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Enerige & Management > IT - Weniger Monolithen, mehr Module
Bild: monsitj / Fotolia
IT:
Weniger Monolithen, mehr Module
Wie stellen sich die Softwareanbieter in der Energiewirtschaft den sich wandelnden Anforderungen des Marktes? Diese Frage ist Ausgangspunkt einer Untersuchung des BEMD.
 
Nicht weniger als einen vollständigen Marktüberblick über die Abrechnungssysteme in der Energiewirtschaft will der Bundesverband der Energiemarktdienstleister (BEMD) mit seiner Transparenzinitiative schaffen. Nach einer ersten Umfrage 2017 ist er mit der Erhebung 2019, die kürzlich vorgestellt wurde, diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen: In einer systematischen Analyse hat die Arbeitsgruppe „IT-Lösungen: Meter to Cash“ darin die Produkte von 21 Anbietern unter die Lupe genommen und damit den einschlägigen Softwaremarkt nach eigener Einschätzung weitgehend erfasst.

Die erste Untersuchung vor knapp drei Jahren bezog sich auf 14 Anbieter, die anhand eines Katalogs von 70 Hauptkriterien und 289 Datenfeldern bewertet wurden. Dabei ging es um konkrete Softwareanwendungen, die die Prozesskette vom Zähler bis zur Abrechnung und zum Zahlungseingang abbilden: unter anderem um das Vertragsmanagement, die Prozesse im Messwesen, die Einspeiseabrechnung, die Verbrauchsabrechnung von Kunden nach Standardlastprofil oder registrierender Leistungsmessung sowie um die Funktion der Rechnungsprüfung. Es wurde aber auch abgefragt, wie sich die IT-Unternehmen organisatorisch aufstellen und mit welcher strategischen Ausrichtung sie die kommenden Herausforderungen angehen wollen. Denn die Kunden müssten natürlich sicher sein, dass das jeweilige Softwarehaus über ausreichend Ressourcen verfügt − insbesondere Entwicklerteams und eine ausreichende Partnerstruktur. Nur so könnten kontinuierliche Verbesserungen und Anpassungen an veränderte gesetzliche und technologische Rahmenbedingungen gewährleistet werden, erklärte damals Ingo Schöbe, der die Arbeitsgruppe „Meter to Cash“ beim BEMD leitet. 
 
Trend zur Modularisierung besonders im Vertrieb
 
Um angesichts einer immer komplexer werdenden Energiewirtschaft den sich rasch wandelnden Anforderungen auch wirklich Rechnung zu tragen, reichte der 2017 gewählte Betrachtungshorizont nicht mehr aus. Technologietrends wie Process Mining oder Robotic Process Automation drängen in die betriebliche IT und eröffnen Chancen für mehr Effizienz und öffnen vor allem so manche Tür zu neuen Geschäftsmodellen. „Diese Entwicklung spiegelt sich in unserem erweiterten Fragenkatalog wider“, betonte Schöbe im Gespräch mit E&M. Und eine weitere Erkenntnis hat die jüngste Auflage der Transparenzinitiative maßgeblich geprägt:

Die Nutzer stellen sich immer häufiger die Frage, ob monolithische Lösungen der Komplexität des Marktes tatsächlich noch gerecht werden können. „Deshalb haben wir auch die Plattformfähigkeit der jeweiligen Software untersucht“, so Schöbe.
„Gerade im Vertrieb sehen wir einen Trend zur Modularisierung“, sagt Michael Utecht. Wer ein neues Geschäftsmodell starte, wünsche sich in der Regel Flexibilität, um schnell umsteuern, anpassen oder auch einzelne Dienstleistungen wieder zurückfahren zu können, so der Director Digital Business, der bei SAP Deutschland für das Business Development im Segment der Energieversorger verantwortlich ist.  
Der BEMD hat untersucht, ob die IT-Anbieter auch neue Geschäftsmodelle abbilden können
Grafik: BEMD

 Entsprechend haben die Experten des BEMD ihr Augenmerk in der jüngsten Umfrage auch auf die neuen Geschäftsmodelle jenseits des klassischen Kilowattstundenverkaufs gerichtet. Es ging dabei um die Frage, ob ein Anbieter heute schon etablierte Energiedienstleistungen und auch neue Ansätze wie etwa Blockchain-Lösungen integriert hat. So hat sich gezeigt, dass 91 % der Softwareunternehmen Non-Commodity-Produkte abbilden können und 82 % fertige Produkte für Mieterstromangebote haben. Gleichzeitig haben jedoch nur 41 % Erfahrungen mit Chatbots und lediglich 27 % mit Voicebots. Bei innovativen Themen zeige sich noch eine gewisse Zurückhaltung, heißt es in einer Broschüre des Verbands. Zwar bieten schon 64 % der Anbieter Lösungen für die Ladesäulenabrechnung an, aber erst 23 % können mit Smart Contracts, also mit Blockchain-Lösungen, umgehen.
 
Vielfältige Gründe für einen Mix verschiedener Module
 
Der Wunsch nach Flexibilität spielt eine wesentliche Rolle, aber auch die „Legacy-Welt“, wie Schöbe die über Jahre hinweg gewachsene IT-Landschaften in den Unternehmen nennt, sei nicht zu vernachlässigen. Denn wer mit einer Lösung zufrieden sei und Mitarbeiter habe, die sich mit dem entsprechenden System gut auskennen, wechsle nicht so schnell den Anbieter. Dass auch immer wieder Konzernmütter ein Interesse daran haben, bestimmte IT-Lösungen bei ihren Tochtergesellschaften im Einsatz zu sehen, liegt ebenfalls auf der Hand. Die Gründe für einen Mix unterschiedlicher Module sind vielfältig.

„Eine Plattform hat jedoch keineswegs den Anspruch, als eine technologische Lösung durchgängig jede Applikation anbieten zu können“, stellt Schöbe klar. Es gehe vielmehr um eine sauber integrierte, modulare Gesamtlandschaft, sei es in der Cloud oder einem flexiblen Rechenzentrum, gepaart mit einem Betriebs-, Betreuungs- und Fortentwicklungsmodell. Im Idealfall ist sie gut planbar und vor allem kosteneffizient.
Anhand von sieben Kriterien hat der BEMD die „Plattformstärke“ der IT-Lösungen ermittelt. Das erste Kriterium sind Basiseigenschaften wie Modularität, Web Client oder Mandantenfähigkeit, ein weiteres ist die Transparenz des Datenmodells. Darüber hinaus werden die Schnittstellen zur Anbindung weiterer Komponenten, die Datenbankstrukturen, die Programmiersprachen der Applikationen, die sogenannte Middleware und die Entwicklungsplattform bewertet.

Trotz des Trends zum Multisourcing gibt es aber natürlich auch noch die vollumfänglichen Lösungen. Wer vom Kassenautomat über die EEG-Abrechnung bis zur Marktkommunikation für alle Marktrollen ein durchgängiges System haben möchte, kann dies natürlich bekommen. Vor allem für jemanden, der mit wenig Personal eine große Breite an Funktionen zu besetzen hat, sei das durchaus eine Option, meint Schöbe.

Doch in 90 % aller Fälle, in denen ein Unternehmen seine IT erneuern, ergänzen oder erweitern wolle, wähle es einen Best-of-Breed-Ansatz, um sich die für die eigenen Belange jeweiligen Anwendungen am Markt herauszupicken, sagt der BEMD-Vorstand. Schöbe weiß, wovon er redet, denn in seiner Funktion als Vice President Consulting beim IT-Dienstleister Gisa erleben er und seine Mitarbeiter immer wieder solche Kundenanfragen.
 
„Von einer generellen Abkehr von IS-U kann keine Rede sein“
 
Eine ganze Reihe von Energieversorgern reagiert damit auf die Abkündigung der Wartung der Branchenlösung IS-U auf Basis von ECC von SAP. Mit der Ankündigung des Softwarekonzerns, künftig auf SAP S/4HANA Utilities umzuschwenken, ist Bewegung in den Markt für Abrechnungssysteme gekommen. Michael Utecht ist wichtig zu betonen, dass von einer generellen „Abkehr von IS-U“ aber keine Rede sein könne. Die Funktionen werden nach wie vor vorhanden sein, versichert er.

Durch den Übergang zu SAP S/4HANA Utilities − dabei liegt darunter ein Datenbanksystem, das im Arbeitsspeicher eines Servers läuft − lasse sich ein höherer Automatisierungsgrad erreichen und Prozesse könnten vereinfacht werden.

Das zahle sich beispielsweise bei ersten Implementierungen im Zuge der „Mako 2020“ aus, erklärt Utecht und verweist auf die Einführung von SAP S/4HANA durch den Messdienstleister Voltaris gemeinsam mit dessen Gesellschaftern VSE und Pfalzwerke. Diese hatten zum 1. Dezember des vergangenen Jahres die Vorgaben der Bundesnetzagentur zur Datenkommunikation zwischen den verschiedenen Marktrollen über die „Mako-Cloud“ von SAP umgesetzt und sich lobend sowohl über Effizienz als auch Geschwindigkeit der Prozesse geäußert. Und auch Volker Schirra, der technische Geschäftsführer von Voltaris, fand damals anerkennende Worte: „Anhand unserer Rückmeldungen werden die Lösungen seitens SAP möglichst passgenau für die bestehenden Markt- und Kundenanforderungen weiterentwickelt und dadurch immer stabiler.“

So wie Gisa mit SAP und Wilken eng zusammenarbeitet, bringen alle Experten der BEMD-Arbeitsgruppe aus ihren jeweiligen Häusern wie der Regiocom, HSAG oder Thüga Smart Service ihren tieferen Einblick in die Systeme anderer Anbieter ein. „So können wir die Angaben sehr gut plausibilisieren und auch verifizieren“, betont Schöbe. Ein Code of Conduct verhindert, dass es unzulässige Absprachen gibt, die die Marktübersicht verfälschen, und dass interne Informationen aus dem Arbeitskreis an die IT-Firmen weitergegeben werden. Damit sei auf jeden Fall gewährleistet, dass individuelle Interessen der einzelnen Häuser im Hintergrund bleiben. Denn der zweiten Auflage der BEMD-Transparenzinitiative sollen weitere folgen. „Wir sind froh, dass wir ein solches Instrument haben, und werden alles dafür tun, es als unabhängige Marktübersicht zu erhalten“, verspricht Schöbe.

 
Anbieterübersicht als PDF. Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken
Quelle: BEMD
 Anbieter stellen sich in einem Pitch aktuellen FragenNachdem der BEMD/BDEW-Kongress „IT-Lösungen: Meter to Cash 2020“ im März kurzfristig der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen war, ist er nun für den 3. und 4. September in Frankfurt am Main vorgesehen. Notfalls könnte er − schließlich geht es um die Digitalisierung − auch „remote“ stattfinden. Es sollen Details zur Studie vorgestellt und fast alle der untersuchten Anbieter sich in einem Pitch aktuellen Fragen im Kontext von Meter to Cash stellen. Nähere Informationen gibt es auf der Internetseite des BEMD.

 
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Mittwoch, 22.07.2020, 08:23 Uhr