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Enerige & Management > Vertrieb - TÜV Süd stellt neues Ökostromsiegel vor
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TÜV Süd stellt neues Ökostromsiegel vor
Mit seinem neuen Prüfzeichen beschränkt sich der TÜV nicht mehr nur auf die reine Zertifizierung eines Ökostromproduktes. Auf den Prüfstand kommen auch die Anstrengungen des Anbieters zum Gelingen der Energiewende.
 
Der TÜV Süd setzt neue Akzente im Ökostromsektor: Das Prüf- und Zertifizierungsunternehmen hat jüngst in München genau das Gütesiegel vorgestellt, das eine Reihe von Grünstromanbieter seit längerem fordern. „Wir haben damit den Schritt von der Produkt- zur Anbieterzertifizierung vollzogen“, betont Klaus Nürnberger, Leiter der Energiezertifizierung bei der TÜV Süd Industrie Service GmbH. Damit werden nicht mehr allein der Ökostromtarif auf den Prüfstand gestellt, sondern die Gesamtaktivitäten eines Energieversorgers – insbesondere für das Gelingen der Energiewende.

Angekündigt hatte Nürnberger diese Neuerung auf einem Ökostromkongress, der im Spätherbst 2013 in Berlin stattgefunden. Die TÜV-Zertifizierer hatten den Frust in Kreisen der Grünstromunternehmen wahrgenommen, die in den gängigen Ökostromsiegeln immer weniger ein Abgrenzungsmerkmal zu den Grünstromangeboten traditioneller Energieversorger sehen. Die Stimmung in Berlin fasst Ulfert Höhne, damals Vorstand von Greenpeace energy eG, so zusammen: "Wir müssen noch viel stärker die eklatanten Unterschiede bei den Ökostromfirmen bekannt machen, denn kein Verbraucher kauft seine Bio-Eier bei Produzenten, die ihr Geld hauptsächlich mit Legebatterien verdienen und als Feigenblatt einen Stall für ein paar Bio-Hühner gebaut haben.“ Für die Verbraucher sei wichtig zu wissen, was ein Unternehmen substanziell zum Gelingen der Energiewende beitragen: „Die Lieferung von grünen Kilowattstunden allein reicht nicht aus.“ Wichtig sei deshalb eine Gesamtbetrachtung des Unternehmens.

15 Monate habe die Entwicklung des neuen Kriterienkatalogs gedauert, erzählt TÜV-Mann Nürnberger. Wer demnächst mit dem Prüfzeichen „Wegbereiter der Energiewende“ seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Kunden erhöhen will, muss beim TÜV seine Aktivitäten in den Bereichen Energievertrieb, Erzeugung, Energiendienstleistungen und Energieverteilung offen legen. Nürnberger selbst spricht von einer „Premium-Zertifizierung mit Anforderungen, die schon ambitioniert sind.“ Daher erwartet auch einen eher überschaubaren Markt für das neue Gütesiegel: „Wir gehen davon, dass zwischen zehn und 15 Prozent der Grünstromanbieter das Prüfzeichen beantragen werden.“

Das neue Siegel können nur die Grünstromanbieter bekommen, die einen Atomstromanteil von Null bei ihrer Stromkennzeichnung ausweisen. Auch damit kommt der TÜV Süd Forderungen von engagierten Ökostromern entgegen: Aus deren Reihen hatte es beispielsweise Kritik an der Vergabe des ok-power-Siegel für das Ökostromprodukt von Vattenfall gegeben, ein Konzern, der bekanntermaßen nicht auf seine Atomkraftwerke verzichten will.

Nicht nur mit dem Verzicht auf die Atomkraft bei der Stromerzeugung will der TÜV Süd verhindert, dass entsprechende Energieversorger sich künftig mit dem neuen Ökostromsiegel schmücken können. Ein Passus in dem Kriterienkatalog schließt auch gesellschaftsrechtliche und finanzielle Verflechtungen aus. Explizit heißt es in Punkt 7.1.2: „Haben verbundene Unternehmen Aktivitäten in den Bereichen Energievertrieb, Energieerzeugung, Energiedienstleistungen und Energieverteilung, so sind sie obligatorisch in den Zertifzierungsumfang aufzunehmen, wenn der Zertifikatenehmer die Finanzkontrolle oder Kontrolle der Ablauflenkung hat.“

Können nun Öko-Tochterunternehmen der großen Energiekonzerne das Siegel „Wegbreiter der Energiewende“ irgendwie durch die Hintertür erhalten? TÜV-Mann Nürnberger stellt klar: „Derzeit wissen wir nicht, ob Tochter- oder Beteiligungsunternehmen der großen vier Stromkonzerne unsere Kriterien erfüllen können. Einen Antrag aus deren Reihen werden wir natürlich ebenfalls prüfen.“

Zufrieden mit dem neuen TÜV-Siegel zeigt sich Ralph Kampwirth. „Das entspricht in weiten Teilen unseren Vorstellungen“, sagt der Sprecher von LichtBlick, einem der führenden Grünstromanbieter hierzulande mit Sitz in Hamburg. Die Hanseaten haben zusammen mit Hamburg Energie und Bay.wa re als erste drei Unternehmen das neue Ökostrom-Siegel erhalten. „Unser Vertrieb ist froh darüber, da wir so ein neues, wichtiges Abgrenzungsmerkmal zu vielen unseriösen Angebote auf dem Markt erhalten haben“, sagt Kampwirth.

Dass der TÜV Süd den richtigen Weg mit dem neuen Prüfzeichen eingeschlagen hat, betont auch Aribert Peters. „Das Anbieten allein von Grünstrom ist heute nichts Besonderes mehr, da müssen die Unternehmen schon mehr bieten“, sagt der Vorsitzende des Bund der Energieverbraucher. Peters warnt allerdings vor einem Trugschluss: „Es werden sicherlich nicht alle Grünstrombieter sich dem kostenpflichtigen Zertifizierungsprozess des TÜV unterziehen, die das Zertifikat verdient hätten.“ So verzichteten beispielsweise die Elektrizitätswerke Schönau, deren Glaubwürdigkeit außer Zweifel stünde, bis heute auf jedes öffentlichkeitswirksame Gütesiegel für ihre Produkte. Peters kündigte an, dass der Bund der Energieverbraucher im kommenden Frühjahr auf der Internetseite www.energieanbieterinformation.de   anhand von eigenen Umweltkriterien die Nachhaltigkeit diverser Grünstromanbieter dokumentieren wird. „Anhand unserer Kriterien können die Verbraucher erkennen, inwieweit Energieversorger wichtige Umweltziele bereits erfüllt haben oder dabei sind.“

 
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Freitag, 24.10.2014, 16:02 Uhr