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Enerige & Management > Contracting - Energiespar-Contracting zieht erfolgreich Bilanz
Bild: Margot Dertinger-Schmid
CONTRACTING:
Energiespar-Contracting zieht erfolgreich Bilanz
Gemeinsam mit Siemens konnte das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide bislang 12,5 Mio. Euro Energiekosten einsparen.
 
Das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide mit seinen mehr als 700 Betten gilt als größtes medizinisches Zentrum im Weser-Elbe-Dreieck. Jährlich werden hier etwa 27.000 Patienten stationär und rund 26.000 ambulant behandelt sowie rund 38.000 Notfälle versorgt. Auf dem Areal des 1976 errichteten Krankenhauses sind heute 14 Kliniken und zwei Institute angesiedelt. Aber knapp 30 Jahre nach der Eröffnung zeigte sich, dass die Gebäudetechnik saniert werden musste.

 
Das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide
Bild: Christof Mattes
 
Aus diesem Grund entschied sich die Leitung der Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide gGmbH 2004 für eine energetische Modernisierung ihrer gebäudetechnischen Anlagen. Mit Siemens als Partner wurde dies umgesetzt − ohne den laufenden Krankenhausbetrieb zu beeinträchtigen. Die bislang eingesparten Kosten und CO2-Emissionen übertrafen die Erwartungen.

Die Klinikleitung startete im März 2005 eine Ausschreibung auf Basis eines Energiesparcontractings. Wertvolle Unterstützung bot dabei die Bremer Energie-Konsens GmbH: Die gemeinnützige Klimaschutzagentur GmbH für das Land Bremen begleitet Unternehmen bei der erfolgreichen Planung und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen. Der Zuschlag ging an Siemens. Schon im Dezember 2005 kam es zur Vertragsunterzeichnung.

Umbauphase gleich Operation am offenen Herzen

Im Januar 2006 begann die 15-monatige Umbauphase. Mit 120 Einzelmaßnahmen war das Projekt nicht nur ausgesprochen umfangreich − darüber hinaus galt es, Störungen des laufenden Krankenhausbetriebs so gering wie eben möglich zu halten. „Wir haben eine erfolgreiche Operation am offenen Herzen durchgeführt“, fasst Jürgen Breuer, Leiter Technik und Bau des Klinikums, seine Erinnerungen an den Umbau zusammen. „Dank der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten haben Patienten und Mitarbeiter den Umbau hinter den Kulissen kaum bemerkt.“
Unter anderem wurden die Zentralanlagen der raumlufttechnischen Anlagen komplett entkernt und nach dem neuesten Stand der Technik wieder aufgebaut. Hierdurch konnte der Stromverbrauch der Klima- und Lüftungsanlagen auf ein Drittel des Ursprungswerts gesenkt werden, der Wärmeverbrauch sogar um über 80 %.

Auch die Gebäudeleittechnik wurde erneuert. Über das Lastmanagement der neuen Gebäudeleittechnik Desigo wird die Lastspitze beim Strom in die Nebenzeiten verschoben. Die Entlastung des Stromnetzes im Hochlastzeitfenster bedeutet nicht nur einen Beitrag zur Energiewende. Das Klinikum spart darüber hinaus etwa 50.000 Euro Leistungskosten im Jahr. Investitionen erfolgten auch in die Erneuerung der Niederspannungshauptverteilung, in Wassersparmaßnahmen und in die Modernisierung der Steril- und Küchentechnik. Nicht zuletzt fanden Schulungen statt, um das Personal in Sachen Energiesparen fit zu machen.
 
Bei der umfangreichen Sanierung wurde auch die Leittechnik komplett erneuert
Bild: Siemens


Teil der energetischen Modernisierung war zudem der Aufbau eines Energiedatenmanagements mit über 120 Zählern, das den Verbrauch von Strom, Wärme und Dampf transparent macht. Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der energetischen Modernisierung der Gebäudetechnik ist für Technikleiter Jürgen Breuer ganz klar die Verknüpfung der Gewerke: „Bei einer Sanierung sollten die Maßnahmen aufeinander abgestimmt sein, denn vieles greift ineinander. So lassen sich die besten Ergebnisse erzielen.“

Einsparungen über den Erwartungen

Als Contractor hatte Siemens die erforderlichen Erstinvestitionen von 9,23 Mio. Euro in energiesparende Maßnahmen getätigt. Diese wurden durch die erzielten und vertraglich garantierten Einsparungen bei den Energiekosten refinanziert.
Mit dem Ende der Umbaumaßnahmen begann am 1. Mai 2007 die Hauptleistungsphase des Energiesparcontractings. Konkret bedeutete das für das Klinikum, dass erst ab diesem Zeitpunkt die Refinanzierung der von Siemens getätigten Erstinvestition anlief. Für diese Refinanzierung hatte Siemens dem Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide vertraglich Einsparungen in Höhe von 26,5 % garantiert. Als Vergleichsbasis dienten jährliche Netto-Energiekosten von ursprünglich 2,46 Mio. Euro. Die Garantie wurde bereits im ersten Jahr übertroffen: Der tatsächlich erreichte Wert betrug 31,2 %. Zum Ende der Hauptleistungsphase am 30. April 2019 wurden sogar Einsparungen in Höhe von 40 % erzielt.

Insgesamt konnte das Klinikum über die gesamte Vertragslaufzeit so rund 12,5 Mio. Euro Energiekosten einsparen. „Das Ergebnis hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Dabei bewerten wir besonders positiv, dass uns die bereits in der Umbauphase erzielten Einsparungen zu 100 Prozent zugutekamen“, sagt Breuer.
Profitiert hat das Klinikum auch in einem weiteren Punkt: Für die vertraglich garantierten Einsparungen wurden die Energiepreise zu Projektbeginn zugrunde gelegt, die während der zwölfjährigen Vertragslaufzeit jedoch teils erheblich gestiegen sind. Die durch die realisierten Sparmaßnahmen vermiedenen Energiekosten haben sich daher für das Krankenhaus positiv ausgewirkt, indem sie den Effekt der Kostenreduzierung deutlich verstärkten.

Jede eingesparte Kilowattstunde hat über die Vertragslaufzeit an Wert gewonnen und unterstreicht damit auch die nachhaltige kaufmännische Wirkung von Energieeffizienzprojekten.

Breuer hat die damalige Entscheidung für das Energiesparcontracting bis heute nicht bereut: Der Initialaufwand für die Ausschreibung sei zwar hoch. „Insbesondere der Bremer Energie-Konsens hat uns dabei sehr geholfen. Aber die Arbeit lohnt sich“, resümiert er. „Allerdings muss man bereit sein, sich in die Karten schauen zu lassen. Schließlich kommt jemand von außen, der mit seiner Expertise Defizite aufdeckt“, so Breuer.

Während der zwölfjährigen Laufzeit wurden auch neue Projekte umgesetzt. 2016 beispielsweise die Errichtung eines Blockheizkraftwerks auf dem Klinikgelände, das einen weiteren wesentlichen Beitrag zu einer verbesserten Energieeffizienz leistet. Auch nach Ablauf der vereinbarten Hauptleistungsphase wird die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum und Siemens Smart Infrastructure fortgeführt, denn Siemens betreut weiterhin die Gebäudeleittechnik und das Energiemanagement im Krankenhaus.

Das Ergebnis übertrifft die Erwartungen aller Beteiligten: Während der zwölf Jahre dauernden Hauptleistungsphase, die im Mai 2019 endete, konnten rund 12,5 Mio. Euro Energiekosten und über 42.400 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. E&M
 

 
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Dienstag, 22.12.2020, 11:36 Uhr