• Vorreiter-Unternehmen für Klimaschutz-Initiative gesucht
  • Ökostromlücke von 10 Prozent für 2030 prognostiziert
  • Thomas Zaremba wechselt von Jena nach Rudolstadt
  • Bürger entscheiden für Solarpark bei Sinzing
  • "Jede vermiedene Tonne Treibhausgase zählt"
  • Hamburg Energie und Wärme Hamburg fusionieren
  • Geothermienutzung zur Wärmebereitstellung in Deutschland
  • An allen Enden fester
  • OGE arbeitet mit Lkw-Herstellern zusammen
  • Verbände fordern mehr Hilfen bei Effizienz-Projekten
REGENERATIVE:
Bayreuther Biomasseheizwerk erzeugt auch Strom
In Bayreuth wurde ein Biomasse-Heizwerk erweitert. Die Wärmeerzeugung wurde dabei nicht nur erhöht, um mehr Kunden zu versorgen, sondern auch, um eine ORC-Anlage (Organic-Rankine-Cycle) zur zusätzlichen Stromerzeugung zu betreiben.
 
Auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken wird seit Dezember 2002 mit Holzhackschnitzeln Wärme erzeugt. Ein Biomasse-Kessel mit 800 kW Nennwärmeleistung versorgt die an das Nahwärmenetz angeschlossenen Gebäude mit Heizwasser. Seit 2006 wird an den Lehranstalten darüber hinaus zu Schulungszwecken eine Biogasanlage mit 180 kW elektrischer Leistung betrieben. Auch die im Biogas-Blockheizkraftwerk anfallende Abwärme wird in das Nahwärmenetz eingespeist.

Die Erweiterung des bestehenden Heizwerks wurde notwendig, nachdem die Betreibergesellschaft BHB Biomasse-Heizwerk Bayreuth GmbH einen weiteren Wärmekunden gewinnen konnte: das so genannte Ypsilonhaus mit 380 Wohneinheiten. Die zu erzeugende Wärmemenge stieg dadurch von jährlich 3 Mio. kWh auf etwa 9,5 Mio. kWh.

Durch den Zubau eines neuen Biomasse-Kessels mit einer thermischen Leistung von 2 200 kW der Agro Forst & Energietechnik GmbH mit Sitz im österreichischen St. Paul, ergab sich die Möglichkeit zum Einstieg in die Kraft-Wärme-Kopplung. „Die ursprüngliche Idee eine Anlage zur Holzvergasung zu bauen haben wir verworfen“, erklärt Johannes Scherm, Geschäftsführer der Maschinenring Agrarservice GmbH, die an der Betreibergesellschaft mehrheitlich beteiligt ist, auf Anfrage von powernews.org. Für den ORC-Prozess spreche besonders der geringe Wartungsaufwand aufgrund der hohen Automatisierung.

Seit März wird rund ein Fünftel der jährlich erzeugten 20 Mio. kWh Wärme einem ORC-Modul der Mannheimer Adoratec GmbH zugeführt. Der ORC-Kreislauf mit 350 kW elektrischer Leistung funktioniert nach den gleichen Regeln wie der konventionelle Wasserdampf-Prozess. Als Arbeitsmedium wird jedoch statt Wasser ein Silikonöl verwendet. Mit der ausgekoppelten Wärme wird ein Thermoöl-Kreislauf erhitzt. Erst über das Thermoöl wird die Wärme zum ORC-Prozess transportiert, wo ein Wärmetauscher zur Verdampfung des Silikonöls eingesetzt wird. Das ORC-Medium wird dann auf relativ niedrigem Temperatur- und Druckniveau in einer Turbine entspannt und anschließend in einem Kondensator wieder verflüssigt. Die aus dem ORC-Prozess ausgekoppelte Abwärme mit einer Leistung von 1 675 kW wird wiederum in die Nahwärmeleitung eingespeist. „Da der elektrische Wirkungsgrad des Aggregates nur knapp 20 % beträgt, ist der wirtschaftliche Betrieb nur durch ein sinnvolles Wärmenutzungskonzept möglich“, betont Scherm.

Bei einer gesamten Investitionssumme von 3,2 Mio. Euro für die Erweiterung der Bioenergie-Anlage entfielen etwa 600 000 Euro auf das Aggregat zur Stromerzeugung. Fördermittel gab es nicht für das Projekt. Für die Einspeisung des erzeugten Stroms erhalten die Betreiber im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zusätzlich zur Grundvergütung drei Boni: für die Anwendung der Kraft-Wärme-Kopplung und einer innovativen Technik sowie für die Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. Das ORC-Modul soll sich laut Scherm - wie auch die Biogasanlage - aber nicht nur wirtschaftlich lohnen, sondern den Schülern der Lehranstalten als Demonstrationsanlage dienen.

Der für das Heizkraftwerk benötigte Brennstoff - jährlich sollen rund 10 000 t Holzhackschnitzel verbrannt werden - wird zur Hälfte von Landwirten geliefert, die Lieferrechte bei der Maschinenring Agrarservice GmbH gezeichnet haben. Die übrigen Waldholz-Mengen werden auf dem freien Markt in der Region beschafft. „Mit der Gründung der Maschinenring Agrarservice GmbH wurde das Ziel formuliert, die Landwirte nicht nur als Rohstofflieferant zu benutzen, sondern sie als Miteigentümer der geplanten Heizwerke auftreten zu lassen“, erläutert Scherm den Erfolg des Bioenergie-Projektes. Rund 80 % des Stammkapitals der Maschinenring Agrarservice GmbH sind im Besitz von Landwirten.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 25.05.2007, 09:45 Uhr