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REGENERATIVE:
Bioenergien aus dem bayerischen Chemie-Dreieck
Die BioMa Energie AG und deren Muttergesellschaft Neue Vermögen AG wollen in der bayerischen Gemeinde Tacherting über 250 Mio. Euro in die Produktion von Biodiesel, Bioethanol und Pflanzenöl investieren. Die im Bioethanolwerk benötigte Wärme soll dabei ein Heizkraftwerk liefern, das überwiegend mit den anfallenden Kuppelprodukten befeuert wird.
 
„Wir planen ein ganzheitliches Konzept, das verschiedene Technologien vereint und eine nach heutigem Stand der Technik optimale Nutzung nachwachsender Rohstoffe für die Erzeugung von Strom, Wärme und Biokraftstoffen bei minimaler Belastung der Umwelt erlaubt“, erklärte Ferdinand Fiedler, Vorstandsvorsitzender der Neue Vermögen AG bei der Präsentation des Großprojektes Ende März in München. Die Vermögensverwaltung mit Sitz in Traunstein stieg 2004 mit der Gründung der Salzburger BioMa Energie AG in den Bereich Bioenergie ein.

BioMa verfügt nach Angaben ihres Vorstandsvorsitzenden Karl Fiedler bislang über einen Pool aus vier Biomasse-Heizkraftwerken mit jeweils 5 MW elektrischer und 10 MW thermischer Leistung. Zwei baugleiche Biomasseanlagen in Ernsthofen und Ennsdorf, südöstlich von Linz gelegen, sollen bereits in den kommenden Wochen den Betrieb aufnehmen, die zwei anderen Heizkraftwerke in St. Andrä und Gmünd werden noch im Laufe des Jahres angefahren. Bei den von der Pfaffenhofener eta Energieberatung GbR geplanten Anlagen soll „rund 30 Prozent der erzeugten Wärme ausgekoppelt und in Fernwärmenetze eingespeist werden“, betonte Karl Fiedler.
Mit dem jetzt anvisierten Bioenergie-Projekt im Ortsteil Schalchen der südost-bayerischen Gemeinde Tacherting will sich BioMa selbst übertreffen:

Auf einem rund 6 ha großen Gelände der Degussa AG sollen bis Juni 2008 Raffinerien zur Herstellung von Bioethanol und Biodiesel sowie eine Ölmühle entstehen. „Wir wollen jährlich rund 400 000 Tonnen stärkehaltige Pflanzen wie Roggen, Weizen und Mais sowie etwa 150 000 Tonnen Ölsaaten wie Raps, Sonnenblumen und Leindotter verarbeiten“, erklärt Karl Fiedler gegenüber E&M. Daraus sollen etwa 120 000 t Bioethanol und rund 50 000 t Biodiesel produziert werden. Die Ölmühle ist auf eine Jahreskapazität von 25 000 t Pflanzenöl ausgelegt.
Der Großteil der Biomasse soll mit Hilfe des Münchener Handels- und Dienstleistungskonzerns BayWa beschafft werden. „Wir werden es jedoch nicht schaffen, diese Mengen nur in Deutschland zu akquirieren“, erklärte der BioMa-Chef. Daher sollen auch aus umliegenden europäischen Ländern nachwachsende Rohstoffe importiert werden.

Die bei der Biosprit-Produktion anfallenden Reststoffe sollen in einem neuen Biomasse-Heizkraftwerk thermisch verwertet werden. Geplant ist, mit jährlich etwa 220 000 t Schlempe aus dem Bioethanolwerk und rund 70 000 t Rapskuchen aus der Biodieselanlage knapp 75 % des Brennstoffbedarfs abzudecken, „denn wir wollen so wenig Holz wie möglich einsetzen“, so Karl Fiedler.
Das Heizkraftwerk mit rund 135 MW Feuerungsleistung wird auf den Wärmebedarf des Bioethanolwerks ausgelegt. Voraussichtlich 85 % der erzeugten Wärme wird für die Destillation benötigt, der restliche Dampf soll eine Turbine mit 20 MW elektrischer Leistung zur Stromerzeugung antreiben.

Karl Fiedler und sein Cousin Ferdinand wollen ihr Vorhaben jedoch nicht auf technische Anlagen beschränken: Neben dem Kraftwerksgelände ist ein Zentrum zur Weiterentwicklung von Verfahren zur Biomasse-Nutzung in Planung, das die Arbeit des Kompetenzzentrums für nachwachsende Rohstoffe in Straubing (KoNaRo) ergänzen soll. Zudem wollen die Investoren ein Begegnungszentrum in den Kraftwerkspark einbinden, um „fachkundigen Besuchern sowie der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeiten der Bioenergie angesichts der Endlichkeit fossiler Energieträger sowie deren negativen Auswirkungen auf Klima und Umwelt aufzuzeigen“, erläuterte Ferdinand Fiedler, das Konzept, das ein „spielerisches Lernen für die ganze Familie“ ermöglichen soll.

Die Finanzierung des Großprojektes, das auf 250 bis 270 Mio. Euro geschätzt wird, soll von einem deutsch-österreichischem Bankenkonsortium gestemmt werden. Die BioMa Energie AG und die Neue Vermögen AG wollen rund 30 % der Kosten mit Eigenkapital abdecken. Der Chef des Vermögensverwalters, Ferdinand Fiedler, rechnet „mit einer zweistelligen Kapitalrendite“.

Bei der Projektpräsentation bezeichnete der bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU) das Vorhaben als einen „wichtigen Beitrag, Bayerns führende Rolle bei der energetischen Nutzung von Biomasse auszubauen“. Miller begrüßte zudem die Ankündigung der Unternehmer, auf dem Gebiet der Forschung eng mit dem Straubinger KoNaRo zusammen zu arbeiten.
Kritik übte der Landwirtschaftsminister in diesem Zusammenhang an der von der Bundesregierung geplanten Besteuerung von Biodiesel. Um den positiven Trend bei der Biomasse-Nutzung nicht unnötig zu bremsen, habe Bayern zusammen mit Baden-Württemberg im Bundesrat gefordert, die vorgesehene Steuer für Biodiesel als Reinkraftstoff auf 5 Cent pro Liter und für Biodiesel mit fossiler Beimischung auf 10 Cent pro Liter zu verringern. Pflanzenöl solle zudem weiter von der Steuer befreit bleiben.

„Sonst wird der Aufbau einer leistungsfähigen Biokraftstoff-Wirtschaft, die durch vermehrte heimische Wertschöpfung erhebliche, zur Mineralölsteuer parallel verlaufende Steuereinnahmen und Sozialabgaben erbringt, stark geschwächt“, sagte Miller. Nach seinen Angaben findet die Initiative Bayerns und Baden-Württembergs breite Unterstützung im Bundesrat.    

 
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Mittwoch, 05.04.2006, 10:52 Uhr