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REGENERATIVE:
Der Heimatmarkt wird unwichtiger
Da die Windkraft-Nutzung weltweit neue Aufwinde erlebt, können die heimischen Windturbinen-Hersteller den erneuten Rückgang beim Bau neuer Anlagen in Deutschland gut verkraften.
 

Zum dritten Mal in Folge ist in Deutschland die neu installierte Windkraft-Kapazität gesunken. Im vergangenen Jahr gingen 1 050 Windturbinen mit einer Gesamtkapazität von 1 808 MW neu ans Netz; gemessen am Vorjahr bedeutet das ein Minus von über elf Prozent. Noch ein Vergleich: Im Rekordjahr 2002 feiert der deutsche Windmarkt ein Plus von 3 250 MW. Bundesweit beträgt die installierte Windleistung nun 18 428 MW.

Peter Ahmels, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie (BWE), zeigte sich trotz des Rückgangs nicht unzufrieden: „Das Ergebnis ist besser ausgefallen als lange Zeit gedacht.“ Verzögerungen bei den Genehmigungsbescheiden, aber auch Lieferschwierigkeiten für wichtige Komponenten der Windturbinen hatten Branchenexperten zwischenzeitlich einen Absturz auf gut 1 500 MW befürchten lassen.

Auch mit den rückläufigen Aufstellungszahlen wird Deutschland nach Einschätzung des BWE-Mannes auch künftig zu den Topmärkten zählen. Nach den vorliegenden Zahlen sind im vergangenen Jahr nur in den USA mit über 2 500 MW mehr Windturbinen ans Netz gegangen, in Spanien sprechen die Windverbänden nach ersten Erhebungen von einem Zuwachs in Höhe von rund 1 525 MW.

Unabhängig von dem reinen Zahlenwerk sind für Thorsten Herdan von der VDMA Fachgruppe Power Systems zwei aus den Jahresstatistiken erkennbare Entwicklungen viel bedeutsamer: „Weltweit gab es im vergangenen Jahr ein Plus beim Windkraftausbau von mindestens 23 Prozent, was mit einem Marktvolumen von 10 Mrd. Euro verbunden war. Rund die Hälfte davon erwirtschaftete die deutsche Windindustrie.“ Deshalb sei es richtig gewesen, dass die Bundesregierung in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten diese Technologie mit Fördergesetzen angeschoben habe.

Tempo beim Neubau hängt von Zulieferern ab

Und die Geschäfte laufen weiter gut: Bis Mitte 2007 haben die Windturbinen-Hersteller schon heute volle Auftragbücher – vor allem dank des Windbooms in den USA. Bei den steigenden Gaspreisen investieren große Stromversorger zunehmend in Windparks, wobei sie auch bereit sind, höhere Preise für die dreiflügeligen Kraftwerke zu zahlen.

Diese Entwicklung sieht Hans Jørn Rieks, Geschäftsführer der Vestas Deutschland GmbH, mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Bei den höheren Margen und den vertraglich vereinbarten kürzeren Lieferzeiten ist klar, dass das USA-Geschäft auch für unseren Konzern oberste Priorität hat. Wir müssen deshalb schauen, dass wir wirklich die vereinbarten Maschinen-Kontingente für unsere Absatzgebiete bekommen.“

Das hängt allerdings von einer Prämisse ab: „Wir können die schönsten Produktionssteigerungen ankündigen, wenn wir nicht auch die Zulieferer mitziehen. So gibt es beispielsweise drei bedeutende Lager-Hersteller, die sich mit einem Kapazitätsausbau noch zurückhalten, weil sie sich nicht allzu sehr von der Windbranche abhängig machen wollen“, beschreibt Norbert Giese von der Siemens Wind Power Deutschland GmbH die Situation.

Unabhängig von den Engpässen bei den Hauptkomponenten erwartet Jens Peter Molly, Geschäftsführer des Deutschen Windenergie-Instituts (Dewi) in Wilhelmshaven, dass in Deutschland der Abwärtstrend bei den Neuaufstellungen anhält: „Für dieses Jahr erwarten wir einen Neubau von gut 1 500 MW.

Drei Faktoren sind für die Entwicklung verantwortlich: Zum einen nehmen an Land die verfügbaren windreichen Flächen ab. Das zur Kompensation gedachte Repowering-Geschäft, also der Austausch älterer Mühlen gegen moderne, effiziente Maschinen, kommt nur äußerst schleppend in Gang. So sind im Jahr 2005 nur 18 alte Windräder abgebaut worden. Deutlich hinter den bisherigen Zeitplänen liegt auch die Nutzung der Windkraft auf See. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen Branchenexperten davon aus, dass bis zum Jahr 2010 in der deutschen Nord- und Ostsee weniger als ein Handvoll Offshore-Windparks mit einer Leistung von höchstens 1 000 MW in Betrieb geht.

Nordex: Aufsteiger des Jahres

Um zumindest das derzeitige Aufstellungsniveau zu halten, steht beim Bundesverband WindEnergie in diesem Jahr das Repowering ganz oben auf der Tagungsordnung. „Es kann nicht sein, dass alle Parteien dieses Thema als besonders wichtig und zukunftsträchtig propagieren, die derzeitige Höhenbegrenzung von 100 Metern den Einsatz moderner Mühlen aber unwirtschaftlich macht“, kündigt Präsident Ahmels viele Gespräche auf Bundes- und Landesebene ab. Die Strategie ist dabei klar: Über das Repowering erhofft sich der BWE auch Impulse für den Bau neuer Windturbinen der neuesten Generation, den die Landsbauordnungen vielerorts verhindern.

Was auch im Interesse der Hersteller wäre, die im vergangenen Jahr hier zu Lande fast alle absolut gesehen weniger Maschinen aufgestellt haben. Dabei konnte, wie seit über einem Jahrzehnt, die Enercon GmbH ihre Position als Marktführer bestätigen. Fast auf das Zehntel genau landeten die Ostfriesen wie im Vorjahr bei einem Marktanteil von 41,7 %. Auf den Plätzen folgten Vestas Deutschland (26,8 %), GE Energy (8,1 %), Nordex (7,8 %) und die REpower Systems AG (5,5 %).

Aufsteiger des Jahres dabei ist die Nordex AG, die nach Lösung ihrer finanziellen Probleme ihren Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr annähernd verdoppeln konnte. „Wir haben das Grundvertrauen unserer Kunden wieder zurückgewonnen“, freut sich Sprecher Ralf Peters. Das will das Norderstedter Unternehmen nutzen, um den eingeschlagenen Auslandkurs zu forcieren. Für dieses Jahr strebt Nordex eine Exportquote von 60 % an, die weiter auf 70 % ausgebaut werden soll – ein neuer Rekordwert in der Unternehmensgeschichte.

Neue Rekordwerte können nach der jüngsten Erhebung auch drei Bundesländer vermelden, in denen die Windenergie in einem Nordwindjahr gut ein Drittel des Stromverbrauchs - gemessen an den Zahlen von 2001 - decken kann. Zu diesen Top Drei zählen Schleswig-Holstein (Anteil: 35,2 %), Sachsen-Anhalt (34,4 %) und Mecklenburg-Vorpommern (31,5 %).


Marktanteile

Hersteller 2005 2004
Enercon GmbH 41,7 41,8
Vestas GmbH 26,8 30,0
GE Wind Energy 8,1 7,7
Nordex AG 7,8 4,4
REpower Systems AG 5,5 9,2
Siemens Wind Power* 4,0 4,0
Fuhrländer AG 2,6 1,3
Gamesa Wind GmbH 2,8 0,6
Sonstige 0,6 0,5

*Der Siemens-Konzern hat im 4. Quartal 2005 den Anbieter AN windenergie gmbh, Bremen, übernommen, der in Deutschland traditionell Turbinen des dänischen Herstellers Bonus Energy A/S vertreibt. Siemens hatte Bonus im Herbst 2004 aufgekauft.


 
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Donnerstag, 19.01.2006, 10:15 Uhr