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Enerige & Management > IT - Anwendungen sind im Kommen
Bild: itestroorig / Fotolia
IT:
Anwendungen sind im Kommen
Start-ups entwickeln neue Technologien. Das stimmt noch, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn mehr und mehr Gründer widmen sich der Umsetzung digitaler Lösungen im Markt.
 
Wenn ein Stadtwerk eine Kooperation mit einem Start-up bekannt gibt, erregt das heutzutage kaum noch Aufsehen. Die größeren Unternehmen haben häufig bereits Innovationsabteilungen, die sich strategisch um junge Unternehmen kümmern. Sie versprechen sich davon wertvolle Impulse für das darbende Kerngeschäft oder Wegweiser in neue Geschäftsfelder jenseits des Kilowattstundenverkaufs.

Aber auch mehr und mehr der kleinen und mittleren Stadtwerke arbeiten mit Start-ups zusammen. „Hier gibt es keine Scheu mehr“, so die Beobachtung von Sven Pietsch. Der Geschäftsführer des Innovationsnetzwerks Energieloft bringt mit seinem Team etablierte Unternehmen aus der Energiewirtschaft mit Gründern zusammen. Knapp 2000 Start-ups sind in der Energieloft-Datenbank gelistet. Etwa 70 % davon haben ihren Sitz in Deutschland. „Das sind die präferierten Ansprechpartner für die kleinen und mittleren Stadtwerke“, sagt Pietsch. Denn die „gemeinsame Sprache“ ist für beide nicht nur eine Floskel für das übereinstimmende Verständnis von Technologie, Strategie und Geschäft, sondern im wahrsten Sinne des Wortes die Grundlage, um überhaupt mit den Jungunternehmern ins Gespräch zu kommen.
 
Sven Pietsch, Gründer des Innovationsnetzwerks Energieloft: „Es ist spannend zu beobachten, dass nicht nur Technologien entwickelt werden“
Bild: Innoloft

Bei den größeren Stadtwerken, und den großen Konzernen ohnehin, ist Englisch allerdings keine Fremdsprache mehr. Diese Unternehmen halten über die eigenen Landesgrenzen hinaus Ausschau nach möglichen Kooperationspartnern und gegebenenfalls auch nach Wegen, am Erfolg und am Wachstum von Start-ups partizipieren zu können. IT-Lösungen stehen dabei – man könnte fast sagen, selbstverständlich – im Mittelpunkt.

In einem früheren Gespräch mit E&M bezeichnete Pietsch die Mobilität als das Thema, das in der Start-up-Szene um Jahr 2018 im Mittelpunkt stand. „Daran hat sich bisher nicht viel geändert“, meint der Energieloft-Geschäftsführer. „Aber Verkehr ist natürlich nicht nur eine Frage des Antriebs. Es geht mehr und mehr auch um intelligente Verkehrskonzepte.“ Das zeige, dass Bereiche, die bisher eher hardware-lastig waren, nun mehr und mehr von IT-Lösungen durchdrungen werden. Die Integration der E-Mobilität in die Verteilnetzebene und durchgängige Mobilitätskonzepte mit intelligenten Steuerungs- und Buchungssystemen sind zwei Beispiele für Verkehrsthemen, in die die Start-ups derzeit besonders viel Hirnschmalz hineinstecken. Netz und Nutzer – das sind die beiden Kernpunkte, um die herum sehr viele innovative Ansätze entstehen.

Künstliche Intelligenz und Virtual Reality sind kein Selbstzweck

„Es ist spannend zu beobachten, dass nicht nur Technologien entwickelt werden“, betont Pietsch. Technologien zur Marktreife führen und zusammen mit Kooperationspartner auch tatsächlich bei deren Kunden einsetzen – das rücke jetzt immer stärker in den Vordergrund. Mit Sicherheit seien in den Bereichen Smart Building und Smart City immer noch viele technische Innovationen zu erwarten, gerade beim Energiemanagement. Aber künstliche Intelligenz und Virtual Reality seien kein Selbstzweck. „Darauf lassen sich vielversprechende Anwendungen aufsetzen, die vorausschauende Wartungsmaßnahmen oder sehr gezielte Energieeffizienzmaßnahmen möglich machen“, erklärt der Energieloft-Geschäftsführer. Es drehe sich fast alles um die intelligente Datennutzung.

Auf die Frage, welches Thema im Laufe des letzten Jahres in der Start-up-Szene am stärksten an Bedeutung zugenommen hat, kommt ohne zu zögern die Antwort: „Smart-City-Lösungen auf der Basis von IoT-Plattformen“. Bisher werde von vielen Energieversorgern allerdings noch kaum vollständig verstanden, welches Potenzial Lorawan-Anwendungen bieten. Immerhin haben nach Pietschs Einschätzung aber mittlerweile viele Stadtwerke damit begonnen, sich mit den Möglichkeiten der Datenkommunikation über batteriebetriebene Funknetzwerke zu beschäftigen.

Am Beispiel eines Stadtwerks mit Fernwärmenetz erläutert er, was seiner Meinung nach künftig Standard in der technischen Kundenbetreuung sein wird: Wenn ein Kunde beim Stadtwerk sich über eine kalte Wohnung beschwere, habe bisher in der Regel ein Techniker vor Ort versucht, dem Problem auf den Grund zu gehen. Mit Sensoren in der Fernwärmeübergangsstation und der Heizung vor Ort und einer Fernauslesung der Daten lasse sich jedoch leicht überprüfen, wo der Fehler liege, ob im Fernwärmenetz des Stadtwerks oder in der Anlage des Kunden. „Im Zweifelsfall ist eher der Hausmeister oder Installateur gefragt, als der Stadtwerke-Techniker“, so Pietsch. „Es gibt zig Anwendungen in dieser oder einer ähnlichen Art.“
 
Intelligente Verkehrskonzepte ist eines der Schwerpuktthemen, mit denen sich Start-ups beschäftigen
Bild: ioki GmbH

Sensoren für das Internet der Dinge – viele Start-ups versuchen mit ihren Ansätzen die Smart City schon heute und nicht erst in der Zukunft zu gestalten. Auch die Preisträger des diesjährigen Stadtwerke-Start-up-Awards, der im Mai in Berlin verliehen wurde, hatten die intelligente Stadt im Visier. Der zweite Platz ging an die Omega Lambda Tech GmbH aus dem oberbayerischen Garching, die Lösungen zur Datenanalyse auf Basis künstlicher Intelligenz entwickelt. Echtzeit-Analysen gehören genauso dazu wie Simulationen und Prognosen, sei es für Smart Grids oder den öffentlichen Personennahverkehr. Auf dem dritten Platz landete ebenfalls ein Unternehmen, das mehr Intelligenz in die Kommunen bringen will, vor allem mehr Intelligenz in den Verkehrssektor. Mit einem speziellen Algorithmus hat sich die „ioki GmbH“ aus Frankfurt am Main zum Ziel gesetzt, Pooling und Routing zu ermöglichen, so dass Fahrzeuge und Strecken optimal ausgelastet werden. In eher ländlichen Gegenden will die Ausgründung aus der Deutschen Bahn ohne Fahrplan und auf flexiblen Routen ihre Fahrgäste an deren Ziele bringen. Aber nicht nur die On-Demand-Mobilität soll gestärkt und mit den bestehenden Angeboten des öffentlichen Personen-Nahverkehrs verknüpft werden. Auch autonom fahrende Busse sollen nach den Vorstellungen der Ioki-Gründer künftig den öffentlichen Linienverkehr unterstützen. Pilotprojekte laufen derzeit schon im niederbayerischen Bad Birnbach und in Berlin.

Selbst wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag: Nicht alle Start-ups haben sich der Digitalisierung verschrieben. Es gibt Ausnahmen. Sie machen den Markt nicht mit Big Data und komplexen Algorithmen auf sich aufmerksam, sondern mit pfiffigen analogen Ideen. So auch der Sieger des diesjährigen Stadtwerke-Start-up-Awards, die AGS Verfahrenstechnik GmbH. Das Unternehmen, an dem die Stadtwerke Stade seit Januar 2017 beteiligt sind, hat mit seiner innovativen Kabelverlegetechnik „mit der Option der aktiven Kühlung“ die Jury überzeugt. Damit sollen ultra-schmale, aber zwei Kilometer lange Kabelabschnitte in die Erde gebracht werden, was für eine signifikante Verringerung der benötigten Zahl an Verbindungsmuffen und damit der Baustellen im Trassenverlauf sorgt.

Wie am Speicher-Start-Up „VoltStorage“ zu sehen ist, zieht es hardware-basierte Unternehmen dann aber meist doch wieder zum digitalen Geschäft. Michael Peither und seine Mitgründer entwickeln und produzieren Redox-Flow-Batterien – allerdings nicht im Megawattstunden-Bereich, sondern zunächst für den Haushaltskundenmarkt. In einem zweiten Schritt wollen sie ins B2B-Geschäft einsteigen und letztlich auch den Markt für Flexibilitätsoptionen bedienen. So sollen netzdienliche Dienstleistungen, die natürlich IT-basiert sind, künftig das Geschäftsmodell des Münchner Start-ups ergänzen.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über eine Reihe von Start-ups aus verschiedenen Bereichen aus dem Energieloft-Netzwerk.
Weitere Informationen unter www.energieloft.de
 
Überblick über eine Reihe von Start-ups aus verschiedenen Bereichen aus dem Energieloft-Netzwerk
Quelle: Energieloft

 

 
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Montag, 08.07.2019, 08:48 Uhr