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Enerige & Management > Wasserstoff - Umstrittener Pfad zum Markthochlauf
Bild: Fotolia
WASSERSTOFF:
Umstrittener Pfad zum Markthochlauf
Auf dem Kongress der Deutschen Energieagentur (Dena) war die Umsetzung der Wasserstoffstrategie ein umstrittenes Thema. Wieviel und zu welchem Preis blieb die entscheidende Frage.
 
Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer diskutierten den Markthochlauf für Wasserstoff auf dem Kongress der Deutschen Energieagentur (Dena) in Berlin und online. In ihrem Eingangsstatement betonte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek das Fernziel eines klimaneutralen Deutschlands im Jahr 2050. Da 85 % Treibhausgasemissionen aus der Energieversorgung kämen, sei es unabdingbar, erneuerbare Energie in alle Sektoren zu bringen, wofür Wasserstoff ein Schlüsselelement sei.

„Besonders im Schwerlasttransport müssen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen fossile Treibstoffe ersetzen“, sagte die Minsterin. Für den Übergang sei dafür auch eine Produktion aus anderen Quellen als erneuerbarem Strom nötig, räumte Karliczek ein. „Wir wollen, dass Deutschland im vereinten Europa und der Welt eine Führungsrolle im Wasserstoffsektor einnehmen kann“, sagte Karliczek. Es brauche eine internationale Wasserstoffunion, weil anderswo mehr erneuerbare Energie erzeugt werden könne.

Für ihren Bereich betonte sie die Notwendigkeit, auch den Bildungsbereich auf die neue Welt vorzubereiten, um genug Fachkräfte für die Zukunft zu haben und ein Innovationsland zu bleiben. Mit Forschung und Innovation könne Deutschland nicht nur selbst grünen Wasserstoff herstellen, sondern auch zum globalen Ausstatter kostengünstiger Großelektrolyseure werden, hofft Karliczek. Ebenso wichtig seien Kreislaufwirtschaft und Recycling, zum Beispiel im Bereich der Batterietechnik.

Verschiedene Förderungen vorgesehen

Andreas Feicht, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, will die Komplexität reduzieren und eine Nachfrage für grünen Wasserstoff fördern. „Jede kWh Strom, die wir direkt aus einer erneuerbaren Erzeugung nutzen können, ist am günstigsten verwendet“, gab Feicht zu. „Aber wir brauchen auch die Möglichkeit zu speichern und Anwendungen klimaneutral zu machen, die über Strom nicht funktionieren“, begründete er die Notwendigkeit von Wasserstoff.

„Wenn die Wirtschaftlichkeit schon da wäre, müssten wir nicht eingreifen“, erinnerte Feicht. Die Wertschöpfungskette könne über Regulierung, OPEX-Förderung und Differenzverträge (CfD) gefördert werden. Die Angebotsseite brauche Hilfe zum Beispiel durch die Streichung der EEG-Umlage für Elektrolyseure aber auch durch Zuschüsse als OPEX-Förderung beim Bau der Anlagen.

Nachfrage erzeugt Angebot

Daniel Muthmann, Strategievorstand der Open Grid Europe (OGE), verlangte, für eine finanzkräftige, verlässliche Nachfrage für grünen Wasserstoff zu sorgen, zum Beispiel durch Carbon Leakage Regeln für grünen Stahl und Klimaschutzauflagen. „Dann werden entsprechende Nachfragen auch die Erzeugung anregen“, sagte er. Kirsten Westphal, Mitglied im Nationalen Wasserstoffrat, warnte: „Wir müssen uns auf Konkurrenz einstellen und auf Einsprüche anderer Wettbewerber, wenn wir zum Beispiel Carbon Leakage Schutz für unsere Industrie beim Weg zur Klimaneutralität einführen wollen.“

Es gab auch kritische Stimmern, die Wasserstoff nicht als Allheilmittel ansehen. Werner Götz, Geschäftsführer der Transnet BW, mahnte einen systhemischen Ansatz für den Klimaschutz an. „Wir sollten alle Energiequellen bedenken und nicht durch Subventionierung wirtschaftlich günstigere Technologien verdrängen“, sagte Götz. Gerade im Wärmebereich wünsche er sich mehr Markt als Regulatorik.

Effizienz nicht vernachlässigen

Felix Matthes, Koordinator für Energie und Klimaschutz am Öko-Institut, fragte: „Wer soll das bezahlen – Wasserstoff soll 50-100 Euro je MWh kosten, das ist Champagner, alle anderen preiswerteren Technologien müssen zuerst genutzt werden.“ Man sollte die Zahlungsbereitschaft und Zahlungsfähigkeit im Blick behalten und nicht mit Subventionen an den falschen Stellen versuchen, die Realität zu verzerren, warnte Matthes.

Gerade für den Wärmemarkt sagte Maximilian Viessmann, Co-Geschäftsführer Viessmann, Heizgeräte hätten eine Einsatzdauer von 20 Jahren und mehr, darum müssten schon jetzt Gebäude besser gedämmt werden und Gasgeräte bereit für Wasserstoff werden, sonst sei die Klimaneutralität bis 2050 nicht zu schaffen. Außerdem würden lokale Brennwertzellen, die Strom und Wärme für Gebäude erzeugen, künftig eine größere Rolle spielen. Das bereits existierende Gasnetz sei ein großer Speicher, der auch für Wasserstoff genutzt werden solle, erinnerte Viessmann.

Mehr erneuerbarer Strom ist Voraussetzung für grünen Wasserstoff

In der Online-Diskussion gaben Kongressteilnehmer zu bedenken, dass momentan nur 18 % des deutschen Primärenergiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt würden. Es brauche daher zuerst den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung, bevor Wasserstoff wirtschaftlich werden könne. Solare Wärme vor Ort zu erzeugen und zu speichern sei effektiver und billiger, als mit hohen Wandlungsverlusten Wasserstoff zu erzeugen, um ihn für Wärmepumpen rückzuverstromen.

Kritisiert wurde auch der Aufwand von 5 Mrd. Euro, mit dem die deutsche Wasserstoffproduktion von heute von 47 Mrd. MWh auf 110 Mrd. MWh erhöht werden soll, auch wenn dadurch Wasserstoff aus Erdgas ersetzt werde. Heute koste die Erzeugung von „grauem“ Wasserstoff, etwa aus Erdgas und mit CO2-Emissionen ein bis zwei US-Dollar pro Kilogramm, grüner Wasserstoff aus erneuerbarem Strom dagegen etwa 10 US-Dollar pro Kilogramm. Insofern sei ein globaler Preis auf Treibhausgasemissionen die beste Lösung, klimafreundliche Technologien zu fördern.

 
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