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Enerige & Management > Kohlekraftwerke - Vattenfall plant Stilllegung von Moorburg
Bild: Photocase.com, Markus Imorde
KOHLEKRAFTWERKE:
Vattenfall plant Stilllegung von Moorburg
Vattenfall hat in der ersten Auktion zum Steinkohleausstieg bei der Bundesnetzagentur Kapazitäten des Kraftwerks Moorburg angeboten. Das Gebot wurde am 1. September eingereicht.
 
Wie Vattenfall gegenüber E&M erklärte, wurden zeitgleich die Mitarbeiter über das Stilllegungsgebot für Moorburg informiert. Als Voraussetzung für die Auktionsteilnahme vereinbarten am vorhergehenden Wochenende Vertreter des Unternehmens, der Arbeitgeberverband und die IG Metall einen entsprechenden Tarifvertrag. Dieser regelt für den Fall erfolgreicher Gebote wesentliche Rahmenbedingungen für die Beschäftigten.

„Sollte Moorburg in dieser Auktionsrunde zum Zuge kommen und einen Ausgleich für die Stilllegung von Kapazitäten erhalten, müsste Vattenfall den entsprechenden kommerziellen Betrieb bereits Ende dieses Jahres einstellen“, erläuterte das Unternehmen. Die jeweilige Kapazität müsste auf Anfrage des Übertragungsnetzbetreibers (50 Hertz) noch für sechs Monate für Systemdienstleistungen zur Verfügung stehen und im Juli 2021 die Kohlebefeuerung endgültig einstellen.

Entscheidung der Bundesnetzagentur erwartet

„Sollte Moorburg nicht zum Zuge kommen, werden wir fortfahren, sämtliche Zukunftsperspektiven für das Kraftwerk Moorburg und für seine Beschäftigten in Betracht zu ziehen und zu prüfen“, versicherte Vattenfall. Die Bundesnetzagentur wird das Ergebnis der ersten Gebotsrunde über insgesamt 4.000 MW Kapazität spätestens am 1. Dezember 2020 bekannt geben, vorbehaltlich der beihilferechtlichen Genehmigung durch die EU-Kommission. Weitere Auktionsrunden im Rahmen des Steinkohleausstiegs in Deutschland folgen von 2021 bis 2024.

„Es ist eine schwere Entscheidung, weil es ein junges, hocheffizientes Kraftwerk ist“, sagte Vattenfall-Chef Magnus Hall der Süddeutschen Zeitung. „Wenn man aber andererseits Geld damit verliert, muss man etwas tun“, begründete Hall die Stilllegungspläne. Das Kraftwerk besteht aus zwei Blöcken mit einer Leistung von jeweils gut 800 Megawatt und ist offiziell seit 2015 in Betrieb. Es ist eines der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke in Deutschland und sollte eigentlich bis 2038 am Netz bleiben. 
Ob Moorburg bei der Auktion der Bundesnetzagentur den Zuschlag erhält, ist offen. Die Entscheidung richtet sich nach der Höhe der vom Betreiber geforderten Entschädigung, aber auch nach vermiedenem CO2-Ausstoß. Moorburg hat als modernes Kraftwerk eher bessere Werte je erzeugter Stromeinheit als ältere Mitbewerber. Zudem spielt die Versorgungssicherheit eine Rolle, da Moorburg ein wichtiger Baustein in der norddeutschen Stromversorgung ist.
 
Das Hamburger Steinkohlekraftwerk Moorburg
Bild: Vattenfall

Hamburger Politik will Kohleausstieg

Das Kraftwerk Moorburg ist seit vielen Jahren in der Hamburger Politik umstritten. Es wurde in den 2000er Jahren geplant und auf Wunsch des damaligen CDU-Senats unter Ole von Beust doppelt so groß wie zunächst vorgesehen. Angesichts der starken Windstromerzeugung im Norden läuft es nur selten voll ausgelastet. Auch die geplante Nutzung als kombiniertes Strom- und Wärmekraftwerk für die Hamburger Fernwärmeversorgung kam nicht zustande, was die Wirtschaftlichkeit weiter verschlechtert.

Das Kraftwerk kann bis zu elf Mio. MWh Strom pro Jahr erzeugen und stößt bei voller Last jährlich rund acht Mio. Tonnen CO2 aus, 2019 waren es nur 4,7 Mio. Tonnen wegen mangelnder Auslastung. Hamburgs Senat unter Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will früher als geplant aus der Kohleverstromung aussteigen. Er hatte vor der Bürgerschaftswahl angekündigt, einen der beiden Kraftwerksblöcke stillzulegen und den anderen zum Gaskraftwerk umbauen zu lassen.

Betreiber Vattenfall erklärte ein Leben ohne fossile Brennstoffe „innerhalb einer Generation“ zum Unternehmensziel. „Der Standort ist ideal für innovative und klimafreundliche Energiepolitik, etwa zur Produktion von grünem Wasserstoff“, sagte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) zur Pesrpektive von Moorburg.

 
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Freitag, 04.09.2020, 13:15 Uhr