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REGENERATIVE:
Alles aus einer Hand
Für den Aufbau von Offshore-Windaprks bieten erste Unternehmen mehrere Dienstleistungen im Paket an - wobei Windunternehmen mit maritimen Anbietern kooperieren.
 
Wer an Brunsbüttel denkt, dem fällt einiges ein: In der Industrie- und Hafenstadt im südlichen Dithmarschen verbinden Schleusenanlagen das südwestliche Ende des weltweit bekannten Nord-Ostsee-Kanals mit der Elbmündung in die Nordsee. Schlagzeilen macht die 13 000-Einwohner-Kommune immer wieder durch das Atomkraftwerk vor Ort und auch durch das geplante Kohlekraftwerk. Dass in Brunsbüttel Anfang 2004 die damals mit 5 MW Leistung größte Windturbine der Welt errichtet worden ist, eine Repower 5M, wissen dagegen nur Fachleute.

Für die Windbranche dürfte Brunsbüttel weiter an Gewicht gewinnen, hier könnte einer der wichtigsten Servicehäfen für die beginnende Windkraftnutzung auf See entstehen. Dafür will die Ende Juni gegründete A4O sorgen, ausgeschrieben All for Offshore.

Diesen Kunstnamen haben der Windparkentwickler wpd und die Schrammgroup mit Hauptsitz in Brunsbüttel für ihr gemeinsames Unternehmen gewählt, das künftig alle Dienstleistungen auf hoher See anbieten soll. „Das reicht von der Logistikplanung über den Transport bis hin zu Wartung und Service der Offshore-Propeller - und zwar vor allen europäischen Küsten", sagt Martin Lehnhoff für die wpd-Seite. Die Prognose des langjährigen Windmanagers: „Da entsteht ein Riesenmarkt."

„Wind meets maritime economy" heißt die Devise. Was sinnvoll ist; denn Windpropeller auf See zu bauen und später auch jahrelang zu warten, ist eine andere Herausforderung als an Land. Bei AO4 haben sich zwei interessante Partner für das Offshore-Geschäft gefunden: WPD ist nicht nur der bundesweit größte Windparkbetreiber mit entsprechendem Know-how, sondern schiebt vor diversen Küsten Europas zahlreiche maritime Windfarmen mit einer Gesamtleistung von rund 10 000 MW an. Zudem verfügen die Hanseaten von der Weser mit der Deutschen Windtechnik AG über ein Tochterunternehmen, dessen Mitarbeiter - sozusagen als Tagesgeschäft - an Land Windturbinen aufstellen und warten. Was an Land klappt, soll demnächst auch auf See zum Standardangebot gehören.

Die Schramm group, ein Familienunternehmen, unter dessen Dach mehr als zwei Dutzend Firmen zusammengeschlossen sind, hat seine Stärken bei allem, was mit Hafenwirtschaft zu tun hat. Kein Wunder, die Dithmarscher besitzen in Brunsbüttel den einzigen privaten Tiefseewasserhafen, mehrere Schlepper, Bargen, einen Kabelverleger, der bereits beim Offshore-Windpark Rødsand II in der Ostsee zum Einsatz gekommen ist, und natürlich nautisches Know-how. „Wir kennen die Nordsee", sagt Torsten Andritter-Witt, Geschäftsführer der Hans Schramm & Sohn Schleppfahrt GmbH & Co. KG. Im gleichen Atemzug verweist er darauf, dass in Brunsbüttel schon zig Windturbinen verladen worden sind; so zählt die Repower Systems AG zu den Hauptkunden. So ganz unbeleckt sei man nicht von der Windkraft.

„Das Ziel ist, auf See Schnittstellen zu minimieren"

Vom A4O-Konzept, das er „single point of contact" nennt - auf gut Deutsch: „Alles aus einer Hand" - ist Andritter-Witt überzeugt. Dabei gehen Lehnhoff und Andritter-Witt von einer naheliegenden Erwartungshaltung aus: „Die Investoren der Offshore-Windparks wollen soweit wie möglich bei einem kompetenten Dienstleister einkaufen, was Zeit, Nerven und Geld spart."

Dass genau diese Entwicklung an der Küste beginnt, bestätigt Ronny Meyer: „Solche Verbünde wird es vermehrt geben. Die Investoren von Offshore-Windparks wollen für den Bau in der Regel zwar mit keinem Generalunternehmer zusammenarbeiten, aber ihre Schnittstellen minimieren." Diesen Schritt hält der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen für „notwendig": „Es geht draußen auf See um Milliarden-Kosten, sodass jeder Investor gut daran tut, sinnvoll Kosten zu sparen."

Noch hat sich AO4 keinen großen Auftrag geangelt, der wird eher über kurz denn über lang kommen. Dagegen kann sich die Ems Offshore GmbH über erste Order freuen. „Das ist besser angelaufen als wir gedacht haben", sagt Geschäftsführer Olaf Weddermann. Die Ems Offshore ist ein ganz junges Tochterunternehmen der Aktien-Gesellschaft Ems mit Sitz in Emden, einer Reederei, die im Kerngeschäft mit ihrer Fährflotte vor allem Borkum und Helgoland ansteuert.

Von Hubschrauber-Flügen bis zum Catering alles unter einem Dach

So waren die Ostfriesen mit ihren Schiffen Emswind und Emsstrom, zwei umgebauten Rettungskreuzern, beim Aufbau des Testfeldes Alpha Ventus dabei. Für das Projekt „Bard Offshore I", das zurzeit gut 100 km vor der niedersächsischen Küste in der Nordsee gebaut wird, gab es den Zuschlag für die Verkehrsüberwachung. „Das heißt nichts anderes, als dass keine andere Schiffe in die Baustelle fahren dürfen und wir das Baustellen-Areal sichern", erklärt Weddermann. Um diesen Service anbieten zu können, hat die AG Ems mit der niederländischen Firma Van Laar Maritime Offshore Service ein gemeinsames Unternehmen gegründet. Mit seinen sogenannten „Urker"-Schiffen war van Laar unzählige Male für die Gas- und Ölindustrie in der Nordsee tätig.

Von solchen Verbünden gibt es einige unter dem Dach der Emder Reederei. Ein Beispiel: So haben das hundertprozentige Tochterunternehmen OLT Ostfriesische Lufttransport GmbH und die Norderland-Gruppe zusammen die Northern HeliCopter GmbH gegründet. Deren Hubschrauber sind für Ambulanz-, Passier- und Frachtflüge zu den Windparks im Meer vorgesehen. Norderland ist keine schlechte Wahl als Partner: Das Windunternehmen aus dem ostfriesischen Westerholt ist eng verbandelt mit der Windreich AG, deren Protagonist Willi Balz an die 20 Windparks in der Nordsee bauen will - da könnte einiges an Aufträgen zusammenkommen.
 
Dank der zahlreichen Aktivitäten der AG Ems kann Olaf Weddermann mit der Ems Offshore vom Schiffsmanagement (in Küstenkreisen: Bereederung), von Ver- und Entsorgungsdiensten, über Personalservices bis hin zum Catering einen bunten Kranz von Angeboten offerieren. Und dank der Partnerschaft mit der SSC-Unternehmensgruppe aus Wildhausen können die Ostfriesen nicht nur Consulting-Aufträge für Offshore-Windparks übernehmen, sondern auch die Montage vor Ort anbieten. „Für uns zeichnet sich ab, dass für die Offshore-Windindustrie der Zug zum ganzheitlichen Dienstleistungspaket unterwegs ist", sagt Weddermann. Sein Zwischenfazit: „Es macht sich heute bereits bezahlt, dass wir mit dem Kauf der beiden Rettungskreuzer in Vorleistung gegangen sind, als draußen auf See noch gar nichts los war in Sachen Offshore-Windkraft."

Bei All for Offshore will Torsten Andritter-Witt den Startvorsprung auf jeden Fall: „Wir wollen jetzt einen Spezialschlepper für den Offshoreeinsatz bauen, da mit anziehender Nachfrage die Preise steigen werden." Das Rennen um die Geschäfte auf See ist nämlich gestartet.

 
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Montag, 16.08.2010, 15:59 Uhr