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Allgäuer Antwort
"Herzlich willkommen bei der heimatstarken Energie", so wird man begrüßt bei www.auew.de. Und die Allgäuer Überlandwerke (AÜW) halten, was sie versprechen.
 

1920 wurden die AÜW in Kempten gegründet, neun Jahre später wurde die Städtische Elektrizitätswerk Kempten in die Gesellschaft eingebracht; und noch mal neun Jahre danach wurde das Gaswerk der Stadt vom AÜW übernommen. Es wurden Wasserkraftwerke an der Iller gebaut, Dampfturbinen erzeugten Strom, von dem die kWh für Beleuchtungszwecke damals 70 Pfennige kostete - soweit sind wir heute gottlob noch nicht.

Gesellschafter des Unternehmens sind heute die Stadt Kempten (82,60 %), die Stadt Immenstadt (9,31 %), die Stadt Lindau (5,04 %), die österreichische Gemeinde Mittelberg Kleinwalsertal (3,00 %) und die Gemeinde Schwangau (0,05 %). 289 Mitarbeiter versorgen 94 000 Stromkunden, und die können auch ein reines Öko-Produkt beziehen: AllgäuStrom Kl!ma heißt es - 100 % Wasserkraft.

Beteiligt sind die AÜW an zehn Unternehmen ganz unterschiedlicher, und sehr interessanter Art: an Energieerzeugern aus der Region, na klar; am Trianel- Gaskraftwerk und am Trianel-Kohlekraftwerk, so klar wiederum nicht; an einem Elektrohaus, an einer Wohnungsbaugesellschaft, an einer Telekommunikationsfirma, an einem Geoinformationsladen, an einem Erdgasversorger; und,  die Heimat lebe, an der Kleinwalsertaler Bergbahn AG.

Mag man sagen, das liege doch alles auf der Hand, so ist es dann doch eher ungewöhnlich, dass sich neun Allgäuer Energieversorger schon im Jahr 2001 zusammengetan haben, um gemeinsam den Markt zu nutzen und den Markt zu bearbeiten. Die Partner sind rechtlich und wirtschaftlich voneinander völlig unabhängig, aber kooperieren ganz eng:
- In einer Marketing-Gemeinschaft erfolgen Produktmanagement und Kundenaktionen
- In einer Strombezugsgemeinschaft erfolgt die strukturierte Beschaffung und das Risikomanagement.

Es gibt gemeinsame Produkte; in Anzeigen, im Internet und bei Verkaufsmaterial ist der Marktauftritt identisch; die Kundenzeitschrift wird gemeinsam herausgegeben; Sponsoring-Aktivitäten werden gebündelt. So kam der "AllgäuStrom" im vergangenen Jahr auf 130 000 Kunden mit einer Abnahme von 1,4 TWh; 430 Mitarbeiter verbergen sich dahinter. "AllgäuStrom war die Antwort auf die erste Phase der Liberalisierung", sagt AÜW-Alleingeschäftsführer Michael Lucke, und "AllgäuNetz" ist nun die Antwort auf die Regulierung. Der frühere Unternehmensberater Lucke erklärt:

Die EVU des Allgäu haben eine gemeinsame Netztochter gegründet, die die Netze aller Gesellschaften pachtet und die nötigen Dienstleistungen wieder an die EVU vergibt. Die Netztochter zahlt Pachtzins und Dienstleistungsentgelte an die EVU, die sie aus den von den Händlern vereinnahmten Netznutzungsentgelten bezahlt. Die Netzgesellschaft sei offen für weitere Partner, wenn es um ein gemeinsames Verständnis von Kultur und Geschäftsmodellen geht; wie so oft, wird die "Augenhöhe" genannt. Lucke sieht Potentiale für weitere Kooperationen "auch mit Großen" beim Netzservice, beim Betrieb von Hochspannungsleitungen, im Zählermanagement, bei GIS-Dienstleistungen sowie beim Einkauf und in der Logistik. Sein Stichwort dabei: Neue Anforderungen durch die Anreizregulierung.

E&M: Herr Lucke, Angst vor der Anreizregulierung?

Lucke: Nein, keine Angst. Rückläufige Renditen aus dem Netz versuchen wir zu kompensieren durch ein verstärktes Engagement in der Erzeugung - dezentral und zentral, und da macht die Zusammenarbeit mit Trianel wirklich Spaß. Außerdem werden wir zusätzliche Geschäfte mit neuen Dienstleistungen machen. Und zur Erzeugung noch: Ich glaube, dass wir durch die dezentral-regenerative Erzeugung neue Geschäftsmöglichkeiten bekommen werden.

E&M: Das klingt entspannt, aber so ein bisschen Sorgen werden doch wohl auch Sie haben ...

Lucke: Das Thema Stromhandel ist schon etwas kritisch, weil wir da bei den großen Marktvolatilitäten vielleicht doch nicht groß genug sind. Ein weiteres Problem sind natürlich die steigenden Strompreise, wie können wir da beispielsweise einer E-wie-einfach begegnen. Wir müssen uns beim Thema Vertrieb überlegen, ob wir uns nicht noch stärker bündeln. Und: man AllgäuStrom noch ausweiten.  

E&M: AllgäuGas gibt es nicht, noch nicht?

Lucke: Unsere Gasaktivitäten haben wir zusammen mit der Erdgas Schwaben in der Erdgas Kempten-Oberallgäu gebündelt, und wir müssen überlegen, wie wir mit Produktkombinationen Strom/Gas Erfolge haben können.

E&M: Welche politische Freiheit haben Sie als Geschäftsführer?

Lucke: Da unser Unternehmen schon sehr früh eine GmbH war, hatten meine Vorgänger und habe ich große Freiheitsgrade. Natürlich gibt es Erwartungen an die Rendite und es muss Konsens bei der strategischen Ausrichtung geben. Ansonsten habe ich jede Freiheit, mich auszuleben bei Beteiligungen, bei der Gründung oder der Schließung von Gesellschaften.

E&M: Inwieweit sind Sie hier so eine Art Person des öffentlichen Lebens?

Lucke: Lassen Sie mich so antworten: In meinem Job muss man Spaß haben an kommunalen Netzwerken, an Menschen mit ganz unterschiedlichen kommunalen Interessen. Und gleichzeitig kann ich nur raten: Wenn es richtig politisch wird, mal eher den Kopf einziehen. Ich habe den Auftrag, ein Unternehmen weiter zu entwickeln und attraktive und sichere Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei darf man sich nicht politisch instrumentalisieren lassen.

E&M: Wurden Sie nach Ihrem Parteibuch gefragt, als Sie sich beworben haben?

Lucke: Ich wurde nicht gefragt und ich habe keines. Politische Neutralität ist auch der Wunsch des Oberbürgermeisters an den AÜW-Geschäftsführer.

E&M: So ein wenig grüne Flagge müssen Sie bei der ganzen Umweltdiskussion aber in Zukunft doch zeigen.

Lucke: Als anständiger Mitteleuropäer muss man das auch tun, aber dabei die richtige Balance finden: Wir investieren in ein neues hoch effizientes Wasserkraftwerk, aber wir beteiligen uns auch an einem Kohlekraftwerk. Im Rahmen der Erneuerungsstrategie in Deutschland

E&M: Sie haben hier auf dem Land die Bauern vor der Haustür, damit bietet sich das Engagement ins Biogas an.

Lucke: Eher in die feste Biomasse, wo wir auch mehrere Projekte verfolgen. Wir schauen uns natürlich alle erneuerbaren Energien an, und sind dafür offen, gemeinsam mit Bürgern und mit unserem Eigenkapital in Projekte einzusteigen.

E&M: Als AÜW-Chef in einem Touristengebiet sind Sie auch so eine Art "Förster im Silberwald" ...

Lucke: Viele unserer Mitarbeiter und auch ich haben Spaß an den Bergen und erfreuen sich an der uns umgebenden Natur. Wenn wir den Standort nicht hätten, würden sich manche Kollegen wegentwickeln. Gleichzeitig habe ich manchmal das Problem, neue Mitarbeiter hier her zu bekommen, weil sie die Schönheit des Allgäus nicht kennen und sich eher nach Großstädten orientieren.

E&M: Sie sind Alleingeschäftsführer und haben noch einen Prokuristen - das ist die Hierarchie?

Lucke: Wir haben Abteilungsleiter und zwei Bereichsleiter, die gemeinsam mit mir in einem Managementteam das Unternehmen leiten Als ich hier anfing, da wurde ich noch Direktor genannt.


 
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Freitag, 28.12.2007, 15:16 Uhr