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BHKW-RANKING:
Absatzdelle fast ausgebügelt
Das zum 1. Januar 2009 novellierte KWK-Gesetz und das neue EEG haben in Deutschland die Nachfrage nach BHKW forciert.
 

Der deutsche Markt für fossil und biogen betriebene Blockheizkraftwerke ist 2009 und voraussichtlich auch 2010 deutlich gewachsen. Damit ist wohl der Absatzeinbruch ausgeglichen, den 2008 die unklaren politischen Rahmenbedingungen verursacht haben. Diese positive Entwicklung zeigt die erste Auswertung der jüngsten Umfrage unter BHKW-Anbietern, die das Öko-Institut in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) und Energie & Management alljährlich durchführt.

Es ist bereits zur Tradition geworden, dass E&M zunächst das unternehmensbezogene BHKW-Ranking veröffentlicht, während eine Bewertung des BHKW-Zubaus durch das Öko-Institut nachfolgen wird. Für die zweite Auswertung reicht es nämlich nicht aus, die Unternehmensangaben zu addieren, weil „Doppelzählungen" herausgerechnet werden müssen. Dies liegt daran, dass manches BHKW durch mehrere „Hände" geht, bevor es an einen Endkunden ausgeliefert wird.

Die Fertigungstiefe der einzelnen BHKW-Anbieter ist nämlich unterschiedlich: Einige Unternehmen fertigen komplette BHKW-Module mit eigenen Motoren oder mit angepassten Fremdmotoren an. Packager beziehen so genannte Genstes - die Einheit aus Motor und Generator - und komplettieren diese mit den Komponenten zur Wärmenutzung und mit Anlagensteuerung. Anlagenbauer kaufen fertige BHKW-Module und setzen sie in Containern oder in fest installierten Anlagen ein. Und was die Sache noch schwieriger macht: Es gibt Anbieter, die in einem Marktsegment Kompletthersteller sind, in einem anderen Segment als Packager agieren und zusätzlich auch noch als Anlagenbauer tätig sind. Für das Marktgewicht eines Unternehmens, das in dem Ranking abgebildet wird, zählen alle diese Leistungen.

Zweistellige Wachstumsraten im BHKW-Markt

An der diesjährigen Umfrage haben sich 26 Unternehmen beteiligt, dank der Hartnäckigkeit von Sabine Gores vom Öko-Institut. Nicht mehr dabei sind die Firmen Abasto und AGO, die als Anlagenbauer und Contractoren BHKW-Module von Drittherstellern einsetzen. Zurückgekehrt, nach einer Pause in der Umfrage von 2008, ist Giese. Statt Spilling erscheint nun das Schwesterunternehmen Powertherm Energie Systeme in der Aufstellung, das nun die 20-kW-BHKW vertreibt, während sich Spilling auf Dampfmotoren konzentriert.

Das Ranking nach Leistung der 2009 ausgelieferten BHKW (Tabelle 1) zeigt bei fast allen Beteiligten zweistellige Zuwachsraten. Die Spitzenposition hält laut den von den Unternehmen gelieferten Daten weiterhin die Mannheimer MWM, die eben vom US-Konzern Caterpillar erworben wurde. Platz zwei belegt wie im Vorjahr Jenbacher, die Gasmotorensparte der GE Energy. Auf Platz 3 ist die 2G Energietechnik aufgestiegen, die ihren Absatz gegenüber 2008 mehr als verdoppelt hat. Bemerkenswert bleibt der Platz 11 der Senertec; getreu dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist" hat der Schweinfurter Hersteller Mini-BHKW der 5-kW-Klasse mit einer Gesamtleistung von rund 14 MW abgesetzt.

Entgegen der generellen Marktentwicklung weisen ESS, Bosch Thermotechnik/Buderus und Köhler & Ziegler Absatzverluste aus. Dies sind wohl die Folgen der nicht ganz reibungslosen Neugruppierung: Die Landsberger ESS, die früher auch BHKW für Buderus gefertigt hat, gehört seit August 2008 zu Viessmann. Dafür erwarb Bosch Thermotechnik im Dezember 2009 von der insolventen Schmack Biogas AG die in Lollar beheimatete Köhler & Ziegler Anlagentechnik. Schmack Biogas selber wurde von der Viessmann-Gruppe übernommen. Für Köhler & Ziegler brachten die Turbulenzen einen Absturz um acht Positionen auf Platz 18.

Betrachtet man die Anzahl der verkauften BHKW-Module (Tabelle 2), bleibt auch 2009 Senertec der unangefochtene Spitzenreiter, gefolgt wie bisher von Power Plus Technologies. Auf Platz 3 findet sich der „Neuling" Giese, während sich 2G Energietechnik - wohl auch dank der Aktivitäten der Tochter 2G Home im Sektor der Mini-BHKW - um 10 Ränge auf Platz 4 katapultierte.

Das Ranking der Erdgas-BHKW (Tabelle 3) führt wie gewohnt MWM an, Jenbacher ist auf Platz 2 zurückgekehrt und von dort Zeppelin auf Platz 3 verdrängt. Einen deutlichen Sprung nach vorne haben 2G Energietechnik und ETW Energietechnik geschafft, etwas gerupft wurden ESS und Köhler & Ziegler. Den letzten Platz nimmt Sanevo ein, einer der Anbieter des noch in der Markteinführungsphase steckenden Whispergen-Mikro-BHKW. Berücksichtigt man in einer ersten groben Schätzung die Doppelzählungen, so hatte 2009 der Gesamtmarkt der Erdgas-BHKW ein Volumen von rund 200 MW, was einen Anstieg um etwa 60 MW bedeutet. Das Gesamtvolumen der 2009 abgesetzten Biogas-BHKW stieg schätzungsweise um rund 80 MW auf etwa 240 MW. Die frühere Dominanz des Biogas-Sektors über die Erdgas-Anwendungen ist damit fast gebrochen.

Auch das Ranking für Biogas-BHKW (Tabelle 4) zeigt überwiegend zweistellige Zuwachsraten, wobei es nur wenige Verschiebungen in der Rangfolge der Anbieter gibt. Auf dem Podest stehen unverändert MWM, Jenbacher und Schnell, 2G Energietechnik schiebt sich mit einem fast verdoppelten Absatz vor Seva Energie auf Platz 4. Einen deutlichen Auftragsrückgang musste im Biogas-Sektor Köhler & Ziegler verkraften, verursacht wohl durch die Turbulenzen des damaligen Hauptanteilseigners Schmack Biogas. Ein kräftiges Minus hat auch Zeppelin eingefahren; für den Erdgasspezialisten ist der Biogassektor immer noch ein Neuland.

Nur marginale Bedeutung haben Heizöl-BHKW (Tabelle 5). Auch hier ist 2009 MWM mit rund 6 MW der Spitzenreiter; ein Jahr davor haben die Mannheimer keine Heizöl-BHKW gemeldet. Eingebrochen ist der Absatz von Pflanzenöl-BHKW (Tabelle 6), was wohl mit den Eskapaden der Rapsöl-Preise und der Verunsicherung bezüglich der Nachhaltigkeit des importierten Palmöls zu tun hat. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass nur wenige der in diversen Listen geführten Pflanzenöl-BHKW-Hersteller ein Interesse an unserer Umfrage gezeigt haben.

Verunsicherung durch Abbruch des Mini-BHKW-Impulsprogramms

Eine positive Entwicklung mit einem geschätzten Zuwachs um rund 130 MW verspricht auch das laufende Jahr, was die vorläufigen Zahlen der Unternehmen für 2010 zeigen (Tabelle 7). Mit einem bescheidenen Zuwachs von 3 % wird wohl MWM seine Spitzenposition halten können, ansonsten überwiegen zweistellige Zuwachsraten. Aus der Reihe tanzt, diesmal im positiven Sinne, Köhler & Ziegler. Das Unternehmen steigt mit einer Verzehnfachung des Absatzes um elf Ränge auf Platz 7 und hat damit den Einbruch von 2009 mehr als ausgeglichen.  Für Anbieter von Mini-BHKW ist das Jahr 2010 allerdings nicht so gut wie 2009 gelaufen, was das Absatzminus bei Senertec, Powertherm und Power Plus zeigt. Die Ursache dafür dürften die Unsicherheiten bei der Fortsetzung des Mini-KWK-Impulsförderprogramms sein, das erst im Herbst endgültig von der schwarz-gelben Koalition im Bund auf Eis gelegt wurde. Ob es ohne diese zusätzliche Investitionsförderung Sanevo tatsächlich gelingt, in diesem Jahr 250 Whispergen-BHKW abzusetzen, bleibt abzuwarten. Das Stirling-Mikro-BHKW, das auch von 2G Home und von der Gasag-Tochter DSE Direkt-Service Energie GmbH vertrieben wird, könnte aber in den kommenden Jahren eine deutlich gewichtigere Rolle im BHKW-Markt spielen und zumindest bei der Zahl der verkauften Module einen der oberen Plätze im Ranking belegen.

Das verbesserte KWK-Gesetz dürfte auch künftig den BHKW-Markt stützen, doch mit zusätzlichem politischem Rückenwind kann die Branche kaum rechnen. Die Kraft-Wärme-Kopplung ist offensichtlich von der Prioritätsliste der derzeitigen Bundesregierung verschwunden; in dem kürzlich verabschiedeten Energiekonzept wird die KWK nur am Rande erwähnt. Wie sich diese politische Ignoranz auf den Markt auswirkt, wird allerdings erst die nächste BHKW-Umfrage zeigen.

Hilfen und Hürden

Das am 1. Januar 2009 in Kraft getretene novellierte KWK-Gesetz hat die Förderung der KWK-Anlagen deutlich verbessert. Für den BHKW-Markt entscheidend ist dabei, dass nun auch für den selbstgenutzten KWK-Strom ein Zuschlag gezahlt wird. Gefördert werden neue oder modernisierte KWK-Anlagen auch oberhalb der bisher gültigen Leistungsgrenze von 2 MW.

Neu ist auch die Staffelung der Zuschläge: Für den Leistungsanteil bis 50 kW gibt es 5,11 Ct/kWh, zwischen 50 kW und 2 MW sind es 2,1 Ct/kWh und oberhalb von 2 MW werden 1,5 Ct/kWh gezahlt. Allerdings bleibt die Förderdauer unterschiedlich: Mini-KWK-Anlagen bis 50 kW elektrischer Leistung erhalten den Zuschlag für 10 Jahre, Anlagen oberhalb von 50 kW nur für 6 Jahre, maximal aber für 30 000 Vollbenutzungsstunden. Für Anlagen, die mit Wärme Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes versorgen, ist die Förderdauer auf vier Jahre begrenzt.

Diese unterschiedliche Förderung führt dazu, dass weiterhin 50-kW-BHKW auch dort eingesetzt werden, wo eigentlich etwas größere KWK-Anlagen sinnvoller wären. Die Gründe verdeutlicht ein Rechenexempel: Für ein 60-kW-BHKW, das 5 000 h im Jahr betrieben wird, summiert sich die Förderung bei einer durchschnittlichen Zuschlagszahlung von 4,6 Ct/kWh auf 82 950 Euro. Ein 50-kW-BHKW bekommt aber 5,11 Ct/kWh zehn Jahre lang, was zusammen 127 750 Euro ausmacht.

Als starke Triebfeder für den BHKW-Einsatz wirkt außerdem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), in dem für Biogas-Anlagen der zusätzlich zu der sonstigen garantierten Einspeisevergütung gewährte KWK-Bonus auf 3 Ct/kWh erhöht wurde. Verbesserungen gibt es auch für den Einsatz von Bioerdgas in BHKW.

Zum Danaergeschenk hat sich das von der schwarz-roten Bundesregierung zum 1. September 2008 eingeführte Impulsprogramm Mini-KWK entwickelt, das Investitionszuschüsse für KWK-Anlagen mit einer Leistung bis 50 kW gewährte. Zunächst führte ein Antragsstau in dem mit der Abwicklung des Programms betrauten Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zum regelrechten Bestellstau. Dieser löste sich erst ab Mai 2009 auf, nachdem das BAFA endlich die Förderbescheide zügig ausstellte. Doch schon Anfang 2010 kam der vorläufige Stopp, weil unklar war, ob die inzwischen schwarz-gelbe Bundesregierung Haushaltsmittel für die Fortsetzung des Programms zur Verfügung stellen wird. Erst Anfang Juli 2010 stand dann endgültig fest, dass das Mini-KWK-Impulsprogramm aufs Eis gelegt wird. Nicht nur der Ausfall der Förderung, sondern vor allem die lange Periode der Unsicherheit haben tiefe Spuren in den Auftragsbüchern der Mini-BHKW-Anbieter hinterlassen.

Das aktuelle BHKW-Ranking kann hier heruntergeladen werden:
www.energiemarkt-medien.de/fileadmin/ftp/2010-11-bhkwranking.pdf  


 
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Freitag, 19.11.2010, 09:13 Uhr