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Bild: Fotolia.com, DeVIce
WINDKRAFT:
Den Gürtel enger schnallen
Welche Konsequenzen hat die EEG-Reform für die Projektierer von Windparks? Angesichts sinkender Vergütungen und eines härteren Wettbewerbs setzen die Unternehmen auf fallende Preise für Windturbinen und Pachten.
 
Diesen Termin hat sich Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) nicht nehmen lassen. Ende April weihte Nordrhein-Westfalens Klimaschutz- und Umweltminister den neuen Windpark im rheinischen Zülpich ein und setzte damit angesichts der laufenden Debatte um die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ein deutliches Zeichen. „Dieser Windpark ist ein Beispiel dafür, wie die Energiewende direkt vor Ort erfolgreich realisiert werden kann. In enger Zusammenarbeit können Projektierer, Kommunen, Bürger, Politik und Investoren Windenergieprojekte gemeinsam zum Erfolg führen“, schwärmte er.

Das Ministerlob hörte Thomas Walther, Vorstandsmitglied der Energiekontor AG aus Bremen, gerne. „Mit individuellen Beteiligungsmodellen wie hier in Zülpich wollen wir den Aufbau einer dezentralen regenerativen Energieerzeugung aktiv unterstützen und die Akzeptanz vor Ort fördern.“ Zwei der sieben GE-Propeller im Windpark Zülpich werden von einer Bürgerenergiegenossenschaft betrieben.

Auch künftig will der renommierte Windkraftprojektierer von der Weser auf solche Beteiligungsmodelle setzen. Walther ist froh, dass die von der Bundesregierung noch im Januar vorgesehenen drastischen Einschnitte beim Onshore-Windkraftausbau mittlerweile fast alle vom Tisch sind. „Bei einem größeren Teil unserer Projekte gibt es keine wesentlichen negativen Auswirkungen. Bei den anderen Vorhaben sind wir dabei, zu rechnen, ob durch eine Neukonfiguration des Windparks oder mit der Wahl anderer Windturbinen die veränderte Förderung teilweise kompensiert werden kann“, sagt der Energiekontor-Mann. Der Windkraftausbau an Land gehe weiter und bleibe das Rückgrat der Energiewende.

Nicht nur an der Weser sind die Verantwortlichen froh, dass die EEG-Novelle auf der Zielgeraden ist. „Die Verunsicherung in den zurückliegenden Wochen war schon groß“, stellt Dirk Woldrich, der Leiter der Abteilung Windenergie der Green City Energy in München, fest. „Man kann jetzt endlich wieder mit den Banken reden, da die wesentlichen Eckpunkte dafür vorgegeben sind, wie es mit der Onshore-Windenergie weitergeht.“
Bis Ende 2016 sind aktuell keine weiteren Gesetzesänderungen geplant, was den Diplomingenieur zusätzlich freut: „Wir sprechen über immerhin gut zweieinhalb Jahre, was für unsere Branche schon viel ist.“ Dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) das EEG-System danach durch ein Ausschreibungsmodell ablösen will, ist nicht nach Woldrichs Geschmack: „Was dann wirklich auf uns zukommt, kann noch niemand so richtig ermessen.“

Auch Hermann Albers nicht. Die aktuelle EEG-Novelle führe dazu, so der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, dass „sich die Projektierer nicht nur auf sinkende Margen und Umsätze, sondern auch auf einen deutlich stärkeren Wettbewerb einstellen müssen“. Da angesichts der beschlossenen Vergütungskürzungen nicht mehr jeder geplante Windpark wirklich gebaut werde, sinken für alle die Verdienstmöglichkeiten, konstatiert der BWE-Präsident.

Auch die Windturbinenhersteller sollten ihre Preise senken

Wenn es nach den Projektierern geht, müsste all dieses eigentlich auch die Windturbinenhersteller umfassen, von denen niedrigere Preise für die Windmühlen erwartet werden. „Bei uns sind noch keine Signale angekommen, dass die Hersteller ihre Preise spürbar senken wollen“, bedauert Klaus Schulze Langenhorst, Chef der SL Naturenergie-Gruppe aus Gladbeck. „Diese Preissenkungen müssen kommen, sonst bewegt sich bei einigen Projekten gar nichts mehr“, bekräftigt Hartmut Brösamle von der wpd AG aus Bremen. Stattdessen gebe es eher den Trend zu neuen Anlagentypen auf noch höheren Türmen und mit noch längeren Rotorblättern. „Das verbessert sicherlich den Windertrag und damit die Wirtschaftlichkeit einzelner Windparks. Grundsätzlich gilt aber: Wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen, wünschen wir uns auch ein preisliches Entgegenkommen der Turbinenlieferanten“, betont Brösamle.

Das ist auch der Wunsch von Woldrich. Mit seiner Crew setzt er vor allem auf Schwachwindturbinen, die auf die Standorte in Süddeutschland zugeschnitten sind: „Richtig wirtschaftlich sind derzeit nur die entsprechenden Modelle zweier Anlagenhersteller. Warum sollten die aber bei dieser Mini-Konkurrenz mit ihren Preisen runtergehen?“

Die Konkurrenz bei den Schwachwindturbinen dürfte eher ab- als zunehmen, wenn die Beobachtung von Christoph Markl-Meider stimmt. „Wir nehmen zunehmend wahr, dass sich die Hersteller bei der technischen Weiterentwicklung ihrer Anlagen wieder stärker an den Anforderungen aus dem Norden orientieren. Die typische Windenergieanlage für einen klassischen Binnenlandstandort verliert an Bedeutung“, sagt der Sprecher der Ostwind-Gruppe aus der Oberpfalz.

Noch bei einem anderen Ausgabenposten setzt die Projektierer-Gilde nach der EEG-Reform auf sinkende Preise: bei den Pachten für die Windkraftstandorte. „Da ist auf alle Fälle ein anderes Niveau notwendig“, verlangt Christian Hinsch von der juwi AG. „Was wir nach Fukushima teilweise an Forderungen erlebt haben, ist an vielen Binnenland-Standorten nicht zu erwirtschaften.“

Auch der ABO Wind AG sind die in einigen Regionen heftig gestiegen Preise schon länger ein Dorn im Auge: „Wir setzen darauf, dass bei den Landeigentümern nach der EEG-Reform ein neuer Realismus die Oberhand gewinnt. Vielen von ihnen ist oft genug das Blaue vom Himmel versprochen worden, gebaut sind viele dieser Windparks bis heute nicht“, sagt Sprecher Alexander Koffka.

Das Unternehmen aus Hessen hofft noch darauf, dass der Bundestag am 26. Juni dem jüngsten Beschluss des Bundesrates folgt, die Stichtagsregelung für neue Windparks zu ändern. Nach dem Kabinettsbeschluss können nur die Windparkprojekte mit der ursprünglich für 2014 vorgesehenen Vergütung rechnen, wenn für sie bis zum 22. Januar dieses Jahres eine Baugenehmigung vorlag. „Diese Regelung widerspricht dem Vertrauensschutz, weshalb wir davon ausgehen, dass der Bundestag diese Klausel ändern wird“, meint Koffka. Anderenfalls seien „wirtschaftliche Abstriche“ bei einigen Projekten von ABO Wind unvermeidlich.

Bürgerwind-Projekte dürfen nicht abgewürgt werden

Abstriche vermeiden will auch die Boreas Energie bei der Einbindung von Bürgerbeteiligungsprojekten bei ihren Windparks. „Wir sehen nach wie vor ein großes Interesse an solchen Vorhaben, die den Energiewende-von-unten-Gedanken leben“, betont Boreas-Mann Daniel Hujer. Bereits das Kapitalanlagegesetzbuch aus dem vergangenen Sommer habe bei Bürgerwind-Aktivitäten für reichlich Gegenwind gesorgt. „Die Projekte sind schwieriger und bürokratischer geworden“, bemängelt er. Boreas wolle dennoch derartige Initiativen unterstützen: „Solche Projekte abzuwürgen, wäre der vollkommen falsche Weg.“

Kritisch sieht das Dresdner Windunternehmen auch die von der sächsischen Landesregierungen mitinitiierte Länderöffnungsklausel im Baugesetzbuch, mit der die Abstände zwischen Windturbinen und Wohnbebauung drastisch erweitert werden können. "Wir sehen diese im Prinzip für alle Bundesländer mögliche Regelung sehr kritisch. So könnte ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen entstehen, mit denen die Windenergie noch mehr zum Spielball bei Landtagswahlen wird und verlässliche Rahmenbedingungen immer mehr verlorengehen", so Hujer. Die von Sachensen und Bayern vorgeschlagene 10-H- Regelung bedeute für die beiden Bundesländer den Stillstand bei Onshore-Wind, da keine neuen Projekte mehr umzusetzen wären.

So sieht das auch die Ostwind-Gruppe. Nach Einschätzung der Planungsabteilung lässt die Abstandsvergrößerung „keinen Spielraum für neue Standorte“ mehr zu. Die Konsequenz: „Wir werden uns wieder stärker auf Zielregionen konzentrieren, in denen wir zuletzt weniger präsent waren“, kündigt Sprecher Markl-Meider an. Seine Hoffnung nach Abschluss der EEG-Novelle: „Derzeit zeigen viele Projektbeteiligte noch immer Zurückhaltung darin, künftige Vorhaben vorbehaltlos und ohne Bedenken anzugehen.“ Wünschenswert wäre es, wenn sich diese Zurückhaltung in den kommenden Wochen legen würde.

 
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Montag, 02.06.2014, 14:14 Uhr