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Bild: Fotolia.com, Dark Vectorangel
STORE-AGE:
Bekannt im ganzen Land
Varta will ihre Forschungsaktivitäten und ihre Produktion von kleinen Batterieformaten ausbauen. Davon soll auch das Segment der stationären Speicher profitieren.
 
Bekannt machen muss man die Marke nun wirklich nicht. Varta – das Akronym stand ursprünglich für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“ – ist heute weltweit ein außerordentlich präsenter Batteriehersteller. In naher Zukunft soll die Ellwangener Varta AG mit ihren Tochterunternehmen Varta Microbattery GmbH und Varta Storage GmbH zum Weltmarktführer für kleinformatige Batterien aufsteigen.

Ein Schritt in diese Richtung war 2016 der Aufbau einer jährlichen Produktion von 15 Millionen Lithium-Ionen-Zellen. Diese sollen Varta zur Spitzenposition als Zulieferer, beispielsweise für schnurlose Kopfhörer, verhelfen. „In diesem Bereich haben wir eine Lithium-Ionen-Batterie mit strategischen Wettbewerbsvorteilen“, erklärt CEO Herbert Schein. Deren Energiedichte und die generelle Zuverlässigkeit der Zellen hebt er besonders hervor und kündigt an, die Produktion werde in diesem Jahr nochmals von 15 auf 25 Millionen Zellen gesteigert. Und auch das soll nicht das Ende der Fahnenstange sein. Eine weitere Erhöhung der Kapazität sei wahrscheinlich. Bei der Formulierung seines Ziels macht Schein keine großen Umschweife: „Wir wollen den Markt für kleinformatige Lithium-Ionen-Zellen dominieren.“
 
Der Varta-Chef Herbert Schein ist sich sicher, dass die Bekanntheit der Marke und ihre Reputation die eigenen Aktivitäten für Privat- und Gewerbekunden weiterhin beflügeln wird
Bild: Varta

Mit dem Anspruch der Weltmarktführerschaft bei kleinen Formaten geht auch die Zielsetzung einher, die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich für die Stärkung der eigenen Position im Haushalts- und Großspeichermarkt zu nutzen, denn die Elektrochemie bei klein- und großformatigen Zellen sei sehr ähnlich. „Letztes Jahr ist uns bei kleinen Zellen eine Erhöhung der Energiedichte um 20 Prozent gelungen“, so Schein. „Und wir möchten in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Steigerung um weitere 30 Prozent erreichen.“ Der Varta-Chef ist sich sicher, dass von dieser Entwicklung auch das Segment der stationären Speicher profitieren wird - und natürlich auch von der Bekanntheit der Marke beim Endkunden und ihrer Reputation, die, davon ist Schein ebenfalls überzeugt, die eigenen Aktivitäten für Privat- und Gewerbekunden weiterhin beflügeln wird. Die Rückmeldungen von Großhändlern und Installateuren, über die derzeit der Vertrieb vor allem läuft, seien jetzt schon ausgesprochen positiv.

Lithium-Ionen-Technologie noch Jahre vorherrschend

Der Vertriebskanal erschließt einen „sehr dynamischen“ Markt, wie es Reiko Stutz, General Manager Commercial Storage Solutions, formuliert. Gerade im Heimspeichersegment sei ein rasantes Wachstum zu verzeichnen. „Wir verdoppeln jährlich unseren Absatz“, so Stutz. Konkrete Zahlen will er allerdings nicht nennen.
Der Großspeichermarkt entwickle sich zeitversetzt, aber ebenfalls vielversprechend.

Der Fokus soll jedoch zunächst noch auf Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft liegen, auf Kunden mit einem Kapazitätsbedarf bis 500 kWh, bei denen das Streben nach Eigenverbrauchsoptimierung mithilfe von PV-Anlagen und Speichern besonders stark ausgeprägt ist und für die Insellösungen, Notstromversorgung und Lastspitzenmanagement wichtige Stützen ihres Geschäfts sind. Wie Stutz betont, legt der Hersteller dabei Wert auf die Skalierbarkeit seines Batteriesystems bis in den Megawattbereich hinein, sodass auch Großspeicher, beispielsweise für Systemdienstleistungen, künftig die Angebotspalette abrunden können. Erste Ortsnetzspeicherprojekte mit Energieversorgern haben die Varta-Verantwortlichen optimistisch gestimmt, in diesem Segment ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen zu können.

Für diese Anwendungen, die zum Teil sehr schnelle Reaktionszeiten erfordern, ist die Lithium-Ionen-Technologie prädestiniert. Dennoch sei es wichtig, sich über weitere Zellchemien intensiv Gedanken zu machen und detaillierte Erkenntnisse darüber zu gewinnen. „Wir haben 20 Forschungsprojekte, die Batterietechnologien untersuchen. Darunter sind auch die sogenannten Post-Lithium-Technologien.“ Dazu zählt Herbert Schein zum Beispiel Metall-Luft-Batterien oder Feststoffbatterien.

Nach seiner Überzeugung wird in den nächsten zehn Jahren jedoch die Lithium-Ionen-Technologie, vor allem was die Voraussetzungen für eine Massenproduktion angeht, im Energie- und Mobilitätssektor vorherrschen. „Deshalb investieren wir heute massiv in die Lithium-Ionen-Technologie“, betont der Vorstandsvorsitzende von Varta.

Eine Technologie tatsächlich auch in die Massenproduktion zu überführen, sieht Schein als große Stärke seines Unternehmens. Als Beleg nennt er die Anzahl der Batteriezellen, die jedes Jahr das Werk in Ellwangen verlassen: Es sind eine Milliarde Stück. Ausgeklügelte Prozesse und der eigene Werkzeug- und Maschinenbau machen es möglich. In solchen Dimensionen muss man sich bewegen, um gegen die noch den Markt beherrschenden asiatischen Hersteller antreten zu können.
Generell hält es der Varta-Chef für notwendig, in Deutschland Batteriezellen zu produzieren. Doch er mahnt auch: „Wenn man in ein Batteriesegment investiert, muss man das Ziel haben, einer der Größten zu sein.“ Für die eigene Produktion der kleinformatigen Zellen könne er das absolut unterstreichen. Es müsse aber auch für die Pläne mit anderen Formaten gelten, etwa bei den Zellen für die Elektromobilität oder bei stationären Speichern, auch wenn dafür Investitionen in Milliardenhöhe notwendig seien. Ansonsten könne man es gleich bleiben lassen.

Eine konkrete Absicht, auch bei großformatigen Zellen die asiatische Konkurrenz herauszufordern, wie das vor allem die Nationale Plattform Elektromobilität propagiert, hat Schein jedoch nicht. „Aber“, so betont er, „wir evaluieren derzeit auch größere Formfaktoren.“

 
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Mittwoch, 10.05.2017, 14:29 Uhr