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Enerige & Management > ITea - Rössler: "Es muss nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen"
Bild: itestroorig / Fotolia
ITEA:
Rössler: "Es muss nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen"
In der IT-Strategie der Stadtwerke Gießen spielen Kooperationen eine große Rolle, wie CIO Thomas Rössler im Gespräch mit E&M erläutert.
 
 
E&M: Herr Rössler, sehen Sie sich eher als Gestalter oder Unterstützer?

Rössler: Das eine schließt das andere nicht aus. Wir sind natürlich Unterstützer bei allen möglichen IT-Fragen im Unternehmen und haben auch eine Reihe von betrieblichen Problemstellungen wie etwa die Anbindung von intelligenten Messsystemen an unsere Backend-Systeme. Aber ich sehe meine Mitarbeiter und mich durchaus auch als Gestalter, die an der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle mitarbeiten und die Digitalisierung in Produkten und Prozessen voranbringen.
 
Thomas Rössler: „Bei der Entwicklung von Mehrwertdiensten geht es um Innovationen“
Bild: E&M

E&M: Wie schaffen Sie das?

Rössler: Man muss sich zunächst einmal Freiräume schaffen. Automatisierung und Standardisierung helfen, das Tagesgeschäft leichter zu bewältigen. Vor allem aber helfen der Austausch mit anderen Stadtwerken und Kooperationen dabei, neue Ideen zu generieren und Ressourcen noch effizienter einzusetzen.

E&M: Können Sie ein Beispiel für die Automatisierung nennen?

Rössler: Wir haben beispielsweise ein MDM-System (Mobile Device Management; d. Red.) eingeführt. Damit können wir mobile Endgeräte der Mitarbeiter leichter verwalten. Die Geräte wurden in die Systemlandschaft des Unternehmens integriert, was gleichzeitig den Datenaustausch erleichtert und sicherer macht. Oder denken Sie an das Workforce-Management. Monteure sind mit Tablets ausgestattet und werden über das System disponiert. Und die Daten, mit denen Sie vor Ort arbeiten oder die sie aufnehmen, kommen entweder direkt aus dem System oder können im System nahtlos weiterverarbeitet werden. Bei der Marktraumumstellung von L- auf H-Gas kommt das sehr gut zum Tragen. Da haben wir über eine App gleich die Materialwirtschaft eingebunden, um die Verwaltung der Austauschteile zu erleichtern.

E&M: Und das schafft Freiräume?

Rössler: Solche Ansätze tragen dazu bei, den Aufwand für das Tagesgeschäft ganz erheblich zu reduzieren, sodass man dann Ressourcen hat, um sich um die wichtigen Digitalisierungsthemen zu kümmern. Die Stadtwerke Gießen haben beispielsweise 2017 die Smart Stadtwerke GmbH gegründet. Mittlerweile haben sich daran neun Unternehmen beteiligt. Das ist eine hervorragende Kooperationsplattform, über die wir eine gemeinsame Kommunikations- und Datenstrategie erarbeiten. Es muss nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen. Dieser Ansatz ist übrigens eine wesentliche Säule unserer eigenen IT-Strategie.

E&M: Aber Sie stehen mit den anderen Stadtwerken im Wettbewerb.

Rössler: Wenn man zum Beispiel gemeinsam daran arbeitet, die 450-Megahertz-Frequenz als schwarzfallsicheres Kommunikationsnetz aufzubauen, dann überwiegt klar der Nutzen einer Kooperation. Man spart sehr viele Ressourcen. Es geht ja ohnehin letztlich darum, ein bundesweites Netz über alle Energieversorger zu spannen, um für Notsituationen gerüstet zu sein. Das hat mit Wettbewerb zunächst nichts zu tun.

„Jedes Stadtwerk wird von der Nutzung des 450-Megahertz-Netzes profitieren“

E&M: Man kann natürlich das Netz auch für die Anbindung von intelligenten Messsystemen und für Zusatzdienste nutzen.

Rössler: Das stimmt. Aber auch das ist unter den Anteilseignern der Smart Stadtwerke GmbH vor allem ein Kooperations- und kein Wettbewerbsthema. Beim Erfahrungsaustausch über das intelligente Messwesen und bei der Entwicklung von Mehrwertdiensten geht es um Innovationen. Und die lassen sich nun mal mit Partnern am schnellsten und am weitesten voranbringen. Am Ende wird meiner Meinung nach jedes Stadtwerk von der Nutzung des 450-Megahertz-Netzes profitieren, denn nicht jeder Versorger wird die volle Bandbreite benötigen. Das gibt Spielraum für die Vermarktung an lokale Nutzer. Ein entsprechendes Geschäftsmodell muss man nur einmal konzipieren. Dann kann es jedes Unternehmen in seinem Netzgebiet umsetzen.

E&M: Müssen Sie bei der Digitalisierung noch viel interne Überzeugungsarbeit leisten und Kollegen ‚mitnehmen‘?

Rössler: Das ist ein Klischee, das aber in Gießen und auch bei anderen Stadtwerken, die ich kenne, nicht zutrifft. Hier im Unternehmen herrscht ein ausgesprochen innovationsfreudiges und Innovationen förderndes Klima. Manchmal ist es schon beeindruckend, wie innovativ und digital die Kollegen denken. Zum Teil arbeiten die Fachabteilungen federführend und wir unterstützen sie bei der Umsetzung, das war beispielsweise bei der Umsetzung unseres Kundenportals so. Denn in der Regel bestimmt der Prozess die Programmierung.

„Wir haben die Wahrnehmung der Stadtwerke in der Öffentlichkeit enorm gesteigert“

E&M: Und wo gestalten Sie?
Rössler: Eines der ersten Projekte, als ich vor fünf Jahren in Gießen angefangen habe, war das Public WLAN. Derzeit haben wir rund 130 Access Points in der Stadt. Es ist unglaublich, wie gut das Angebot angenommen wird. Wer sich einloggt, kommt auf die Landingpage der Stadtwerke und bekommt eine effektive Nutzungszeit von 30 Minuten pro Tag. Unsere Energiekunden haben mit einem speziellen Log-in rund um die Uhr Zugriff auf das Netz und auch eine höhere Bandbreite. Damit haben wir die Wahrnehmung der Stadtwerke in der Öffentlichkeit enorm gesteigert. Und natürlich ist das eine hervorragende Plattform, um Dienstleistungen und Produkte anzubieten.

E&M: Die Telekommunikationsbranche wird immer wieder als leuchtendes Vorbild hingestellt, wenn es um die Digitalisierung von Vertrieb und Netz geht. Können Sie sich bei den Kollegen dort etwas abschauen?

Rössler: Die Telekom-Branche ist sicherlich sehr innovativ in Richtung Digitalisierung vorangestürmt und hat den Kunden sehr früh in den Mittelpunkt gestellt. Ich stehe nicht zuletzt über meine Tätigkeit bei ‚VOICE‘, dem Bundesverband der IT-Anwender, auch mit Kollegen aus der Telekom-Branche im Austausch. Aber wir wissen ebenfalls, wie Kundenbindung geht. Die Verfügbarkeit von freiem WLAN ist dabei aber nur ein Faktor. Mindestens genauso wichtig ist der Aufbau der eigentlichen Infrastruktur mit Glasfaser.

E&M: Als Hochschulstandort kann man es sich sicherlich gar nicht mehr leisten, das Thema zu vernachlässigen.

Rössler: Das stimmt. Wir sind in diesem Bereich im Moment auch sehr aktiv. Mit Avacon bauen wir gerade einen Glasfaserring um unsere Umspannwerke, der künftig auch von Forschungseinrichtungen oder der Industrie zur Datenübertragung genutzt werden könnte. Damit eröffnet sich wieder eine Möglichkeit, das Kerngeschäft der Stadtwerke auszuweiten beziehungsweise zu ergänzen.

E&M: Apropos Hochschulstandort: Profitieren Sie auch davon, was hier am Ort erforscht und entwickelt wird?

Rössler: Auf jeden Fall. Wir arbeiten sehr eng mit den Hochschulen und den Studenten zusammen. Aktuell läuft unter anderem ein Projekt zur Optimierung des Nahverkehrs anhand von Echtzeitdaten − das bezieht sich sowohl auf den Fahrplan als auch auf die Auslastung der Fahrzeuge. Ein sehr spannendes Projekt, von dem wir uns einen großen Nutzen versprechen.

Zur Person: Thomas Rössler

Ein CIO (Chief Information Officer) bei einem Stadtwerk − die Position ist noch keine Selbstverständlichkeit, aber auch nicht mehr ganz ungewöhnlich. Thomas Rössler, studierter Ingenieur der Nachrichtentechnik, trägt den Titel „Leiter Informationstechnologien“ bei den Stadtwerken Gießen und berichtet in dieser Funktion als Bereichsleiter direkt an den Vorstand. Bevor er 2014 nach Mittelhessen kam, war er für die gesamte IT der Echo Medien GmbH in Darmstadt verantwortlich. Seine Karriere begann er 1993 in der Automatisierungs- und Visualisierungstechnik bei Rexroth Indramat − heute ein Teil der Bosch-Gruppe.
Rössler ist Präsidiumsmitglied von Voice, dem Bundesverband der IT-Anwender. In diesem Gremium sitzt er neben Kollegen aus großen Dax-Konzernen wie Siemens, der Allianz oder der Lufthansa. Insgesamt vereinen die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes IT-Budgets mit einem Volumen von rund 30 Mrd. Euro.

 
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Dienstag, 16.07.2019, 09:21 Uhr