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Enerige & Management > Bilanz - Trianel rutscht erstmals ins Minus
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Trianel rutscht erstmals ins Minus
Neue Zeiten bei Trianel: Das Management muss einen einstelligen Millionenverlust, ein Sparprogramm und die Schaffung neuer Wachstumsfelder wuppen.
 
Erstmals in der nunmehr 18-jährigen Unternehmensgeschichte hat das Stadtwerkenetz Trianel eine Bilanz mit roten Zahlen vorgelegt: Statt des erwarteten leichten Gewinns gab es im vergangenen Geschäftsjahr bei einem stabil gebliebenen Umsatz von 2,1 Mrd. Euro ein Minus von 4,1 Mio. Euro. „In der Energiewirtschaft sind wir mittlerweile andere Fehlbeträge gewohnt, aber in dem Jahr unserer unternehmerischen Volljährigkeit haben wir uns ein anderes Ergebnis erhofft“, kommentierte Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung, das Zahlenwerk. Die mittlerweile 58 Gesellschafter, in den Jahren 2008 bis 2011 mit Gewinnen bis zu 7,5 Mio. Euro, hätten sich in der Tat ein schöneres Geburtstagsgeschenk gewünscht. Dieses Jahr wolle Trianel, so Becker, zumindest eine schwarze Null erreichen: „Das erste Halbjahr stimmt uns da optimistisch.“ Immerhin.

Als Hauptgründe für das letztjährige Minus nannte er den zunehmenden Margendruck bei den Großhandelspreisen sowie die Belastungen aus dem konventionellen Kraftwerksgeschäft. Ins Kontor schlägt bei Trianel neben dem Anteil am Gasspeicher im westmünsterländischen Gronau-Epe insbesondere die Beteiligung am Steinkohlekraftwerk Lünen, das 2013 vor den Toren Dortmunds in Betrieb gegangen ist. Beide vermeintliche Assets belasten das Trianel-Ergebnis derzeit mit jährlich rund 10 Mio. Euro. Nach Beckers Worten lagen die Verluste aller kommunalen Gesellschafter am Lüner Kohleblock „bei über 100 Millionen Euro“. Verkehrte Welt: Gerade von den fossilen Kraftwerksprojekten hatten sich die Trianel-Gesellschafter vor zehn Jahren bei den Investitionsentscheidungen einen stetigen, quasi nie versiegenden Geldzufluss versprochen.

Angesichts der „trüben Aussichten bei der konventionellen Erzeugung“ und den „fehlenden politischen Rahmenbedingungen“ sieht Becker „wenig Chancen für eine Besserung in nächster Zeit“. Was erklärt, dass Trianel mittlerweile Rückstellungen von rund 40 Mio. Euro für Gronau-Epe und vor allem Lünen gebildet hat – und zwar vorsorglich für die kommenden vier Jahre. Eindeutiges Indiz dafür, dass Trianel in nächster Zeit auf politischer Ebene nicht mit der gewünschten Schaffung eines Kapazitätsmarktes für effiziente Kohle- und Gaskraftwerke rechnet. Diese wohl letztlich von den Stromkunden zu zahlende Unterstützung wäre für moderne Kraftwerke wie die Trianel-Projekte in Hamm-Uentrop (Gas) und Lünen (Steinkohle) eine wirtschaftliche Infusionslösung.

Außerdem dreht Trianel an der Kostenschraube. Von dem bereits im vergangenen Jahr eingeleiteten Restrukturierungsprogramm erhofft sich das Management eine Einsparung von insgesamt 7,5 Mio. Euro. „Gut 4,7 Millionen Euro werden wir davon ins diesem Jahr davon schaffen, der Rest folgt 2018“, kündigte Beckers Geschäftsführerkollege Oliver Runte an, der zu Jahresbeginn auf Drängen einiger Gesellschafter für die Umsetzung des Sparprogramms an den Trianel-Hauptsitz nach Aachen geholt worden ist. Klar, dass bei der laufen Restrukturierung Arbeitsplätze wegfallen. „15 Prozent der Stellen“, so Runte, würden gestrichen. Ende vergangenen Jahres standen 347 Mitarbeiter auf der Lohnliste von Trianel.

Spannend wird zu beobachten sein, wie Trianel künftig ihr Geld verdienen wird. Nach den Worten von Runte und Becker gehören Aktivitäten wie Smart Metering, Elektromobilität und Energieeffizienz zu den Wachstumsfeldern des Unternehmens. So richtig klar umrissen ist das Portfolio aber noch nicht: „Im Mittelpunkt steht bei uns derzeit die Restrukturierung“, so Runte. Danach wird sich zeigen, ob Trianel mit dem bisherigen Brot-und-Butter-Geschäft, dem Handel und der Beschaffung, angesichts der zunehmenden Automatisierung in diesen Bereichen wirklich positive Deckungsbeiträge erwirtschaftet – zumal andere Energieversorger und -händler genauso dabei sind, ihre IT-Landschaften umzustricken.

Über das Tochterunternehmen Trianel Erneuerbare Energien GmbH (TEE) ist das Stadtwerkenetzwerk dabei, sein grünes Portfolio auszubauen. Von den bis 2020 angestrebten 275 MW sind nach eigenen Angaben bereits 140 MW (davon 113 MW Windkraft) in Betrieb. „Auch wenn sich die Rahmenbedingungen für die Windenergie an Land mit den Ausschreibungen deutlich verändert haben und damit auch die Renditen sinken, gehe ich davon aus, dass wir unser selbst gestecktes Ziel erreichen“, so Geschäftsführer Becker. Was zweifellos vorstellbar ist. Trianel hat noch einige Projekte auf Basis der alten EEG-Vergütung in der Pipeline, außerdem kann TEE Bestandsparks kaufen.

Ein Ziel haben sich Becker und Runte für ihre gemeinsame Arbeit auf die Fahnen geschrieben: „Wir wollen der Flexibilisierungs- und Digitalisierungsmanager für Stadtwerke werden.“ Wie dieses künftige Bild aussieht, interessiert nicht nur die 58 Trianel-Gesellschafter.

 
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Dienstag, 04.07.2017, 16:08 Uhr