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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Corona-Virus bremst Windkraftausbau
Bild: psdesign1 / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Corona-Virus bremst Windkraftausbau
Nach vorliegenden Prognosen könnte 2020 ein Rekordjahr für den weltweiten Ausbau der Windenergie werden. Ob es dazu kommt, hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandiemie ab.
 
Mit einer Leistung von 60.400 MW war 2019 das Jahr mit dem weltweit bislang zweithöchsten Windkraftausbau. Ein erfreulicher Turnaround nach den zuletzt beiden Abschwungjahren in Folge. Nur 2015 hatte es laut dem Global Wind Report 2019, den der Global Wind Energy Council (GWEC) Ende März vorgestellt hat, mit 63.800 MW an Land und auf See einen höheren Zubau gegeben.

Auch die World Wind Energy Association (WWEA), der zweite Windenergieverband auf internationaler Bühne, vermeldete mit einer Gesamtinstallation von 59.667 MW ein deutliches Plus beim Windenergieausbau im Vergleich zu den letzten Jahren. „2019 war das Jahr mit dem zweithöchsten Zuwachs innerhalb eines Kalenderjahres“, heißt es bei WWEA.

Nach den GWEC-Zahlen hatte es im vergangenen Jahr an Land eine neu installierte Kapazität von 54.200 MW gegeben, auf See ein Plus von gut 6.200 MW. Damit entfielen rund 10 % des internationalen Windkraftausbaus auf die Offshore-Windenergie, vor fünf Jahren lag dieser Anteil bei lediglich 5 %. Für den Offshore-Windenergiesektor liegen aber auch andere Zahlen vor: Das World Forum Offshore Wind hatte Ende Februar in seiner Statistik von einem Zubau von gut 5.200 MW gesprochen.
 
Deutsche Windtechnik
Bild: Jens Meier

Dass hinter diesen Zahlen ein (kleines) Fragezeichen zu setzen ist, zeigt sich auch bei folgenden Angaben: So erwartet GWEC für dieses Jahr einen neuen Rekordausbau von annähernd 76.000 MW an Land und auf See. Gleichzeitig schränkt der Weltwindenergieverband ein, die Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemie nicht einschätzen zu können − was verständlich ist. Die schottischen Marktanalysten von Wood Mackenzie haben deshalb jüngst ihre Ausbauprognose für den diesjährigen Ausbau der Windenergie rund um den Globus bereits um knapp 5.000 auf 73.000 MW nach unten korrigiert. Auf konkrete Zahlen wollte sich Feng Zhao, der bei GWEC die Strategie-Abteilung leitet, auf einem Webinar seines Verbands Anfang April aber nicht festlegen: „Dafür ist es noch zu früh. Wenn es zu Verzögerungen von Projekten kommt, erwarten wir, dass die betroffenen Windparks 2021 in Betrieb gehen.“

Für die kommenden fünf Jahre sieht GWEC den Zubau der weltweiten Windkraftleistung jeweils über der 70.000-MW-Marke liegen. Für GWEC-Geschäftsführer Ben Backwell zu wenig, um die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen von Ende 2015 zu erreichen: „Um wirklich den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten wir in der kommenden Dekade jährlich einen Ausbau von mindestens 100.000 Megawatt schaffen, für die Post-2030er-Jahre und danach ist eine Steigerung auf jährliche 200.000 Megawatt notwendig.“

Nach der GWEC-Statistik sind vom letztjährigen Windkraftausbau an Land in Höhe von 54.200 MW auf China und die USA mit 23.800 MW und 9.100 MW rund 60 % entfallen. Danach folgten Indien (knapp 2.400 MW), Schweden (gut 1.600 MW) und Frankreich (circa 1.300 MW). Anders ausgedrückt: Auf dieses Quintett kamen rund 72 % der 2019er-Neuinstallationen.

Deutschland zählt nicht mehr zu den wichtigsten Absatzmärkten

Angesichts der seit gut zwei Jahren anhaltenden Grabenkämpfe zwischen den schwarz-roten Regierungsfraktionen ist der Windmarkt hierzulande mit einer neu installierten Bruttoleistung von 1.078 MW aus den Top-fünf-Positionen gefallen. Bis 2017 hatte Deutschland in schöner Regelmäßigkeit neben China und den USA zu den drei Ländern mit den höchsten Neuinstallationen im Windsektor gezählt. Aber nicht nur Deutschland enttäuschte im vergangenen Jahr: Auch Länder wie Brasilien mit 745 MW oder Kanada bei 597 MW blieben deutlich unter früheren Ausbaumarken. In Afrika ist der Ausbau der Windenergie ebenfalls nicht richtig vorangekommen: Zwar gab es in Ägypten ein Plus von 262 MW, dagegen ist in Südafrika und Kenia, beides Hoffnungsmärkte der vergangenen Jahre, 2019 nicht eine einzige Windturbine neu in Betrieb gegangen.

Wie sehr der deutsche Windmarkt mittlerweile an Standing verloren hat, zeigte die vom europäischen Branchenverband Windeurope vor Ostern vorgestellte Studie „Financing and Investment Trends“ für das Jahr 2019. Danach sind im vergangenen Jahr europaweit rund 19 Mrd. Euro in neue Windturbinen investiert worden, wovon das Gros mit 13 Mrd. Euro auf Windparks an Land entfiel. Nach der Auswertung aus der Brüsseler Windeurope-Zentrale war vor allem Spanien, gefolgt von Schweden und Polen, beliebt bei Windkraftinvestoren. Auf Spanien allein entfielen rund 2,8 Mrd. Euro der europaweiten Onshore-Windinvestitionen.

Das Investitionsvolumen für den Windkraftausbau an Land und auf See lag allerdings um rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Was vor allem mit der Krise auf dem deutschen Windmarkt zusammenhängt. Hierzulande flossen nach den Windeuropa-Zahlen 2019 nur noch 300 Mio. Euro in neue Windturbinen, ein Jahr zuvor hatte das Investitionsbudget noch bei 800 Mio. Euro gelegen.

Giles Dickson, Geschäftsführer des europäischen Branchenverbands, machte für den deutlichen Rückgang in Deutschland vor allem den Genehmigungsstau bei neuen Projekten verantwortlich: „Die Verfahren sind zu kompliziert und es ist für die potenziellen Betreiber oft unklar, in welche Richtung es geht − die Bundesregierung muss Klarheit schaffen, um Investoren zurückzugewinnen.“

Durch die Zahlen aus der Brüsseler Windeurope-Zentrale sieht sich der Bundesverband Windenergie (BWE) in seiner Auffassung bestätigt, dass die schwarz-rote Koalition endlich ihre seit Monaten anhaltende Blockade für den weiteren Windkraftausbau beenden muss. „Wir brauchen kein Geld, sondern den Abbau von Bürokratie, regulatorischen Hemmnissen und eine positive,
nach vorn gerichtete Kommunikation“, kommentierte BWE-Präsident Hermann Albers den Bericht aus Brüssel. Lange Genehmigungsverfahren und die fehlende Akzeptanz in Teilen der Bevölkerung haben hierzulande den Windkraftausbau an Land in den vergangenen zwei Jahren einbrechen lassen.

Die deutsche Windbranche wartet nach wie vor darauf, dass das Bundeswirtschaftsministerium die bei einem Krisentreffen im vergangenen September vereinbarte „Aufgabenliste Wind an Land“ umsetzt, damit wieder mehr Windturbinen zwischen deutsch-dänischer Grenze und dem Alpenvorland ans Netz gehen. Allerdings hat sich bislang noch nichts getan. Deshalb ist heute schon absehbar, dass Deutschland auch beim nächsten GWEC-Länderranking nicht auf den vorderen Plätzen landen wird.

 
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Montag, 11.05.2020, 09:00 Uhr