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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Neuer Schweizer Dreh
Bild: Verbund
WINDKRAFT ONSHORE:
Neuer Schweizer Dreh
Die Agile Wind Power AG verspricht mit der „Vertical Sky A32“, die auf eine Leistung von 750 Kilowatt ausgelegt ist, einige technologische Neuheiten für einen Vertikalachser.
 
Premiere auf dem deutschen Windmarkt, der in den vergangenen drei Jahrzehnten Windenergieanlagen aus aller Herren Länder gesehen hat. Im Spätherbst, „aber am liebsten noch in diesem Jahr“, wird es hierzulande erstmals eine Windturbine aus der Schweiz geben. Der, der das sagt, ist Patrick Richter, Gründer und Geschäftsführer des Windturbinenherstellers Agile Wind Power AG (AWP) aus dem schweizerischen Dübendorf im Kanton Zürich. Zu den Aktionären des Unternehmens zählen - neben Gründer Richter selbst - fünf größere „Anker"-Investoren, aber auch über 100 kleinere Anleger.

Mit seinem Team ist der AWP-Chef derzeit dabei, die Pilotanlage eines neuen Vertikalachsers mit 750 kW Leistung und einer Gesamthöhe von 105 Metern auf dem Windtestfeld im rheinischen Grevenbroich zu errichten. „Unser Plan ist es, noch in diesem Jahr mit den Messungen für den Abschluss der IEC-Zertifizierung zu beginnen“, sagt Richter.

Unabhängig vom genauen Starttermin ist heute schon klar, dass es mit den Eidgenossen einen weiteren Anbieter in dem Leistungssegment zwischen 100 und 750 kW geben wird, die mit diesen kleinen bis mittelgroßen Anlagen gezielt auf Kunden mit dem Fokus Eigenstromnutzung setzen. Dabei will Agile Wind Power mit ihrer Vertical Sky A32 (so die offizielle Typenbezeichnung) dank einer doppelten Neuheit punkten: Zum einen mit der vertikalen statt der üblichen horizontalen Anordnung der Achse sowie andererseits mit der Errichtung auf einem Gittermast. „Noch nie hat es einen größeren Vertikalrotor gegeben“, betont Richter, „die Schwachstellen, die es bislang bei Vertikalachsern gegeben hat, haben wir behoben.“
 
So könnte es Ende des Jahres mit der neuen Agile-Wind-Power-Anlage auf dem Testfeld in Grevenbroich aussehen
Bildmontage: Agile Wind Power

Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Pitchsteuerung der Rotorblätter. „4 000-mal in der Sekunde prüft die von uns entwickelte Steuerung, ob die Rotorblätter optimal zum Wind stehen. Damit gibt es immer eine Korrektur in Echtzeit." Dadurch sei ein hoher Wirkungsgrad bei geringer Rotationsgeschwindigkeit möglich.

Davon, dass sich sein Entwicklungsteam für einen „durchsichtigen“ Gitter- statt für einen Stahlrohr- oder Hybridturm entschieden hat, verspricht sich Richter mehr „Akzeptanz bei Anwohnern und Bevölkerung.“ Dass sich Gittermasten bislang bei den Windschmieden und Windmüllern nicht durchgesetzt haben, irritiert den AWP-Chef nicht: „Dadurch ergeben sich auch Vorteile beim Transport und Aufbau für uns, da wir beispielsweise auf Spezialtransporte und -kräne verzichten können.“

Niedriger Schallleistungspegel soll für mehr Akzeptanz sorgen
 
Mehr Akzeptanz für seine optisch gewöhnungsbedürftige Windkraftanlage verspricht er sich vor allem von dem niedrigeren Schallleistungspegel: „Unsere Anlage wird im Betrieb dreimal leiser sein als andere. In 100 Metern Abstand zur Anlage werden nur unter 40 Dezibel wahrnehmbar sein.“

Gespannt darauf, ob diese Werte auch auf dem Testfeld in Grevenbroich gemessen werden, ist Holger Lange, der seit 2010 Windenergietechnik an der Hochschule Bremerhaven lehrt: „Spannend wird auch, zu sehen, ob der von Agile Wind Power angekündigte Wirkungsgrad der Anlage von rund 40 Prozent realistisch ist.“ Was schon ein Spitzenwert wäre.

Ob sich die Schweizer Neuheit auf dem Markt durchsetzen wird, hängt für den Windkraftfachmann auch von einer wichtigen Komponente ab: „Vertikalrotoren haben in der Vergangenheit immer wieder mit Lagerschäden zu kämpfen gehabt, was für das Image wenig förderlich gewesen ist.“ Dass AWP auf einen Vertikalrotor setzt, hält Lange durchaus für einen richtigen Ansatz: „Gerade für städtische Gebiete und Standorte mit hohen Turbulenzen bringt die vertikale Ausrichtung der Rotorblätter schon Vorteile.“
 
Noch Zukunftsvision: Die Schweizer Bundesbahnen nutzen den mit einer Agile-Wind-Power-Anlage erzeugten Windstrom
Bildmontage: Agile Wind Power

Die Aktivitäten der Eidgenossen beobachtet auch Stephan Schwartzkopff mit großem Interesse. Für den Vorsitzenden des Bundesverbandes Kleinwindanlagen ist der geplante Vertikalachser ein handfester Beleg dafür, dass sich die „leere Mitte“ zwischen 100 und 750 kW Leistung wieder zu füllen beginnt. Alle bekannten Windturbinenhersteller bieten längst schon keine Anlagen mehr in dieser Größenklasse an. Aber neben Agile Wind Power haben bereits Anbieter wie Cirkel Energi aus Dänemark, Emergya Wind Technologies BV (EWT) aus den Niederlanden oder B.Ventus sogenannte „Medium Size“- Windturbinen auf den Markt gebracht. „Ihre Anlagen zeigen eindrucksvoll, was auch ganz kleine und kleinere Windenergieanlagen leisten können. Sie stärken somit die dezentrale Grundausrichtung der Kleinwindtechnologie und deren Image, weil diese Anlagen wirtschaftlich sind“, sagt Schwartzkopff.

Das unterstreicht auch Julia Arco-Valley. Sie gehört zum Management-Team der B.Ventus GmbH an, das im Frühjahr die Premiere seiner neuen Kleinwindanlage mit 250 Kilowatt Leistung in Schleswig-Holstein gefeiert hat: „Wir freuen uns über ein wirklich wachsendes Interesse. Derzeit unterzeichnen wir jede Woche mindestens einen Vertrag mit Interessenten, die nicht nur aus der Landwirtschaft stammen.“

Suche nach strategischem Partner läuft
 
B.Ventus ist als hauseigenes Start-up im Eon-Konzern entstanden. Der Energie-Riese, der weiterhin mit 30 Prozent an dem jungen Unternehmen beteiligt ist, hat hierzulande auch den exklusiven Vertrieb für die Anlage übernommen, die auf eine maximale Gesamthöhe von 50 Metern ausgelegt ist. „Das ist ein geiles Produkt“, jubelte Eon-Geschäftsführer Otmar Zisler bei der Präsentation auf der diesjährigen E-world, „für uns zählt auch Kleinwind zu den Bausteinen für eine zunehmend dezentrale Energieversorgung.“ Mit der neuen Kleinwindanlage schließe Eon eine Lücke im regenerativen B2B-Angebot.

Nach Angaben von Arco-Valley werden in diesem Jahr noch rund ein halbes Dutzend B.Ventus-Anlagen in Betrieb gehen: „Einen kleinen Peak werden wir dann Anfang kommenden Jahres erleben, wenn eine Reihe von Projekten ans Netz geht.“
Soweit ist Agile Wind Power noch nicht: Ab Anfang 2021, so Geschäftsführer Richter, soll die Vertical SkyA32 im kommerziellen Vertrieb sein. Der frühere IT-Unternehmer ist von der Zukunft seines Vertikalachsers felsenfest überzeugt. Deshalb hat AWP die mittlerweile achte Finanzierungsrunde für das weitere Unternehmenswachstum gestartet: „Außerdem sind wir auf der Suche nach einem strategischen Partner.“

Nach Richters Worten hat das Unternehmen seit der Gründung vor neuneinhalb Jahren rund 20 Mio. Euro vor allem in die Entwicklung der Anlage investiert.
Die demnächst eingesammelten Millionen will Richter für den Markteintritt und die weitere Unternehmensentwicklung investieren. Derzeit entsteht auch eine eigene Rotorblattfertigung am Standort im Raum Bremen. Denn AWP will es nicht nur bei der 750-kW-Anlage belassen. Abhängig von den verschiedenen Windklassen haben die Eidgenossen auch Vertikalrotoren mit 1, 1,5 sowie mit 2 MW Leistung in Planung.

Einen potenziellen Erstkunden für die Vertical Sky A32 hat das Unternehmen bereits gefunden: Sollte die Technik halten, was das Management verspricht, wollen die Schweizer Bundesbahnen (SBB) eine Pilotanlage entlang ihrer Trassen aufstellen und den Strom direkt in ihr 16,7-Hertz-Oberleitungsnetz einspeisen. Nach abgeschlossener Zertifizierung soll es losgehen. „Bis dahin müssen wir aber noch einen geeigneten Standort finden, was bei uns im Land nicht einfach ist“, sagt Jürg Nachbur aus der SBB-Abteilung Energie-Projekte und -Engineering. Die Technik der AWP-Maschine jedenfalls habe ihn überzeugt: „Wir wollen gerne den Test starten, aus dem sich mehr entwickeln kann.“

 
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Freitag, 13.09.2019, 10:29 Uhr