• BDEW fordert Nachbesserungen für KWK, Erneuerbare und Wasserstoff
  • Förderprogramm für Contracting-Beratung
  • Wie weiter mit der Energiewende?
  • "Die Palette der möglichen Anwendungen ist riesig"
  • Zahl der Pkw in Deutschland nach Antriebsart
  • E-Flitzer als Publikumsattraktion
  • Paris und Berlin wollen Exportfinanzierung grüner machen
  • Strom fester, CO2 leichter und Gas uneinheitlich
  • DEW21 steigert Ergebnis
  • Diebe machen große Beute in ostdeutschen Solarparks
Enerige & Management > Stromnetz - Bayernwerk untertunnelt ICE-Strecke
Projektleiter Scholten (l.) vor den Röhren, die später durch den Tunnel geschoben werden. Bild: E&M, Günter Drewnitzky
STROMNETZ:
Bayernwerk untertunnelt ICE-Strecke
Zwei Microtunnel für zwei 110-kV-Leitungen lässt das Bayernwerk unter der ICE-Strecke Nürnberg – Ingolstadt bohren. Der Netzbetreiber setzt das Verfahren erstmals ein.
 

Die bisher üblichen Verfahren wie Spülbohrung oder Durchpressung kamen für die Unterquerung der ICE-Strecke Nürnberg – Ingolstadt nicht infrage. Grund: Strengste Vorschriften der Bahn, die keinerlei Setzungen oder Vibrationen im Bereich der Schienentrasse erlaubten. „Die Trasse verläuft auf einem durchgehenden Betonblock, der sehr empfindlich ist“, erläuterte Bayernwerk-Projektleiter Heiner Scholten vor Ort. Maximal einen Millimeter Setzung habe die Deutsche Bahn verlangt.

Diese Forderung, so Scholten, könne man nur mit einem Tunnelbohrgerät erreichen. Beim sonst gängigen Durchpressen von Rohren etwa könnten Steine nach oben gedrückt werden und für Bodenveränderungen sorgen. „Der Bohrer dagegen fräst sich durch alles durch, da tut sich an der Oberfläche nichts.“ Und das ist auch gut so, donnern doch hier die ICEs mit 160 Kilometern pro Stunde über die Baustelle.

Gebraucht werden die beiden unterirdischen Bauwerke für zwei 110-kV-Leitungen zwischen dem Umspannwerk Etting in der Ingolstädter August-Horch-Straße und dem Umspannwerk Audi in der Carl-Zeiss-Straße. Hintergrund, so erläutert man beim Bayernwerk, sind gestiegene Leistungsanforderungen – beispielsweise durch E-Mobilität – sowie die Optimierung der lokalen Netzstruktur.

Fertigbetonschächte ersetzen Spundwände

Die Tunnelröhren haben einen Innendurchmesser von 60 Zentimetern und werden jeweils drei elf Zentimeter dicke Adern eines 110-kV-Kabels aufnehmen, das vor und hinter der Bahnstrecke unter Rübenfeldern den Weg in die Umspannwerke findet.

Klaus Gerhardter, Oberbaustellenleiter beim Microtunnel-Spezialisten Wadle Bauunternehmung GmbH aus Essenbach (Landkreis Landshut, Bayern), hat mit seinen Männern eine Woche gebraucht, um die Baustelle mit den Absenkschächten einzurichten. Durch den Einsatz der Fertigbetonschächte, aus denen der Vortrieb und das Nachschieben der Röhren erfolgt, wird das Rammen von Spundwänden vermieden. Das war wegen der Vibrationen aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht erlaubt. Eine weitere Woche nehmen die Bohrarbeiten selbst in Anspruch. Ein riesiger Raupen-Telekran ist im Einsatz, ein Stromaggregat und eine hochkomplexe Steuerungsanlage für die Bohr- und Spülarbeiten. Diese ermöglicht es dem Team von Gerhardter, seinem Anspruch gerecht zu werden, auf den Millimeter genau dort herauszukommen, wo es vorgesehen ist.

Die Sicherheit der ICE-Strecke hat ihren Preis: 500.000 Euro lässt sich das Bayernwerk den Kabeltunnel kosten. Das ist deutlich mehr, als bei den sonst üblichen Verfahren. Im Frühjahr sollen die neuen Leitungen zwischen den beiden Umspannwerken unter Strom gesetzt werden.

Die Bohrarbeiten und das Nachschieben der
Röhren erfolgen aus einem Fertigbetonschacht heraus
Bild: E&M, Günter Drewnitzky
 

Günter Drewnitzky
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 02.11.2020, 15:02 Uhr

Mehr zum Thema