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Enerige & Management > Stromnetz - Schwere Vereinbarkeit von Versorgungssicherheit und Klimaschutz
Bild: Tom Bayer, Fotolia
STROMNETZ:
Schwere Vereinbarkeit von Versorgungssicherheit und Klimaschutz
Auf der Jahrestagung des VIK (Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft) in Berlin diskutierten Branchenvertreter Wege zur sicheren Energieversorgung trotz Klimaschutz.
 
Vertreter von Bundesnetzagentur, Industrie, Übertragungsnetzbetreibern und Wissenschaft sahen verschiedene Herausforderungen und Lösungswege für eine sichere Energieversorgung auch ohne Kohle und Kernkraft.

Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität zu Köln (EWI) sagte, es brauche einen regulatorischen Rahmen der Politik für Ersatzkaftwerke als Backup bei Dunkelflauten. "Wir nehmen jetzt viele Bestandskraftwerke heraus, die Grundlast erzeugt haben und müssen dafür Ersatz schaffen", warnte er. Die Wasserstoffstrategie sei wahrscheinlich der beste Ausweg, auch um Sektorkopplung zu ermöglichen. Doch soviel erneuerbarer Strom sei in Deutschland allein nicht zu erzeugen. "Die eigentliche Schlüsselfrage für Deutschland bleibt, woher wir Energie importieren können. Statt Öl und Erdgas wird das dann grüner Wasserstoff sein, ob aus dem arabischen Raum oder Australien", prognostizierte Bettzüge.

Uwe Liebelt, Präsident für Europa und Verbund Management der BASF beklagte, dass schon heute die Versorgungssicherheit immer schwerer aufrecht zu erhalten sei, wegen des verzögerten Netzausbaus und der fluktuierenden Erzeugung. Im Niederspannungsbereich hätten sich BASF und andere große Unternehmen unabhängige Spannungsversorgung aufgebaut. Man könne aber nicht auch noch ein Gleichspannungsnetz parallel aufbauen, weil das zu teuer wäre. "Der Anlagenbau muss dringend am Netz orientiert werden", forderte Liebelt.
 
Diskussion auf der VIK-Jahrestagung 2019
Bild: E&M S.Harmsen

Energie für den Industriestandort Deutschland

Wenn die Industrie weniger Klimagase emittieren solle, werde sie mehr Strom brauchen, die BASF allein in Ludwigshafen 42 Mrd. kWh, sagte Liebelt. Achim Zerres, Abteilungsleiter für Energieregulierung der Bundesnetzagentur erläuterte, dass die Netzentwicklungspläne diese Standorte durchaus ausweise und auch solche Anforderungen einkalkulieren werde. "Wir wollen alle zum Klimaschutz beitragen, aber es gibt Dinge, die gehen einfach nicht, wenn zum Beispiel die Netze nicht ausreichen", forderte Liebelt den Beitrag der Politik. Zudem sei es für die Industrie überlebenswichtig, dass die Energiepreise konkurrenzfähig blieben, sonst müsse Deutschland oder Europa als Standort aufgegeben werden.

Joachim Vanzetta, Leiter Systemführung der Amprion, berichtete, dass es in allen Themenfeldern wie Spannungs-, Frequenz- und Netzsicherheit zunehmend schwieriger werde, die vielen Schwankungen durch die erneuerbare Erzeugung auszubalancieren. Die Netztransporte hätten sich auf mehrere hundert Kilometer verlängert von zuvor einigen Dutzend Kilometern. Dafür würden jetzt rotierende Phasenschieber eingebaut, um das Netz dennoch stabil zu halten. Dazu gehöre Block A im Kernkraftwerk Biblis.

Dadurch stiegen die Anstrengungen und Kosten bei den Netzbetreibern, erklärte Vanzetta. Reservekraftwerke, der Stromzukauf aus Europa (vor allem französischer Kernkraftstrom) und Redispatch seien momentan die Mittel der Wahl, um das Netz stabil zu betreiben. Allerdings seien alle diese Mittel künftig fraglich, da die Nachbarn nicht mehr viel Strom verkaufen würden, da die Grenzkupplungsstellen für den Markt geöffnet werden müssten.

Vanzetta bezweifelt, dass die Energieeffizienzmaßnahmen genug Einsparungen bringen, um den erhöhten Strombedarf abzufedern, wenn Verkehr, Industrie und Wärmesektor mehr verbrauchen, um klimafreundlicher zu werden. "Wir brauchen einen Plan B, der auch Reservekraftwerke für Dunkelflautezeiten enthält", forderte Vanzetta.

Das angestrebte Ziel bis 2050 sei sicherlich nicht mit den heutigen Mitteln zu erreichen. Die 30 Jahre dazwischen müssten die entsprechenden technischen Fortschritte bringen, erwiderte Achim Zerres von der BNetzA. Er hält Kraft-Wärme-Kopplung im 400-MW-Bereich für eine Möglichkeit, als indirekter Kapazitätsmechanismus das Netz zu stabilisieren. "Heute darf jeder seine Anlage dahin bauen, wo er will, das ist nicht immer netzdienlich", sagte Zerres. Wenn es aber Geld vom Staat für solche Kraftwerke gebe, müssten auch die Standorte vorgegeben werden.

 
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Mittwoch, 23.10.2019, 16:24 Uhr