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Enerige & Management > 20 Jahre Eeg - "Sind 20 Jahre EEG aus Ihrer Sicht ein Erfolg?"
Bild: kav777, Fotolia
20 JAHRE EEG:
"Sind 20 Jahre EEG aus Ihrer Sicht ein Erfolg?"
Am 1. April 2000 trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft. Sind 20 Jahre EEG ein Erfolg? E&M holte dazu die Meinung von drei Persönlichkeiten aus der Energiewirtschaft ein.
 
Prof. Claudia Kemfert, Energieökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung:

„Das EEG war bei allen Höhen und Tiefen unterm Strich ein Erfolg. Die Kosten erneuerbarer Energien sind durch die gezielte Förderung stark gesunken, ihr Anteil ist auf über 40 Prozent an der Stromproduktion gestiegen. Sie kommen weltweit immer mehr zum Einsatz. Die Emissionen in Deutschland wären deutlich stark angestiegen, hätte es das EEG und den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht gegeben. Das Instrument selbst wurde in zahlreiche Länder der Welt kopiert.
In den letzten zehn Jahren wurden durch ‚Verschlimmbesserungen‘ des EEG die Rahmenbedingungen stetig verschlechtert mit teilweise dramatischen Folgen: Der Markt ist in sich zusammengebrochen, der Windenergieausbau ist zum Erliegen gekommen, der Solarenergiezubau ist weiterhin gedeckelt. Es fehlen effektive Maßnahmen für eine dezentrale Energiewende samt Speicher und intelligenter Steuerung.
 
Prof. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
Bild: privat

Anders als das herkömmliche ist ein auf erneuerbare Energien basierendes Energiesystem flexibel, dynamisch, intelligent und dezentral. Die Investitionen in digitale Zukunftstechnologien würden innovative klimafreundliche Technologien entstehen lassen und globale Wettbewerbsvorteile generieren.

Inzwischen sind die Anforderungen durch den Klimawandel gestiegen. Nach dem jüngst beschlossenen Kohleausstieg ist es Zeit für eine Neubesinnung auf das wesentliche Ziel: eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien und fairen Marktbedingungen für alle im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft.

Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in Deutschland sind als Team gefordert. Vor uns liegt noch ein weiter Weg, den wir endlich beherzt angehen sollten. 20 Jahre nach der ersten EEG-Version bräuchte es nun endlich ein EEG 4.0.“


Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München (SWM):

„Das EEG hat seinerzeit in Deutschland die Energiewende eingeläutet. Dank des EEG befinden wir uns als SWM auf der Zielgeraden beim Erreichen unserer Ökostromziele: Bis 2025 wollen wir so viel Ökostrom selbst erzeugen, wie München benötigt.

Die weitergehende Transformation in Deutschland zu einer sicheren und klimafreundlichen Stromversorgung, verbunden mit dem Ziel, einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 zu erreichen, kann nur gelingen, wenn im Zuge der EEG-Novelle die richtigen Weichen gestellt werden. Hier ist jetzt die Politik gefordert: Weg frei für Windkraft an Land und auf See, weg mit dem 52-GW-Deckel für Photovoltaik, Verbesserung der Rahmenbedingungen außerhalb des EEG-Fördermechanismus.
 
Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München 
Bild: SWM/Maik Kern

Die Sektorkopplung wird bei der Dekarbonisierung eine wichtige Rolle spielen. Das bedeutet wiederum, dass die Erneuerbaren in erheblichem Maße ausgebaut werden müssen. Diese werden benötigt, um grünen Wasserstoff herzustellen als Basis neuer Wertschöpfungsketten für die deutsche Wirtschaft und zum Erreichen der Klimaziele.

Zentraler Knackpunkt für den Erfolg der Energiewende bleibt aber die Akzeptanz bei Bevölkerung und Wirtschaft. Auch hier ist es an der Politik, allen Beteiligten klarzumachen, dass die notwendigen Schritte getan werden müssen. Statt ‚Not in my backyard‘ brauchen wir mehr ‚In my backyard, please!‘“


Simone Peter, seit Anfang 2019 Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE):

„Das EEG ist ein echter Exportschlager deutscher Klimaschutzpolitik, auf den wir stolz sein können. Deutschland hat damit maßgeblich zum weltweiten Durchbruch der erneuerbaren Energien beigetragen, denn grüner Strom ist global bereits heute günstiger als Strom aus konventioneller Erzeugung. In Deutschland wird mit einem Anteil von über 42 Prozent Ökostrom (Stand Ende 2019) heute mehr Strom aus Erneuerbaren erzeugt als aus Stein- und Braunkohle. Aus einem zentralistischen Energiesystem wurde ein modernes dezentrales System mit einer bürgernahen Versorgung, vielen neuen Arbeitsplätzen und hoher regionaler Wertschöpfung.
 
Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE)
Bild: BEE

Mit der Umstellung auf Ausschreibungen wurde das ursprünglich sehr schlank gehaltene EEG nicht nur bürokratisch weiter aufgebläht, sondern Sonne, Wind und Co. wurden auch unnötig gedeckelt und gebremst. Während sich die Weltgemeinschaft in Paris auf eine Beschränkung der Erderhitzung auf 1,5 Grad verständigt hat, blockierte die Bundesregierung ihren Klimaschützer Nummer eins.

Statt absurder Debatten über Deckel für Photovoltaik, flexibel einsetzbare Biomasse und Offshore-Windenergie sowie pauschale Mindestabstände für Wind an Land bräuchte es verbindliche Ausbauziele für 65 Prozent Ökostrom bis 2030, attraktive Bedingungen für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Anreize für Post-EEG-Anlagen und für die Kopplung der Sektoren.“

 
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Mittwoch, 01.04.2020, 10:05 Uhr