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REGENERATIVE:
Der Große Bellheim lässt grüßen
Die Windbranche kann sich über den Wiedereinstieg zahlreicher Pioniere freuen, die mit der Eviag AG einen neuen Turbinenlieferanten etablieren wollen.
 

Das selbst ernannte Energieland Nummer eins, Nordrhein-Westfalen, wird nach fast anderthalb Jahrzehnten wieder Domizil eines Windturbinenherstellers. Eviag heißt der Newcomer, ein Kunstname, der seinen Sitz im Ruhrgebiet haben wird.

Seitdem die frühere Tacke Windenergie GmbH im Dezember 1992 aus dem münsterländischen Rheine über die Landesgrenze nach Niedersachsen ins benachbarte Salzbergen umzog, hat NRW zwar einige namhafte Zulieferer der Windbranche zu bieten, wie den Getriebehersteller Winergy oder Hoesch Rothe Erde, Nummer eins bei Großwälzlagern, aber keinen eigenen Turbinenlieferanten mehr. Diese Lücke füllt demnächst Eviag, hinter der mehrere Privatinvestoren und die Stuttgart Invest AG (Stinag) mit einem Anteil von 27,5 % stecken. Das für die Startphase notwendige Kapital in zweistelliger Millionenhöhe haben die Gesellschafter auf das Eviag-Konto überwiesen.

Ab Februar 2009 will das Windunternehmen im Ruhrgebiet auf einer Fläche von rund 20 000 m2 ein Produktionswerk sowie einen Verwaltungstrakt bauen. Bereits wenige Monate später sollen die ersten Windturbinen gefertigt werden. "Wir haben uns bewusst für das Revier entschieden, weil hier die logistischen Voraussetzungen zu Straße und zu Wasser stimmen, aber auch weil unsere wichtigsten Zulieferer um die Ecke sitzen", sagt Eviag-Vorstandschef Wilhelm Hecking.

Der heute 58-jährige gebürtige Westfale war nicht nur Einkaufschef bei der Balcke-Dürr AG, die sich in den frühen neunziger Jahren an der damals noch nicht börsennotierten Nordex GmbH beteiligte, sondern später auch Geschäftsführer der Südwind Energy GmbH sowie zuletzt bis Anfang 2003 Vorstand bei Nordex. Von den bislang elf Eviag-Mitarbeitern kommen fast alle aus dem Nordex-Umfeld. So war beispielsweise Peter-Heinrich Boysen, Eviag-Vorstand für Engineering und Service, jahrelang technischer Leiter der Nordex-Tochter Südwind. Volker König, der Ende der achtziger Jahre zusammen mit drei Kompagnons die Nordex-Technik aus Dänemark nach Deutschland gebracht und mit eigenem Geld die bundesweit erste Megawattanlage entwickelt hatte, konnte als Vertriebsleiter gewonnen werden.

Der Altersdurchschnitt bei dem neuen Windunternehmen liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt. So umweht die Eviag ein Hauch aus dem Großen Bellheim, jenem Fernsehfilm von Dieter Wedel aus dem Jahr 1993, bei dem eine Crew älterer Herrschaften ihren Ruhestand unterbrechen und ein Kaufhaus retten.

Retter sind Wilhelm Hecking und seine Mitstreiter weniger. Finanziell nötig gehabt hätte keiner der Eviag-Macher den Wiedereinstieg in die Windbranche, so Hecking. Alle bislang eingestellten Kollegen kommen nach seinen Worten aus etablierten Positionen: "Wir sind von etwas wie einem Windvirus befallen, der uns alle gepackt hat." Auch der Ehrgeiz sei spürbar, früher einmal gemachte Erfahrungen nun in das neue Unternehmen einzubringen - noch eine Parallele zu dem Großen Bellheim.

"Wir sind kein klassisches Start-Up-Unternehmen, sondern wissen, worauf es ankommt", sagt Hecking selbstbewusst. Er persönlich sieht ein Zeitfenster "von zwei Jahren", um Eviag als Qualitätsunternehmen am Markt zu etablieren: "Dann dürfte es mit den derzeit langen Lieferzeiten für Windturbinen vorbei sein." Im kommenden Jahr plant Eviag, 20 Windturbinen der 2,5-MW-Klasse zu fertigen, 2010 sollen es 70 und 2012 dann insgesamt 200 Anlagen sein. Dann will das Unternehmen auch 200 Mitarbeiter beschäftigen.

Dafür hat Eviag eine Lizenz von der Fuhrländer AG für die Windturbine vom Typ FL 2500 erworben. Diese Lizenz gilt vorerst exklusiv für den französischen Windmarkt, aber auch in einigen anderen Ländern wie Polen will Eviag aktiv werden. In der Anfangsphase soll neben Frankreich vor allem Nordafrika ein zweiter Vertriebsschwerpunkt werden.

Obgleich nach Firmenangaben bislang nur gut ein Dutzend von der FL 2500 am Netz sind, ist die Eviag-Crew von der Maschine überzeugt: "Wir kennen die Entwicklungsingenieure sehr genau und wissen, wie sie denken", sagt Vertriebsleiter Volker König. Dass hinter dem Entwicklungsbüro Wind-to-Energy GmbH wiederum ehemalige Nordex-Leute stecken, ist keine Überraschung. "Diese Leute haben für Nordex Anlagen entwickelt und konnten für die FL 2500 viele Optimierungen umsetzen, mit der sich nicht nur Service und Wartung vereinfachen, sondern auch die Langlebigkeit der Maschine erhöht", sagt König.

Dass die Maschine im Markt gefragt ist, hat König bei seinen ersten Verhandlungen erfahren: "Für das kommende Jahr ist unsere Produktion ausverkauft." Für die künftigen Geschäfte gibt es eine klare Vorgabe. "Wir wollen mit ausgewählten Projektentwicklern und Zulieferern zusammenarbeiten, um möglichst große Synergien zu schaffen", sagt König. Ziel seien "langfristige Partnerschaften". Viele Zulieferer kennen Vorstandschef Hecking und seinen Vorstandskollegen Achim Kettlack ohnehin seit über einem Jahrzehnt. Nur deshalb konnten sie sich für den Produktionsstart wichtige Komponenten sichern, für die ansonsten die Lieferzeiten bei bis zu zwei Jahren liegen.

"Die Bedingungen für unseren Start sind gut. An uns liegt es jetzt, die Erwartungshaltung unserer Kunden zu erfüllen", beschreibt Hecking die Aufgaben für die kommende Zeit. "Wind moves us" - heißt es im Eviag-Logo. "Der Wind bewegt uns" - bei Eviag demnächst, so die Überzeugung, ziemlich heftig.


 
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Freitag, 05.09.2008, 13:10 Uhr