Technologies B.V. (EWT). Unter den gängigen Großturbinen dürfte die EWT-Anlage mit einer Leistung von nur 750 kW mit Abstand die kleinste sein. „Mit unserem Portfolio setzen wir bewusst auf die Sub-Megawattklasse, auch wenn das ein Nischenmarkt ist“, betont Vertriebsleiter Bas Hoogeveen gegenüber E&M. Unter den führenden Windenergieanlagenherstellern, die in Europa tätig sind, ist in dieser Größenklasse nur noch Enercon mit einer 800-kW-Anlage vertreten.

Hoogeveen ist froh, dass sich bei der bundesweit ersten EWT-Anlage endlich die Rotorflügel drehen. Von dem Referenzprojekt in Schöppingen verspricht sich der kleine Windturbinenhersteller aus den Niederlanden weitere Aufträge in Deutschland – und zwar aus zwei Gründen: Mit einer Leistung von 750 KW liegen die EWT-Anlagen unter dem Schwellenwert, der sie zur Teilnahme an den seit gut zwei Jahren üblichen Ausschreibungen verpflichtet. Diese „kleineren“ Anlagen erhalten stattdessen für den eingespeisten Windstrom eine feste Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Auch planungsrechtlich sind die Windturbinen der Sub-Megawattklasse durchaus im Vorteil, da sie außerhalb von ausgewiesenen Konzentrationszonen gebaut werden können. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Anlage nahe an einer sogenannten privilegierten Einrichtung wie einem Landwirtschaftsbetrieb als untergeordnete Nebenanlage genehmigt wird und deren Betreiber mehr als 50 % des erzeugten Windstroms selbst verbraucht.

Was bei Clemens Pohlkemper auf seinem Hähnchen- und Schweinemastbetrieb der Fall ist. Den Windstrom nutzt der Westfale für die Kühlung, Beleuchtung und Lüftung der Ställe, spätestens Ende dieses Jahres will er auch alle Hofgebäude mit dem Ökostrom beheizen. „Die Genehmigungsbehörde im Kreis Borken hat sich sehr kulant gezeigt und mir für den Umbau unserer Heizungsanlagen ein Jahr Zeit eingeräumt“, sagt Pohlkemper.
 Amortisation innerhalb von zwölf Jahren geplant
 
Er hofft, dass sich seine Investition in gut zwölf Jahren amortisiert hat – vorausgesetzt, der Wind lässt ihn nicht im Stich. Nach den Berechnungen soll die Anlage jährlich gut 1,8 Mio. kWh erzeugen. Um künftig nicht vom Windstrom allein bei der Energieversorgung abhängig zu sein, baut der Landwirt seine Gasthermen aber nicht ab.

Die Möglichkeit der Eigenstromnutzung hält Claudia Bredemann, Windenergieexpertin der Energieagentur NRW, für ein großes Plus der EWT-Anlagen: „Das dürfte manchen Landwirt und Gewerbetreibenden, der sich in großen Teilen unabhängig von seinem Stromversorger machen will, ins Nachdenken bringen.“ Das Windenergieteam der Energieagentur NRW hatte EWT dank langjähriger Kontakte an den Schöppinger Hof „vermittelt“.

Eine „Flut“ dieser Anlagen erwartet Bredemann dennoch nicht in nächster Zeit in hiesigen Breitengraden: „Auch wenn ihre Leistung überschaubar ist, müssen diese Windturbinen das übliche, aufwendige Genehmigungsverfahren durchlaufen, was abhängig vom Standort und der jeweiligen Fachbehörde mitunter viel Zeit in Anspruch nehmen kann.“
 
Seit Herbst 2016 nutzt die Kläranlage von United Utilities im englischen Fleetwood nördlich von Liverpool eine EWT-Windturbine, um einen Teil des eigenen Strombedarfs zu decken
Bild: EWT

Heinz Thier weiß um diese Klippen. Unabhängig davon zeigt sich der Geschäftsführer der BBWind Projektierungsgesellschaft, die insbesondere eine bäuerliche Klientel zu ihrem Kundenstamm zählt, von der EWT-Anlage angetan: „Das ist eine sehr interessante Maschine, die ich mir auf so manchen Höfen wegen der Option der Eigenstromnutzung gut vorstellen kann.“ Deshalb werde BBWind die Anlage auch in das „eigene Portfolio aufnehmen“, sprich, neben den Modellen bekannter Windschmieden künftig auch die EWT-Maschine bei neuen Projekten – wo es Sinn macht – den potenziellen Betreibern anbieten.

Was für EWT fast so etwas wie ein Ritterschlag ist. Über BBWind dürfte das EWT-Team einen einfacheren Zugang zu Landwirten bekommen. Denn Energiewirte wie Pohlkemper, deren Stromverbrauch zwischen 1 bis 5 Mio. kWh im Jahr liegt, stehen bei EWT für das anlaufende Deutschland-Geschäft im Fokus: „Um große Teile des Eigenverbrauchs zu decken, ist unsere Anlage nicht nur für die Landwirtschaft geeignet, sondern beispielsweise auch für Kühlhäuser, Gartenbaubetriebe oder kleinere und mittelständische Unternehmen aus der Metallbranche“, sagt EWT-Vertriebsleiter Hoogeveen.

Nach seinen Worten hat EWT derzeit bundesweit an die 30 Genehmigungsanträge gestellt: „Wir werden sicherlich nicht für jeden Antrag grünes Licht bekommen, wollen uns aber mit unserem dezentralen Ansatz auf dem deutschen Markt etablieren.“

Kennern der Windbranche dürfte das Design der EWT-Anlagen bekannt vorkommen, ähnelt es doch mit dem wuchtigen Ringgenerator hinter dem Rotor dem Erfolgsmodell E-40 von Enercon, denn sowohl EWT als auch Enercon setzen auf die getriebelose Antriebstechnik. Was kein Zufall ist: EWT hatte 2004 die Patente für die 750-kW-Anlage aus der Konkursmasse von Lagerwey und seinem Gründer Henk Lagerwey übernommen, dem auch heute noch bekanntesten Konstrukteur von Windenergieanlagen in den Niederlanden. Inzwischen hat EWT gut 600 seiner Sub-Megawattanlagen verkaufen können, mehr als die Hälfte davon in Großbritannien.

Die Nachfolgefirma von Henk Lagerwey hatte der deutsche Marktführer Enercon Ende 2017 komplett übernommen. Nicht die einzige Schnittmenge zwischen Enercon und EWT. Der deutsche Marktführer hat sich bei der Entwicklung seiner neuen EP4-Plattform aus Kostengründen von der eiförmigen Gondel verabschiedet und ist weitestgehend zum Design aus E-40-Tagen zurückgekehrt. „Was wir durchaus positiv bewerten“, sagt Hoogeveen, „denn das zeigt uns, dass wir mit unserem Technologieansatz ganz richtig liegen.“ Was auch als Qualitätsversprechen gegenüber künftigen EWT-Windmüllern zu verstehen ist.

 
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Donnerstag, 14.02.2019, 08:55 Uhr