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Enerige & Management > Windkraft - Aus P wird A
Bild: Fotolia.com, DeVIce
WINDKRAFT:
Aus P wird A
Die Amperax Energie aus dem Umfeld des Strom-Discounters Stromio hat Prokon Windanlagenproduktion übernommen. Der Strom aus den Amperax-Anlagen soll vor allem an Ökostromanbieter geliefert werden.
 
A 3000 – an dieses noch neue Typenkürzel wird sich die Windbranche gewöhnen müssen. Das A steht für Amperax Energie GmbH, das Start-up-Unternehmen gehört zum Umfeld des bundesweit aktiven Strom-Discounters Stromio. Das im September 2010 gegründete Unternehmen bietet unter dem Markennamen Grünwelt verschiedene Ökostromtarife an. „Vereinfacht ausgedrückt will Amperax den Strom aus eigenen Windparks an Kunden wie unter anderem Grünwelt Energie verkaufen und demnächst einen Teil des Ökostroms seriöser Anbieter liefern“, erklärt Wolfgang Schmittner, Geschäftsführer von Amperax Energie, die Strategie.

So ganz neu ist die getriebelose 3-MW-Maschine von Amperax indes nicht. Unter der Modellbezeichnung P 3000 sind Ende August 2013 und einige Wochen danach zwei Pilotanlagen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein errichtet worden. Das P verweist auf den ursprünglichen Hersteller, ein Unternehmen, das in diesem Frühsommer durch einen Übernahme-Zweikampf für reichlich Schlagzeilen gesorgt hat: die Prokon-Gruppe.
 
Wolfgang Schmittner, Geschäftsführer von Amperax Energie.
Bild: Amperax Energie GmbH

Wenige Monate vor der Anfang 2014 erfolgten Insolvenz hatte Prokon begonnen, eigene Windturbinen zu fertigen. Die P 3000, die das Berliner Ingenieurbüro Tembra seinerzeit mitentwickelt hat, sollte gezielt nur in Prokon-eigenen Windparkprojekten eingesetzt werden. Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus, der am Firmensitz Itzehoe eigens eine Montagehalle hochzog, hatte durchaus ambitionierte, Kritiker sagen überzogene Pläne: „Ab 2014 wollen wir zwischen 30 und 50 Anlagen im Jahr fertigen, danach ist die schrittweise Erweiterung auf 100 Anlagen im Jahr vorgesehen.“ Selbst eine eigene Blattfertigung wollte Prokon hochziehen.

Tempi passanti. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin gab schon nach wenigen Monaten bekannt, dass Prokon nach der Sanierung auf den Produktionszweig verzichten werde. Was einige Interessenten auf den Plan rief, von denen sich die Amperax Energie GmbH bei den späteren Verkaufsverhandlungen mit Penzlin durchsetzen konnte.

Gute Startbedingungen für Amperax Energie

Für die Stromio-Gruppe mit Sitz in Kaarst bei Düsseldorf war die Übernahme sicherlich der einfachste und preiswerteste Weg, in die Windkraft einzusteigen. Es gab eine fertig entwickelte Anlage, erste Prototypen, eine schon vorhandene Fertigungshalle in Itzehoe, eine Reihe von Mitarbeitern, die übernommen werden konnten, und als Mitgift auch einige Standorte für weitere Maschinen der Nullserie.

Dass Windtechnologie und Produktion von Amperax durchaus Hand und Fuß haben, bestätigt Friedrich Klinger. Den Leiter der Innowind Forschungsgesellschaft mbH und langjährigen Hochschul-Professor aus Saarbrücken, der hierzulande neben Enercon-Gründer Aloys Wobben als Papst der getriebelosen Antriebstechnik für Windenergieanlagen gilt, hatten die Amperax-Verantwortlichen vor dem Kauf um Rat gefragt: „Alles, was ich im vergangenen Jahr sehen konnte, machte einen sehr properen Eindruck“, sagt Klinger. Zudem habe mit Tembra ein erfahrenes Ingenieurbüro die Maschine mitentwickelt. Und: „Als Newcomer auf getriebelose Anlagen zu setzen, macht aus Kostengründen einfach Sinn“ .

 
In Itzehoe laufen die Montagearbeiten für die ersten Amperax-Windturbinen, die noch in diesem Jahr ausgeliefert werden sollen
Bild: Amperax Energie GmbH


So sieht das auch Amperax-Geschäftsführer Schmittner. Der gebürtige Österreicher will in den kommenden Monaten insgesamt zwölf weitere Anlagen errichten: „Die ersten dieser Anlagen sollen noch in diesem Jahr ans Netz gehen.“ Drei davon sollen bis Mitte kommenden Jahres in Finnland betriebsbereit sein. Seit der Übernahme von Prokons Produktionsaktivitäten war er ganz damit beschäftigt, den Betrieb der beiden Prototypen zu optimieren. Wie aus Branchenkreisen zu erfahren ist, hatten nicht erwartete Schwingungen der Anlage zu Problemen an den Rotorblättern geführt.

Daneben hat Schmittners Team an technischen Modifikationen gearbeitet. So wird es die A 3000 mit 116 m Rotordurchmesser geben – und zwar mit 92, 122 und 142 m Nabenhöhe. Die 122-Meter-Variante ist nur als Cold Version für kältere Klimazonen vorgesehen, daher machen die drei Anlagen in Finnland für das Marktentree auch Sinn. Um die 142 m Nabenhöhe zu erreichen, setzt Amperax auf einen Hybridturm, einen Betonsockel und zwei Stahlrohrsegmente.

Die Produktion soll langsam hochgefahren werden

In Planung hat Amperax daneben eine 2,5-MW-Maschine mit 100 m Rotordurchmesser sowie eine Anlage mit einer Generatorleistung zwischen 3,5 und 4 MW und einem Rotor von rund 130 m. „Die größere Maschine kommt nicht vor Mitte 2017“, meint Schmittner.

Dass er im Gegensatz zu Prokon-Gründer Rodbertus auf dem Teppich bleibt, zeigt auch der Businessplan: Für das kommende Jahr ist die Fertigung von 12 bis 20 Anlagen vorgesehen, der Output soll in den Folgejahren jeweils verdoppelt werden. „Es wäre schön, wenn wir 2020 unsere Fertigungshalle mit dann rund 200 Maschinen im Jahr voll ausgelastet hätten“, gibt sich der Amperax-Geschäfsführer zurückhaltend. Eher im Nebensatz erwähnt Schmittner, dass er sich künftig auch eine Amperax-Windturbine mit einem integrierten Megawattstunden-Speicher vorstellen kann. Das ist alles noch Zukunftsmusik.

Schmittners Aufgabe ist es vorerst, die Produktion der Windenergie-Anlagen ins Laufen zu bringen. Was ganz im Sinne der Stromio-Gruppe ist. „In den kommenden Jahren soll ein ordentliches Windportfolio aufgebaut werden, für das nicht nur auf unsere Anlagen, sondern auch auf andere Modelle gesetzt werden kann“, sagt Schmittner, „das dafür notwendige Eigenkapital ist vorhanden.“

Die Amperax-Anlagen sollen an eine Reihe von Windpark-Betriebsgesellschaften geliefert werden, deren Strom dann unter anderem für die Grünwelt-Produkte vorgesehen ist. Der Energieanbieter erweitert so sein grünes Bezugsportfolio und kann gegenüber Kunden auf den Bezug von „ökologisch“ korrektem Grünstrom verweisen – was angesichts der Vielzahl unterschiedlichster Ökostromangebote ein wichtiges Unterscheidungs- und zugleich Qualitätsmerkmal ist. Eine stärkere Qualitätsdifferenzierung beim Ökostrom fordert auch Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW. „Die Zeiten, in denen Ökostrom aus ausländischen alten Wasserkraftwerken den deutschen Markt flutet, müssen der Vergangenheit angehören. Dass jetzt auch die häufig kritisierten Energiediscounter in die Erzeugung von regenerativem Strom einsteigen, beobachten wir mit großem Interesse und hoffen auf Wettbewerbsimpulse.“

Ein neuer Windturbinenhersteller mit einem direkten Link zum Stromvertrieb – eine Neuheit in der deutschen Windbranche.

 
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Mittwoch, 12.08.2015, 13:48 Uhr