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Enerige & Management > Vertrieb - Das ok-power-Label richtet sich neu aus
Bild: Fotolia.com, Photo-K
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Das ok-power-Label richtet sich neu aus
Bei der künftigen Ökostrom-Zertifizierung rücken bei EnergieVision, dem Trägerverein vom ok-power-Label, künftig mehr die Anbieter in den Vordergrund - eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist.
 
Die Verbraucherzentrale NRW beendet Ende nächsten Jahres ihr Engagement bei der Zertifizierung von Ökostrom, die Verbraucherschützer stellen ihre Mitarbeit bei EnergieVision, dem Trägerverein es ok-power-Labels, ein. „Wir freuen uns, dass wir einen Beitrag zur Erfolgsgeschichte von ok-power leisten konnten. Die Verbraucherzentrale NRW sieht ihre Rolle im Energiemarkt aber nicht in einem dauerhaften Engagement bei der Vergabe von Qualitätslabeln“, begründet Energie-Bereichsleiter Udo Sieverding diesen Schritt.

Zwei Entwicklungen, so Sieverding, haben diese Entscheidung mit beeinflusst: „Da das ok-power-Label neue Kriterien für die Zertifizierung einführen wird und parallel mit der Schaffung eines Kriterienbeirats eine institutionelle Erweitung plant, scheint uns jetzt der passende Moment für diesen Rückzug gekommen zu sein.“ Aus dem Gründerkreis von ok-power-Label hatte sich bereits vor zwei Jahren die Umweltschutzorganisation WWF verabschiedet. Von den Mitinitiatoren verbleibt nur noch das Freiburger Öko-Institut an Bord. Im Breisgau laufen seit Wochen die Arbeiten für das neue Zertifizierungskonzept. „Dieser Prozess hat bereits vor zwei Jahren begonnen“, erklärt Koordinator Dominik Seebach, „da wir erkannt haben, dass der Zubau erneuerbarer Energien nicht mehr das einzige Kriterium sein kann, der guten oder weniger guten Ökostrom ausmacht.“

Demnächst sollen neben dem absoluten Muss eines 100-prozentigen Ökostromangebots auch Kriterien wie insbesondere Flexibilität und die Integration fluktuierender erneuerbarer Energien zu den Bewertungsparametern für die Zertifizierung zählen. „Während sich bisher die Zertifizierungskriterien ausschließlich auf das Produkt bezogen haben, rückt künftig der Anbieter mehr in den Vordergrund“, erklärt Seebach. „Viele der aktuellen Herausforderungen der Energiewende lassen sich eben nur durch Maßnahmen adressieren, die nicht direkt an ein einzelnes Produkt gebunden sind, sondern zur Gesamtstrategie eines Energieversorgers zu zählen sind.“ Das Ziel ist klar umrissen: „Wir wollen weiterhin das führende Ökostrom-Siegel bleiben“, so Seebach.

Noch ist der neue Kriterienkatalog nicht endgültig beschlossen. Das eigentliche Design soll ein sechsköpfiger Kriterien-Beirat entwickeln, der sich im Dezember das erste Mal trifft. Diesem Gremium, so die Vorstellung, sollen Energiewirtschaftler und Ökostrom-Fachleute angehören. Am 5. März sollen ihre Überlegungen dann den Unternehmen vorgestellt werden, die bislang ihre Ökostromprodukte bei ok-power haben zertifizieren lassen. Mit Beginn des Jahres 2016, so der Plan, sollen die Vertriebsabteilungen der Ökostromanbieter mit dem aktualisierten Siegel werben können. „Wir wollen die Anbieter bei der inhaltlichen Neuausrichtung mitnehmen“, betont Dominik Seebach, der weiß, dass EnergieVision unter Druck geraten ist. Und zwar gleich doppelt. Denn Ende Oktober ist der TÜV Süd mit dem Label „Wegbereiter der Energiewende“ vorgeprescht, in das viele Überlegungen eingearbeitet sind, die seit Monaten am Öko-Institut und bei EnergieVision debattiert werden. 10 bis 15 % der Ökostromanbieter sieht der TÜV Süd als Markt für das neue Ökostromsiegel. Zu den ersten drei Unternehmen, die mit dem neuen Siegel werben werden, zählen LichtBlick, Hamburg Energie und BayWa.re.

Das LichtBlick-Management hat sich bereits entschlossen, künftig in seinem Vertrieb auf das neue TÜV-Siegel zu setzen und die Zusammenarbeit mit dem ok-power-Label zu reduzieren. Bitter für EnergieVision: Mit LichtBlick verliert der Zertifizierungsverein seinen bislang größten Kunden – zwar nicht komplett, aber überwiegend. „Wir werden die Mengen, die wir bislang bei EnergieVision zertifizieren haben lassen, um 90 Prozent senken“, kündigte Geschäftsführer Gero Lücking an, „wir können die Mengen nicht auf null runterfahren, da wir insbesondere mit zahlreichen Kommunen längerfristige Lieferverträge haben, in denen die Zertifizierung nach ok-power-Standard Vertragsbestandteil ist.“ Einen Rückkehr zu ok-power will Lücking nicht ausschließen: „Wir schauen uns den neuen Kriterienkatalog an, wir sind aber froh, dass wir der TÜV zeitgemäßere Vorgaben vorgelegt hat.“

Hamburg Energie wird dagegen vorerst seinen Ökostrom sowohl nach den neuen TÜV-Standards als auch nach den ok-power-Vorgaben zertifizieren lassen. „Wir nutzen sicherlich beide Labels solange, bis das neue TÜV-Siegel einen größeren Bekanntheitsgrad hat“, sagte Unternehmenssprecher Carsten Roth gegenüber E&M Powernews.

In die Ökostrom-Zertifizierung kommt auf jeden Fall neuer Schwung. Für das kommende Frühjahr hat der der Bund der Energieverbraucher e.V. angekündigt, die Nachhaltigkeit diverser Grünstromanbieter auf der Internetseite www.energieanbieterinformation.de   anhand von eigenen Umweltkriterien bewerten zu wollen. Als Basis dafür nutzt der Verein dabei den von Professor Wolfgang Irrek (Hochschule Ruhr-West) zusammen mit Dieter Seifreid (Ö-Quadrat) entwickelten „EVU-Check“. Das entsprechende Gutachten hatte übrigens EnergieVision finanziert. „Anhand unserer Kriterien können die Verbraucher erkennen, inwieweit Energieversorger wichtige Umweltziele bereits erfüllt haben oder dabei sind“, beschreibt Aribert Peters, langjähriger Vorsitzender beim Energieverbraucher-Verein, die Zielsetzung. Fakt ist, die Zeiten, in denen sich Ökostromanbieter allein mit der Lieferung grüner Kilowattstunden rühmen konnten, neigen sich dem Ende entgegen, künftig steht vielmehr der Anbieter mit all seinen Aktivitäten auf dem Prüfstand.

E&M-Redakteur Ralf Köpke gehört seit 2010 dem Beirat von EnergieVision e.V. an.

 
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Montag, 17.11.2014, 16:18 Uhr