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Enerige & Management > Biogas - Biomethanbranche fordert CO2-Bepreisung
Bild: Fotolia.com, Gerhard Seybert
BIOGAS:
Biomethanbranche fordert CO2-Bepreisung
Händler und Produzenten von Biomethan sehen im Wärme- und Verkehrssektor gute Möglichkeiten, aber auch viele Blockaden für die Nutzung von grünem Gas.
 
Der Münchner Energiehändler „bmp greengas“ baut seine Position als einer der führenden Biomethanvermarkter in Deutschland aus. Das Tochterunternehmen der Erdgas Südwest im Verbund des EnBW-Konzerns hat im Februar das Biomethanportfolio der Baywa Re. übernommen. Die Vermarktungsmenge erhöhte sich damit von zuletzt rund 2 Mrd. kWh pro Jahr auf rund 3 Mrd. kWh.

„Wenn die Klimaziele der Bundesregierung eingehalten werden sollen, kann das nur mit grünen Gasen gelingen“, sagt BMP-Geschäftsführer Matthias Kerner. Das Potenzial sei enorm, die notwendige Infrastruktur mit dem Gasnetz bereits vorhanden. „Grünes Gas wird langfristig eine wichtige Rolle in unserer Energieversorgung spielen“, zeigt er sich überzeugt von seinem Produkt. „Durch die Übernahme des Biomethanportfolios der Baywa gewinnen wir im Portfolio- und Bilanzkreismanagement deutlich an Flexibilität und können unseren Kunden und Lieferanten noch mehr Sicherheit bieten.“

Kunden der BMP Greengas sind zumeist Stadtwerke und Energieversorger, die mit erneuerbarem Gas Blockheizkraftwerke betreiben, es als Heizenergie oder an Tankstellen verkaufen. Das Unternehmen beliefert etwa 350 Abnehmer. Lieferanten von Biomethan sind Produktionsanlagen in Deutschland, von ausländischen Produzenten werden bisher nur vereinzelt Zertifikate eingekauft.
 
Matthias Kerner: „Mit Biomethan lässt sich ganz einfach in jedem Heizkessel Biowärme erzeugen“
Bild: BMP Greengas

Kerner sieht Biomethan als wichtigen Teil einer klimaverträglichen Energieversorgung und Industrieproduktion. Bei der Verstromung in Blockheizkraftwerken räumt er dem grünen Gas weiter gute Chancen ein, weil damit vollkommen CO2-freier KWK-Strom geliefert werden kann.

Die besten Wachstumsmöglichkeiten schreibt er jedoch dem Kraftstoff- und Wärmemarkt zu. „Im Verkehrsbereich setzen wir auf Biomethan, weil sowohl auf EU-Ebene wie auch in Deutschland deutlich mehr Augenmerk auf diesen Sektor gelegt wird als in der Vergangenheit“, so der Geschäftsführer.

Beimischquoten für Biokraftstoffe erhöhen

Nachdem die EU beschlossen habe, die erneuerbaren Anteile am Kraftstoffmarkt zu erhöhen, müsse nun aber auch über eine Anhebung der Beimischquoten für Biokraftstoffe verhandelt werden, fordert der Geschäftsführer. „Dann kommt man an Biomethan nicht mehr vorbei, weil es eine von wenigen Möglichkeiten ist, solchen Verpflichtungen nachzukommen.“

Am Wärmemarkt erwartet Kerner eine Verbesserung der Startchancen, weil Biomethan ohne Veränderung an der Heizungstechnik anstelle von Erdgas eingesetzt werden kann und eine deutliche Verringerung des CO2-Ausstoßes ermöglicht. „Mit Biomethan lässt sich ganz einfach in jedem Heizkessel Biowärme erzeugen. Wir bauen deshalb darauf, dass das geplante Gebäudeenergiegesetz für Biomethan geöffnet wird.“

Um das grüne Gas stärker zum Einsatz zu bringen, müsse es aber auch gegenüber Erdgas bessergestellt werden. Beispielsweise bei der Festlegung des Primärenergiefaktors, der im Moment für Biomethan und Erdgas mit 1,1 gleich definiert ist. „Wir hoffen, dass das geändert wird und der Faktor von Biomethan künftig auf 0,5 oder sogar 0,35 reduziert wird.“ Das könnte die Nachfrage nach Biomethan erheblich ankurbeln.

„Neben einem eigenen Primärenergiefaktor und der vollen Anerkennung von Biomethan am Wärmemarkt wäre auch ein CO2-Preis über 25 Euro pro Tonne sehr hilfreich, weil er Anreize für die Vermeidung von Treibhausgasen schafft“, hat Kerner einen weiteren Vorschlag für eine Veränderung der Rahmenbedingungen parat. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein CO2-Preis kommen wird.“ Ohne intelligente Anreize der Politik für die Energiewende „tun wir uns im Wettbewerb mit Erdgas natürlich schwer“, stellt er klar.

Zunehmenden Bedarf an grünem Gas erwartet BMP Greengas außerdem bei der produzierenden Industrie. Der Markt für klimaneutrale Produkte sei da, der Nachhaltigkeitsgedanke in nahezu allen Branchen angekommen – ganz gleich, ob in der Automobilindustrie, Lebensmittelherstellung oder am Bau.

Grüne Gase böten innerhalb der Produktionskette vielfältige Möglichkeiten, den CO2-Fußabdruck eines Endprodukts immer weiter zu minimieren. Nicht nur große Konzerne stellten auf grüne Produktion um. Sie wählten auch immer häufiger Zulieferer, die aktiv CO2 einsparen. Der Druck seitens der Kunden und der Geschäftspartner steige.

Grünes Gas bringt Erneuerbare in verschiedene Sektoren

In der langfristigen Perspektive hat Kerner grünen Wasserstoff und synthetisches Methan im Blick, produziert in Power-to-Gas-Anlagen aus Wind- und Solarstrom. Das Gasnetz biete die Möglichkeit, auch diese Energieträger zu speichern und zu transportieren. Genauso wie Biomethan könnten sie als Brennstoff, als Kraftstoff oder als Rohstoff für die Industrie verwendet werden. „Nur über grünes Gas kann erneuerbare Energie flächendeckend in den verschiedenen Sektoren eingesetzt werden“, stellt er noch einmal klar.

Auf den Wärme- und den Verkehrssektor als naheliegende Nutzer von Biomethan verweist auch der Biogasrat, der auch Produzenten vertritt. Doch der Absatz in diesen Bereichen stagniere, klagt Geschäftsführerin Janet Hochi. „Wir haben heute relevante Mengen an Biomethan frei verfügbar im Markt, die sofort im Wärme- und im Verkehrssektor einen wichtigen Beitrag zur sozialverträglichen Treibhausgasminderung leisten könnten.“ Diese zu ignorieren, sei in hohem Maße unverantwortlich, weil die Politik damit Investitionen der Branche von mehr als 4,5 Mrd. Euro und mehr als 40 000 Arbeitsplätze gefährde.

„Wir brauchen dringender denn je eine Gegenwartsperspektive für die Nutzung von Biomethan“, fordert die Biogasrat-Chefin. Ein effizientes Instrument dafür wäre ein sektorenübergreifender und angemessen hoher CO2-Preis. Außerdem wäre es ihrer Ansicht nach nötig, im Wärmemarkt und im Verkehrssektor rasch bestehende Restriktionen und Blockaden für den Einsatz von Biomethan zu beseitigen.

Der Biogasrat hat deshalb für das geplante Gebäudeenergiegesetz einen technologieoffenen Einsatz von Biomethan, die Anpassung des Primärenergiefaktors für Biomethan, die Aufhebung der Regelung, dass Biomethan gebäudenah erzeugt werden muss, sowie eine steuerliche Förderung für einen Heizungsaustausch, der an den Einsatz erneuerbarer Energien gekoppelt ist, vorgeschlagen.

„Für den Verkehrssektor fordern wir eine grüne Gasmobilitätsstrategie“, so Hochi weiter. Biomethan liege mit einer durchschnittlichen Emissionseinsparung von 91 % auf Platz eins im Vergleich zu allen anderen Biokraftstoffen. Für einen stärkeren Einsatz wichtig wären unter anderem die Erhöhung der Treibhausgasminderungsquote auf 16 % bis 2030 und die Berücksichtigung der CO2-Minderungsvorteile von grünen Gasen in den Flottendurchschnittswerten der Automobilhersteller.

 
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Dienstag, 18.06.2019, 08:31 Uhr